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Interview mit Brit Krostewitz [britkrostewitz] - KREATIVITÄT, SCHREIBEN
 
 
 
 
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Interview mit:

Brit Krostewitz [britkrostewitz] 


BERUF
Was ist Ihr Beruf? Was steht auf Ihrer Visitenkarte unter Ihrem Namen?
Autorin und freie Texterin.
Was haben Sie studiert und warum?
Anglistik und Germanistik auf Lehramt. Hat sich so ergeben. Allerdings bin ich frei von jeglichen akademischen Abschlüssen geblieben. Wahrscheinlich, weil es sich eben nur so ergeben hat und ich im Lehrerberuf zu wenig Berufung gesehen habe.
Ihre Links im Internet (Website, Blog, Social Networks, etc.)
Als Autorin: www.britkrostewitz.de Als Texterin: www.wort-art-bochum.de Desweiteren findet man mich unter meinem Namen auch bei Twitter, Facebook, Xing und Myspace.
Auf welchem Gebiet sind Sie gut? Wo müssen Sie sich noch verbessern?
Ich bin in allen Bereichen gut, in denen ich mich mit offenem Geist, ehrlichem Interesse und klarem Standpunkt bewege. Und sicher kann ich mich auch in diesen Bereichen noch verbessern. Leben ist Lernen. Und das praktiziere ich täglich bewusst. Ob beim Schreiben, am PC oder im Umgang mit anderen Menschen.
Nehmen Sie an Seminaren oder Kursen teil, um sich in Ihrem Beruf fortzubilden, oder sind Sie Autodidakt?
Wenn sich interessante Möglichkeiten ergeben, nutze ich sie auch. Allerdings neige ich eher dazu, mich stetig autodidaktisch weiterzuentwickeln.
Welche Personen haben Sie im Laufe Ihrer Ausbildung bzw. Ihres Studiums nachhaltig beeinflusst?
Bezüglich meiner schreibenden Tätigkeit hatte den meisten Einfluss ein anderer Autor, den ich selbst unheimlich gern las, den ich irgendwann persönlich traf und der zu einer Art Mentor, erstem Kritiker und gutem Freund wurde: Jörn Pfennig. Vor allem aber haben mich all diejenigen beeinflusst, die von Anfang an an mich geglaubt und mich unterstützt haben.
Mit welcher Art von Menschen fühlen Sie sich wohl, um im Team arbeiten zu können?
Ich mag Menschen, die begeisterungsfähig, kreativ, mutig und ein bisschen verrückt sind. All das ist notwendig, um auch Herausforderungen zu bewältigen und den Spaß an der Sache nicht zu verlieren.
Haben Sie sich schon einmal auf den Social Networking-Portalen für Experten umgesehen? Wo haben Sie sich registriert?
Ja. Xing, Myonid, LinkedIn. Allerdings pflege ich meine Konten dort momentan weniger als ich sollte.
Wie verändert das Internet Ihre Arbeitsweise?
Es ist auf jeden Fall sehr effizient bezüglich des persönlichen Zeitmanagements, der Recherche, der Aquise und zu Werbezwecken.
Glauben Sie, dass Ihre Hobbys dazu beitragen, Ihre professionellen Qualitäten zu steigern?
In meiner Tätigkeit verbinde ich Hobby und Beruf ganz bewusst. Was ich mache, macht mir viel Spaß und das trägt sicher zur Qualität meiner Arbeit bei.
Helfen Ihnen Ihre Hobbys dabei, professionelles Networking zu betreiben?
Da es bei meiner Tätigkeit keine Trennung zwischen Hobby und Beruf gibt, findet Networking oft auch ganz automatisch statt, wo immer ich mich privat bewege.
Abgesehen von Ihrem aktuellen Beruf - hätten Sie gerne noch etwas anderes gelernt?
Manchmal denke ich darüber nach, ob ich nicht auch Philosophie oder gar Psychologie hätte studieren sollen. Aber was wäre dann aus mir geworden?
Was ist das Wichtigste, das Sie in Ihrem Beruf mit der Erfahrung gelernt haben?
An Dingen festzuhalten, auch wenn man anfangs der Einzige ist, der daran glaubt. Wenn man anderen mit ehrlicher Überzeugung und Ehrgeiz begegnet, überzeugt man auch sie. Persönlich habe ich gelernt, dass ich zu dem Punkt finden musste, mich für eine Sache wirklich berufen zu fühlen, um meinen Weg zu gehen.
