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Interview mit Alexandra Braun [brauny] - RECHT
 
 
 
 
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Interview mit:

Alexandra Braun [brauny] 


RECHT
Was haben Sie studiert? Auf was haben Sie sich spezialisiert?
Ich habe Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität in Marburg studiert und mich auf Strafrecht bzw. Strafverteidigung spezialisiert.
Wie sieht Ihre Berufserfahrung im rechtlichen Bereich aus? Seit wann üben Sie Ihren Beruf aus?
Ich bin nun seit etwas über drei Jahren als Rechtsanwältin tätig. In dieser Zeit habe ich in zahlreichen Strafverfahren verteidigt.
Welche Links gibt es über Sie im Internet, die uns einiges über Sie verraten?
Zum einen gibt es meine Homepage: http://www.verteidigerin-braun.de Daneben blogge ich unter www.rainbraun.blogspot.com.
Welche Fälle interessieren Sie besonders?
Jeder Fall ist auf seine Art und Weise interessant. Die Verteidigung kann bei einer Trunkenheitsfahrt genauso anspruchsvoll und spannend sein wie bei schweren Delikten. Als Strafverteidigerin ist man nicht nur Anwältin, sondern in gewisser Weise auch Seelsorgerin. Das macht jedes Mandat zu einer Herausforderung.
Wie kommen die Kunden auf Sie? Warum glauben Sie, wählen Ihre Kunden Sie aus?
Eine Vielzahl der Kunden kommt über das Internet. Sie haben einen Artikel von mir gelesen und dadurch einen ersten Eindruck gewonnen. Teilweise kommen Mandate auch über soziale Netzwerke wie Xing oder über meinen Blog. In diesen Fällen spielt der schon vorhandene persönliche Kontakt eine große Rolle.
Wie berechnen Sie Ihre Tarife? Stehen Sie in Bezug zu Ihrem Einsatz, zu dem, was auf dem Spiel steht, oder hängen Sie von den finanziellen Möglichkeiten des Mandanten ab?
Eine Mischung aus allem. Im Strafrecht gibt es so genannte Rahmengebühren. Die Höhe richtet sich nach dem Aufwand meiner Tätigkeit, der Bedeutung der Sache für den Mandanten und sicherlich auch etwas nach dessen finanziellen Möglichkeiten.
Wie verkauft man einem Mandanten die Strategie, die Sie für seine Verteidigung erarbeitet haben?
Ich "verkaufe" niemand eine bestimmte Strategie, die der Mandant nicht will. Meine Aufgabe ist es vielmehr, Chancen und Risiken aufzuzeigen und den Mandanten so in die Lage zu versetzen, sich für eine Vorgehensweise zu entscheiden. Dabei steht das Interesse des Mandanten im Vordergrund.
Ihre Mandanten können emotional gesehen sehr aufgeregt sein. Wie schaffen Sie es, dass sie eine rationelle und realistische Einstellung bekommen?
Sicher sind Mandanten, denen eine Straftat vorgeworfen wird, aufgewühlt und zunächst etwas unsortiert. Meine Aufgabe ist es dann, zunächst durch gezielte Fragen den Sachverhalt und vor allem ihr Ziel in Erfahrung zu bringen. Zudem bedarf es für eine Einschätzung in Strafsachen immer zwingend der Einsicht in die Ermittlungsakte. Ohne Akteneinsicht ist eine realistische Einschätzung nicht möglich!
Was passiert, wenn Sie es intuitiv spüren, dass Ihr Mandant Sie belügt?
Es ist im Strafrecht nicht unbedingt wichtig, die so genannte Wahrheit zu kennen. Möglicherweise testet der Mandant an mir seine Strategie der Verteidigung und korrigiert die Version im Laufe des Mandatsverhältnisses. Ich weise in aller Regel dann darauf hin, dass die Geschichte unglaubwürdig ist und bei Gericht nicht erzählt werden sollte. Manchmal kommt es dann dazu, dass der Mandant mir eine andere Version erzählt. Allerdings ist fraglich, ob es im Strafverfahren eine objektive Wahrheit gibt.
Haben Sie jemanden schon einmal als unschuldig verteidigt, obwohl Sie mit Sicherheit wussten, dass er schuldig ist?
Schuldig ist für mich jemand, der rechtskräftig verurteilt wurde (und auch dann kann er unschuldig sein). Diese Frage stellt sich mir also grundsätzlich nicht. Und was ist schon "mit Sicherheit"? Kann ich sicher sein, nur weil der Mandant sagt, er sei es gewesen? Nein.
Welche Gründe gab es für Sie, einen Fall abzulehnen? Wie haben Sie Ihre Entscheidung begründet?
Es kommt immer wieder vor, dass ich ein Mandat ablehne. Die Gründe sind vielfältig: Arbeitsauslastung, fehlende Kenntnisse oder Erfahrungen auf dem Gebiet etc.
Welche Strategie ist normalerweise effektiver? Die aggressive oder die freundschaftliche? Oder die, wo Sie eine vernünftige Absprache treffen?
Das ist eine Frage des Einzelfalls und lässt sich pauschal nicht sagen.
Ist es wichtig, von Vornherein die Persönlichkeit und die Gepflogenheiten des Richters zu kennen, der den Fall leiten wird?
Das kann sinnvoll sein. Wichtiger ist es aber, die Akte genau zu kennen und im Strafprozessrecht fit zu sein.
Benötigt man in Ihrem Beruf Mut?
Ja.
Was ist Gerechtigkeit? Gibt es eine Möglichkeit, sie zu messen, oder ist es nur ein Gefühl?
Was als gerecht empfunden wird, ist von Mensch zu Mensch absolut verschieden und nicht messbar.
DNA-Analysen zeigen schwerwiegende juristische Fehler aus der Vergangenheit auf. Ist dies nicht ein ausreichendes Argument, um die Todsstrafe abzuschaffen?
In Deutschland ist die Todesstrafe abgeschafft und ich wünsche mir, dass sie in allen Ländern bald Geschichte sein wird.
Ein Video zeigt die Schuld des Angeklagten. Da es jedoch illegal gefilmt wurde, wird es nicht als Beweismittel zugelassen und der Angeklagte ist frei. Ist diese Art von Justiz nicht absurd?
Nein. Es gibt zu Recht unzulässige Beweismittel, die nicht verwendet werden dürfen.
Ist es nötig, die Justiz langsam und teuer zu halten, um einen Ansturm an irrelevanter Fälle zu vermeiden?
Nein, das ist nicht nötig. Für jeden Mandanten ist sein Fall relevant.
Berichten die Medien verhältnismä?ig zu viel über Kriminalfälle?
Ich störe mich nicht an einem "zu viel", sondern an einseitiger und schlechter Berichterstattung.
Auf welchen Gebieten bilden Sie sich fort, um auf dem Laufenden zu bleiben?
Im Strafrecht bilde ich mich umfassend fort. Ich habe in diesem Jahr den Fachanwaltslehrgang erfolgreich absolviert und werde im Herbst an einer Fortbildung zum Strafprozessrecht teilnehmen. Natürlich informiere ich mich auch über die aktuelle Rechtsprechung.
Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Was würden Sie dann gerne tun?
In fünf Jahren bin ich immer noch mit Freude Strafverteidigerin.
Welchen Rat geben Sie jemandem, der sich für die juristische Laufbahn interessiert?
Nicht aufgeben, Zähne zusammenbeißen und etwaige Rückschläge mit Humor nehmen.
 





© Alexandra Braun
Web-Adresse dieses Interviews:http://www.whohub.com/brauny

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