Was wollten Sie werden, als Sie noch ein Kind waren?
Ein Musicalstar. Singen, tanzen und schauspielern - das wollte ich.
Sind Sie der Meinung, dass Berufliches und Privates getrennt werden sollte, abgesehen von einigen Ausnahmen?
Privates im Sinne von Freizeitbeschäftigungen gehört bei meiner Tätigkeit unbedingt dazu. Im Sinne von privaten Beziehungen sehe ich das ein wenig anders. Da sollten die Bereiche zum größten Teil erkennbar getrennt sein. Ein freundschaftliches Miteinander schadet geschäftlichen Beziehungen zwar nicht zwingend, aber man sollte stets wissen, in welchem Rahmen man gerade miteinander zu tun hat.
Referenzen, Veröffentlichungen, Wettbewerbe, etc.
Im Mai 2010 ist mein Gedichtband "Schmetterlingsgarn" erschienen. (Edition Talberg, 68 Seiten, broschiert, ISBN: 978-3-9813473-3-3) Erhältlich im Buchhandel & über Online-Versand, u.a. versandkostenfrei bei Amazon: http://linkshrink.de/27648/ Weitere Referenzen sind meinen jeweiligen Webseiten zu entnehmen.
Ihre Bibel?
Die Bibel. Jörn Pfennig "Grundlos zärtlich. Gedichte" Christian Morgenstern "Stufen: Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen."
Wie gehen Sie mit Stress um?
Ich suche nach positiven Aspekten der jeweiligen Stress-Situation. Und ich nutze meine eigenen kleinen "Ruhe-Oasen", mich nach einer solchen zu regenerieren.
KREATIVITÄT
Wie kam es, dass eine Person wie Sie kreativ wurde, und warum?
Auf einmal war es da, das Gefühl, etwas (alles) rauslassen zu wollen. Also fing ich an zu schreiben. Die Frage nach dem Warum hat sich mir nie gestellt. Ich habe es von Anfang an als einen selbstverständlichen Teil von mir selbst empfunden.
Ihr Verstand ist Ihr Arbeitswerkzeug. Wie pflegen Sie ihn?
Ich füttere ihn täglich mit neuen Eindrücken, Informationen etc. Sprich, mit Leben. Ich biete ihm immer wieder Neues zum Lernen und zum Genießen.
Wie verhindern Sie, sich zu wiederholen, in Formeln zu verfallen? Wie wahren Sie die Frische?
Immer lässt sich das sicher nicht verhindern. Allerdings kann man sich auch nur mit Neuem füllen, wenn man gelegentlich Leere zulässt. Also versuche ich, bewusst Dinge gedanklich abzuschließen, um mich auf diese Weise Neuem zu nähern.
Welche kulturellen Quellen nutzen Sie bevorzugt?
Alle, die sich mir bieten. Ich lese, höre viel Musik, gehe zu Veranstaltungen, zu Austellungen etc. Aber auch das Alltägliche bietet eine Menge kreativen Stoff, den es zu entdecken gilt.
Wer waren Ihre Meister bzw. Vorbilder?
Vorbilder beinhalten oft den Versuch, demjenigen nachzueifern. Das habe ich so nie empfunden. Mein Lieblingsautor Jörn Pfennig hat mich allerdings dahingehend beeinflusst, dass ich dieses Gefühl, selbst zu schreiben zu wollen/müssen/können, immer wieder aufs Neue verspürt und verfolgt habe.
Sie akzeptieren einen Auftrag. Wie bewerten Sie die einzelnen Facetten? Geld, kreative Freiheit, Sichtbarkeit, Kooperation mit den besten Profis...
Geld ist wichtig, kreative Freiheit ein angenehmer Bonus, Sichtbarkeit extrem förderlich und die Kooperation mit Profis eine Bereicherung. Wenn das Ganze dann noch viel Spaß macht, bin ich zufrieden. Und der Kunde hoffentlich auch.
Ideen auf die Welt bringen - Ist das nur ein lustiger Ausdruck, oder gibt es tatsächlich eine Parallele?
Diese Frage mag ich. Was das Schreiben angeht, antworte ich mit einem klaren Ja. Alles, was ich schreibe, entwickelt sich in mir, ich spüre, wie es wächst, ich fiebere der "Geburt" entgegen, erlebe sie oftmals als eine Mischung aus Schmerz und Freude und am Ende betrachte ich das "geborene" Werk erleichtert und glücklich.
Spiritualität - Steuert sie zu Ihrer Kreativität bei?
Auf jeden Fall. Ich bin ein sehr spiritueller Mensch und ohne das geistige Einfühlen in die Dinge wäre ich nicht kreativ.
Können Sie sich in eine schlechte Idee verlieben, nur weil sie von Ihnen stammt? Wie vermeiden Sie so etwas?
Bei Auftragsarbeiten steht die Idee immer im direkten Austausch mit dem Auftraggeber und grundlegend orientiere ich mich an dessen Vorstellungen. Dort ist eine schlechte Idee die, die kein positives Feedback vom Kunden erhält. Natürlich bin ich auch in der Lage, dem Auftraggeber meine eigenen Ideen nahezubringen. Beides miteinander abgestimmt führt dann zu einem guten Ergebnis. Beim Schreiben bin ich ganz Bauchmensch. Die Idee wird umgesetzt, wenn sie da ist. Meistens merke ich dabei recht schnell, wenn ich mich gedanklich "verrannt" habe. Habe ich ein Gedicht oder eine Kurzgeschichte beendet, lege ich den Entwurf in der Regel ein paar Tage (oder sogar länger) beiseite. Wenn ich ihn mir dann wieder vornehme, sagt mir mein Bauch deutlich, ob und wo ich ändern oder feilen sollte. Wann ein Werk wirklich "fertig" ist, ist also eine intuitive Entscheidung.
Seien Sie ehrlich: Für welche Firma oder für welche Person würden Sie gerne arbeiten?
Ich bin glücklich damit, für mich selbst arbeiten zu dürfen. Da ich allerdings auch schon ab und zu Songtexte geschrieben habe, gibt es da den einen oder anderen Künstler, für den ich gern mal texten würde. Namen nenne ich hier aber keine.
Der Psychologe im Haus: Ist die Kreativität für Sie ein rebellischer Akt?
Nur manchmal. Manchmal auch ein emotionaler, ein (er)lösender, ein amüsanter...
Arbeiten Sie gut unter (Zeit)druck?
Unter Zeitdruck: Ja.
Welche Weltstadt reizt Sie derzeit aufgrund Ihres kreativen Ambientes?
Kreatives Ambiente finde ich meistens eher fernab von Weltstädten spannend. Allerdings liebe ich England - und London ist immer eine (Kreativ-)Reise wert. Außerdem mag ich die Atmosphäre vom Montmartre/Paris im Sommer.
Wie verkauft man eine Idee?
Am erfolgreichsten produziert mit Liebe, getränkt in Herzblut und eingepackt in Überzeugung.
Was fühlen Sie, wenn Sie Ihre Ideen vor zwei oder drei Jahren sehen?
Manches lässt mich schmunzeln. Für viele Momente und Ideen von damals bin ich im Nachhinein allerdings sehr dankbar, da sie bezeichnend für den Weg waren, auf dem ich mich heute befinde.
Viele Ideen kommen an verschiedenen Orten auf und werden von unterschiedlichen Personen ausgetüftelt, die untereinander nicht in Verbindung stehen. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Das geht dann wohl Hand in Hand mit meiner Antwort bezüglich der kreativen Quellen. Wir alle nutzen ähnliche oder gleiche kreative Zünder. Die Dinge des Lebens, aus denen wir schöpfen können, sind nun einmal begrenzt und dass dieselbe Idee aus der gleichen Inspiration heraus entspringt, ist somit nicht völlig auszuschließen.
Sie sind so gut wie Ihre letzte Idee. Würden Sie eine sichere Arbeitsstelle nicht vorziehen?
Ich bin immer so gut wie meine nächste Idee. Also - nein.
SCHREIBEN
Wie haben Sie angefangen, zu schreiben? Wer hat Ihre Texte damals gelesen?
Als 10jährige habe ich die ersten Versuche mit kleinen gereimten Vierzeilern gemacht. Ich mochte Gedichte irgendwie schon immer. Als Teenager wurden die Texte dann länger. Alles Gehversuche auf dem Weg, mich auszudrücken. Gelesen hat das kaum einer, vielleicht einmal eine Freundin oder meine Mutter. Als eigentlichen Anfang meines Schreibens sehe ich allerdings einen viel späteren Zeitpunkt. Ich hatte über Jahre nichts verfasst und mit Anfang Zwanzig erwischte es mich kalt, mitten in der Straßenbahn. Seitdem weiß ich, dass ich schreiben muss.
Welches Genre bevorzugen Sie? Haben Sie einen Link, auf dem wir etwas über Ihr neuestes Werk erfahren können?
Ich schreibe größtenteils Lyrik und ab und zu Kurzprosa. Meine Veröffentlichungen und verschiedene Leseproben sind auf meiner Webseite zu finden. http://www.britkrostewitz.de Aktuelles & Unveröffentlichtes findet man in meinem Blog: http://britkrostewitz.posterous.com/
Wie verläuft Ihr kreativer Prozess? Was geschieht, bevor Sie sich hinsetzen und anfangen zu schreiben?
Mein Kopf sagt mir, dass da etwas ist, das raus muss. Das kann eigentlich immer und überall passieren. Manchmal ist es ein einziges Wort, ein Satz oder auch ein Gefühl oder der Gedanke an ein bestimmtes Thema. Es taucht auf und ich weiß, dass ich schreiben will. Bin ich zu Hause und habe Zeit, schreibe ich drauf los. Geht das nicht, mache ich mir zumindest eine Notiz, und sei es unterwegs im Notizbuch oder Handy. Die andere Variante ist, dass ich mich bewusst entscheide etwas zu schreiben. Dann nehme ich mir Ruhe und Zeit, lasse die Gedanken und mein Inneres frei und wenn ich Glück habe, passiert dann etwas Ähnliches wie beim spontanen Schreiben.
Welche Art Lektüre aktiviert in Ihnen die Lust, zu schreiben?
Lektüre hat in den seltensten Fällen diesen Einfluss. Da bin ich Leser und nehme auf. Eine mögliche Inspiration oder Aktivierung der Schreiblust passiert dabei höchstens unbewusst. Die Lust zu schreiben ist sowieso stets in mir vorhanden und kriecht eben von Zeit zu Zeit (auch zu den unmöglichsten Gelegenheiten..) an die Oberfläche und macht sich bemerkbar.
Welche sind für Sie die Hauptzutaten einer guten Geschichte?
Sie muss wohldosiert und gekonnt gespickt sein mit diesen kleinen fesselnden Momenten, die einen dazu bringen weiterlesen zu wollen. Sei es auf spannungsgeladene, emotionale oder auch amüsante Art. Egal ob sie dazu dient, dass der Leser sich mit einem jeweiligen Protagonisten identifiziert oder ihm völlig neue Welten eröffnet - er muss in den ersten Satz eintauchen und vor dem letzten nicht wieder auftauchen wollen.
In welchen Schuhen fühlen Sie sich wohl? Erste Person oder dritte Person?
Als Lyrikerin zugegebenermaßen oft in der ersten. Bei Kurzprosa bediene ich mich eher der dritten Person. Es gibt aber auch zahlreiche Ausnahmen.
Welche bekannten Schriftsteller bewundern Sie am meisten?
Auch wenn ich mich wiederhole - Jörn Pfennig. Er ist und bleibt mein Lieblingsautor. Für Christian Morgenstern hatte ich auch schon immer eine Vorliebe. Vor allem bei dem, was über die "Galgenlieder" hinausgeht. Ansonsten mag ich vor allem Ulla Hahn, Brecht, Heine, Paul Celan, Cyrano de Bergerac, Shakespeare, William Butler Yeats, Leonard Nimoy... und und und....
Was macht eine Person glaubhaft? Wie kreieren Sie Ihre Persönlichkeiten?
In der Lyrik kreieren sich eventuelle Persönlichkeiten mit wenigen Worten selbst. Die Glaubhaftigkeit spielt dabei weniger eine Rolle als die essentielle Aussage. Bezogen auf Prosa denke ich, dass es dem Schreiber gelingen muss, ein konkretes Bild einer Persönlichkeit beim Leser entstehen zu lassen. Sei es durch direkte Beschreibung oder Zeichnung des Verhaltens. Was er mit seiner Vorstellungskraft greifen kann, glaubt er.
Für wen schreiben Sie in Ihrem tiefsten Inneren?
Für den/die in meinem tiefsten Inneren, der/die mir immer wieder sagt, dass ich es aufschreiben soll.
Ist Schreiben eine persönliche Therapie? Sind interne Konflikte eine kreative Antriebskraft?
Erstens: Zuweilen ja. Zweitens: Sie können alles sein. Zünder, Motor oder auch Bremse.
Nutzt Ihnen der Feedback Ihrer Leser etwas?
Als direkten Nutzen würde ich es nicht bezeichnen. Es sagt mir aber zumindest etwas über den jeweiligen Leser und das, was er meinem Schreiben entnommen hat. Das zu erkennen, finde ich jedesmal spannend.
Präsentieren Sie sich bei Schriftsteller-Wettbewerben? Haben Sie schon einmal einen Preis gewonnen?
Mitte der Neunzigerjahre habe ich bei dem ersten und einzigen Poetry Slam, an dem ich je teilgenommen habe, den vierten Platz von 23 Teilnehmern belegt. Preise gab es allerdings nur für die ersten drei. Schriftlich habe ich das seitdem nur dreimal getan, allerdings erfolglos. Ab und zu schaue ich nach aktuellen Wettbewerben, entdecke aber selten etwas, das ich "passend" finde.
Zeigen Sie Ihre Manuskripte einer vertrauten Person, um ihre Meinung zu hören?
Früher habe ich sie ab und zu Freunden gezeigt, um ein Feedback zu erhalten. Heute mache ich das nicht mehr, sondern veröffentliche eher einen Teil neuer Texte in meinem Blog.
Glauben Sie, Ihre "eigene Stimme" bereits gefunden zu haben, oder ist man ewig auf der Suche nach ihr?
Meine lyrische Stimme habe ich in dem Augenblick gefunden, als ich bewusst zu schreiben anfing. Allerdings hat sie sich seitdem immer mal wieder ein wenig verändert, hatte einen Stimmbruch und wird sicher auch noch die eine oder andere Nuance durchmachen.
Welche Disziplin erlegen Sie sich selber auf in Hinblick auf Ziele, Zeiten, in denen Sie schreiben, etc.
Gar keine. Wenn ich schreibe, schreibe ich. So einfach ist das.
Was umgibt Sie in Ihrem Arbeitszimmer, um Ihre Konzentration zu erhöhen?
Mein Arbeitszimmer ist eine Räuberhöhle im buchstäblichen Sinne. Mit Konzentrationssteigerung hat das wenig zu tun. Wenn ich schreibe, kommt die Konzentration automatisch von innen.
Schreiben Sie auf dem Bildschirm, drucken Sie häufig Ihre Schriften aus, korrigieren Sie auf Papier...? Wie läuft der Prozess bei Ihnen ab?
Meistens schreibe ich am PC. Wenn ich schriftliche Notizen gemacht habe, bearbeite ich sie auch manchmal noch weiter auf Papier, bevor ich sie ins Digitale übernehme. Dort wird schlussendlich auch korrigiert. Ausdrucke mache ich unregelmäßig - meistens, wenn ich neue Texte für eine Lesung benötige. Ganz selten korrigiere ich dann noch ein paar Kleinigkeiten.
Welche Websites besuchen Sie, um Erfahrungen auszutauschen oder Informationen zu erhalten?
Hauptsächlich die sozialen Netzwerke, in denen ich angemeldet bin. Dazu kommen ein paar Informationsseiten für Autoren, wie beispielsweise www.uschtrin.de, von der ich z.B. auch den Federwelt-Newsletter beziehe.
Welche Erfahrung haben Sie mit Verlagen gemacht?
Eine gute und eine schlechte. Die schlechte glücklicherweise zuerst. Details lass ich an dieser Stelle außen vor. Jetzt bin ich jedenfalls bei einem neuen, kleinen und engagierten Verlag, bei dem ich mich gut aufgehoben und betreut fühle. www.edition-talberg.de
An welchem Projekt arbeiten Sie momentan?
An dem Projekt, an dem ich ständig arbeite. Es heißt "Arbeitsblatt", ist eine Word-Datei und auf ihm befinden sich diverse Textfragmente und Entwürfe, die es zu bearbeiten gilt. Daraus entsteht dann irgendwann Gedichtband Nr.2... und Kurzprosa-Sammlung Nr.1...
Was raten Sie mir, was ich mit all diesen Texten machen soll, die ich seit Jahren schreibe, aber noch nie jemandem gezeigt habe?
Sie endlich jemandem zeigen. Aber nur, wenn Sie das wirklich wollen.
PERSÖNLICHKEIT
Welches Buch, welche CD und welchen Film würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Müsste ich mit einem Buch auskommen, wäre es wohl Jörn Pfennigs "Grundlos zärtlich", weil ich es immer wieder lesen kann und es mir sehr viel bedeutet. CD - eine selbst erstellte mit mindestens 300 verschiedenen Titeln, die mir spontan bei der Zusammenstellung einfallen. Film - auch da wäre die Auswahl schwer. Am Ende würde ich mich möglicherweise für eine klassische Verfilmung von Robinson Crusoe entscheiden - vielleicht fühle ich mich dann nicht so allein mit meiner Situation und kann sogar noch etwas lernen.
Wie stehen Sie zu den beiden Aussagen "Arbeiten um zu Leben" bzw. "Leben um zu Arbeiten"?
Die sind mir beide zu einseitig.
Welche Techniken setzen Sie ein, um sich zu entspannen, wenn Sie unter Druck stehen?
Keine Techniken, sondern eher Eigenschaften wie Gleichmut, Optimismus und Rückzugswillen. Dann kann ich auf vielerlei Arten entspannen.
Ein kleiner Genuss, der für Sie enorm groß ist?
Einen lieben Menschen zu umarmen.
Was war der größte Verlust, den Sie in Ihrem Leben erlitten haben?
Meine Großeltern mütterlicherseits. Sie sind verstorben, als ich noch sehr jung war und ich hatte wenig Zeit mit ihnen. Davon hätte ich wirklich gern mehr gehabt, denn so wie ich sie erlebt habe, waren sie sehr liebe und besondere Menschen.
Wie reagieren Sie auf Telemarketing-Anrufe?
Ich reaktiviere mein Callcenter-Knowhow, plaudere mit dem Anrufer über echte Namen, Skripte und Eingabefelder auf dem Monitor, und am Ende wünsche ich dem armen Tropf noch viel Erfolg.
Fünf Uhr nachmittags an einem typischen Sonntag - was machen Sie gerade?
Irgendetwas - von A wie Arbeiten bis Z wie Zeit mit meinem Sohn verbringen.
Ein Gebiet, auf dem Sie völlig unerfahren sind?
Quantenphysik? Aber immerhin weiß ich, dass es das gibt.
Sind Sie nach irgendetwas süchtig?
Nach Worten. (Darüber, dass ich rauche, müssen wir hier nicht sprechen, oder?)
Mit welchem Spielzeug haben Sie in Ihrer Kindheit am liebsten gespielt?
Ich erinnere mich an meinen Lieblingsteddy. Hellbraun, zottelig und mit glänzenden braunen Knopfaugen. Und eine kleine alte Holzeisenbahn. Dann kamen diverse Puppen. Mit 6 bekam ich ein Puppenhaus, das war etwas Besonderes. Irgendwann habe ich die Möbel aber mit nach draußen genommen und lieber selbstgebuddelte Höhlen an einem Hang hinter dem Haus damit eingerichtet. Und dann kamen die Bücher...
Wie war Ihr Lieblingslehrer an der Schule?
Einerseits war da mein Kunstlehrer Herr Kahle. Er war schon ziemlich alt, wirkte sehr klug, fast schon weise und hatte einen kleinen Schalk im Nacken sitzen. Außerdem erweiterte er den Kunstunterricht oft durch kleine Ausflüge in die Geschichte, das hat mir sehr gefallen. Dann war da noch mein Geschichtslehrer Herr Grubitzsch. Starker Raucher, und irgendwie nicht so unnahbar und steif wie die meisten anderen Lehrer. Er hatte eher sympathisch-kumpelhafte Züge, und bewegte sich in meinen Augen ziemlich gut auf dem schmalen Grat zwischen Vertrauensperson und Authorität. Über eine sehr bezeichnende Situation mit ihm am 10. November 1989 habe ich auch ein Gedicht geschrieben.
Ihre Vorsätze für das neue Jahr?
Diese Frage werde ich wohl erst am 31.12. diesen Jahres beantworten können. Und ab dem 01.01. dann schon wieder nicht mehr...
Gibt es einen Aberglauben, der Sie dazu bringt, Ihr Verhalten zu ändern?
Aberglaube oder Tick? Ich mag es nicht, ohne bestimmte Schmuckstücke aus dem Haus zu gehen. Dazu gehören zwei Ringe und ein paar bestimmte Armbänder. Habe ich sie ausnahmsweise mal vergessen, fühle ich mich nicht ganz wohl und hoffe, dass ich den jeweiligen Ausflug auch ohne diese Glücksbringer heil überstehe.
Gibt es etwas, das Sie noch nicht gemacht haben, aber definitiv in Ihrem Leben irgendwann einmal machen wollen?
Da gibt es unter anderem Reisen zu ganz bestimmten Zielen. Und ich würde gern noch eine weitere Sprache lernen. Ob das Französisch, Spanisch (die ich beide nur in ganz geringen Ansätzen beherrsche) oder Japanisch sein wird, habe ich noch nicht entschieden. Was ich mir unbedingt wünsche, ist - eines Tages am Meer zu leben.
Was ist die beste Nachricht, die Sie in Ihrem Leben gelesen haben?
Die erste: Sie sind schwanger. (Na gut, im Grunde war es nur ein kleines rotes Kreuz auf meiner Akte bei der Frauenärztin.) Die zweite: Ich lasse mich auf das Abenteuer ein und mache eine gemeinsame Lesung mit Dir. (sinngemäß, Jörn Pfennig.) Die dritte: Dein Buch ist fertig und wird veröffentlicht.
Wohin auf der Welt würden Sie ziehen, ohne einen Augenblick zu zweifeln?
Ganz klar - ans Meer. Für eine bestimmte Küste hab ich mich noch nicht entschieden, aber für mich als Anglophile dürfte es gern im englischsprachigen Raum sein.
Eine schlechte Angewohnheit, die Sie überwunden haben?
Das ausgeprägte ungesunde Helfersyndrom, dass ich noch mit Mitte zwanzig hatte. (Zumindest größtenteils.)
Ein Wort oder ein Spruch, den Sie lieben?
Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt. (Mark Twain) Lieblingsworte im Deutschen: hanebüchen, fein, Schabrackentapir Lieblingsworte im Englischen: outrageous, gorgeous, cheers
Ein Wort oder ein Spruch, den Sie hassen?
Wenn ich sagte "Glaub' ich nicht.", pflegte mein Ex zu sagen "Das glaub ich für dich mit." Das hat mich fast wahnsinnig gemacht.
Was werden Sie wohl als Rentner machen?
In einem kleinen Häuschen direkt am Meer leben, schreiben, jede Minute genießen, und lächelnd auf die Zeit zurückblicken.
Wer würden Sie gerne sein, wenn Sie noch einmal auf die Welt kommen würden?
Ich.
IDEEN
In der U-Bahn schwarzfahren oder Ladendiebstahl begehen - gehen die Menschen mit solchen kleinen Straftaten zu tolerant um?
Wenn ja, dann gehöre ich wohl genau zu diesen Menschen.
Sind Sie für oder gegen den Stierkampf?
Dagegen.
Was halten Sie von Hausbesetzern?
Das verstehe und unterstütze ich.
Ist Markenware wichtig für Sie, wenn Sie einkaufen gehen?
Nein.
Ist es in Ordnung für Sie, Trinkgeld zu geben?
Ja.
Gibt es Ihrer Meinung nach zu viele Feiertage und Ferien?
Nein.
Finden Sie, dass die Katastrophenmeldungen zum Thema Klimawandel völlig überzogen sind?
Nein. Im Gegenteil. Es läuft viel zu viel verkehrt und zu viele halten die Augen immer noch lieber geschlossen. Vielleicht, weil ihnen das Übermorgen nicht so wichtig ist oder sie auch nur bis Morgen denken können.
Hat Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen, oder glauben Sie eher an die Theorie der Evolution?
Ich glaube an etwas dazwischen.
Boykottieren Sie eine Marke, wenn Sie erfahren, dass zur Herstellung Kinder aus der Dritten Welt arbeiten müssen, oder die Umwelt verschmutzt wird?
Selbstverständlich.
Unterstützen Sie Experimente mit Tieren, damit Medikamente entwickelt werden können, die den Menschen das Leben retten?
Nein.
Worauf lässt sich die zunehmende häusliche Gewalt zurückführen?
Auf die abnehmende Wertschätzung des Individuums in der Gesellschaft.
Was halten Sie von der Massenbewegung auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie und Implantate?
Gar nichts.
Wie weit vertrauen Sie Statistiken?
Nur soweit wie ich ihre reellen Belege klar erkennen kann.
Glauben Sie, dass viele Krankheiten durch einen kranken Kopf verursacht werden?
Ja.
Glauben Sie, es stimmt, dass wir nur knapp zehn Prozent unseres geistigen Potentials nutzen?
Nein. Das ist mir zu generalisiert.
Wie stark glauben Sie an Horoskope in Zeitungen und Magazinen?
Nicht mehr so sehr wie früher einmal. Das Spannende an der Astrologie sind für mich vor allem die Charakterzeichnungen der Sternzeichen. Vorhersagen der spirituellen Art beziehe ich aus anderen Quellen.
Sollte es mehr Einschränkungen und Grenzen für den Einsatz von Fahrzeugen innerhalb der Städte geben?
Viel viel mehr.
Gibt es Außerirdische?
Hoffentlich.
KULTUR
Was haben Sie gerade in Ihrem Portemonnaie?
Visitenkarten (eigene und fremde), Notizzettel (sehr viele), Personalausweis, Bank- und Versicherungskarten, Bargeld, ein Foto meines Sohnes.
Was haben Sie auf Ihrem MP3-Player?
Ungefähr 200 MP3s der unterschiedlichsten Art.
Welche Bücher lesen Sie zur Zeit?
Die Antwort auf diese Frage müsste ich etwa einmal im Monat erneuern. Also: Ich lese. Oftmals zwei Bücher gleichzeitig.
Welchen Film können Sie sich immer und immer wieder ansehen?
Das ist mit einem Filmtitel nicht zu beantworten, denn da gibt es inzwischen eine ganze Liste. Die hier zu veröffentlichen, würde allerdings den Rahmen sprengen. Ein paar Beispiele der unterschiedlichen Art: "The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit", "Total Eclipse", "Schmetterling und Taucherglocke", "Corpse Bride".
Mac oder PC? Warum?
PC. Weil ich's gewohnt bin.
Wie schlagen Sie die Zeit tot?
Ich schlage Zeit nicht tot. Ich nutze sie.
Was kommt nach der Konsumgesellschaft?
Die nächstgrößere vermutlich. Alles andere halte ich für Utopie.
Finden Sie, dass die Werbung in den Medien langsam Überhand nimmt?
Nicht nur die Werbung nimmt in den Medien Überhand. Allerdings deute ich das als ein gängiges Zeichen der Zeit. Zum Glück gibt es nach wie vor Möglichkeiten, sich seine Informationsquellen bewusst auszusuchen und andere zu umgehen.
Gibt es zu viel Sex und Gewalt in den Medien?
Ja. Leider. Vor allem zu oft völlig falsch verpackt und eingesetzt.
Welche Lieblingsfächer hatten Sie in der Schule?
Deutsch. Vor allem wegen der Literatur. Englisch und Russisch. Ich wollte am liebsten alle Sprachen der Welt lernen. Musik. Wegen der Musik. Kunst. Wegen der Kunst. Und weil mein Kunstlehrer ein schon älterer, sehr kluger, sehr lustiger und sehr umgänglicher Mensch war. Mathematik. Weil es die einzige Naturwissenschaft war, die ich gern als Herausforderung gesehen habe.
In welcher Stadt leben Sie? Was gefällt Ihnen besonders gut und was gefällt Ihnen gar nicht an Ihrer Stadt?
Bochum. Ich mag meinen Kiez, Langendreer. Mir gefällt besonders, dass Bochum an vielen Stellen lebendig, bunt und vielschichtig ist. Mir gefällt nicht, dass es an anderen Stellen trist, kalt und leblos wirkt.
Ein Video in YouTube, das in Ihrem Leben eine Bedeutung gespielt hat:
Eines? Ich bin Musik- und Youtube-Junkie und finde mehrmals in der Woche eins, dass von Bedeutung ist.
Glauben Sie, dass Videospiele, Chats, etc. Jugendliche abhängig machen können?
Mit Sicherheit. Ich glaube es nicht, ich weiß es. Und damit bin ich sicher nicht allein.
Hat ein Buch über persönliche Entwicklung Ihr Leben verändert?
Anders - mehrere Bücher in meinem Leben haben meine persönliche Entwicklung verändert.
Haben Sie schon einmal ein Kunstwerk gekauft? Welches? Was hat Sie dazu bewogen?
Fast. Ich habe vor kurzem ein Bild von einem Bekannten erworben, der malt. (Er selbst würde sich vielleicht nicht einmal als Künstler bezeichnen). Allerdings habe ich es nicht gekauft, sondern gegen mein Buch eingetauscht. Er meinte, das sei ein schlechter Tausch für mich gewesen. Das sehe ich nicht so.
Marketing, Briefing, Brainstorming... Bemühen Sie sich, Anglizismen zu vermeiden, oder akzeptieren Sie diese Begriffe ohne weiteres?
Da schlagen zwei Herzen, ach, in meiner Brust. Auf der einen Seite gefällt mir die Überfütterung mit Anglizismen nicht wirklich und es gibt inzwischen einige deutsche Worte, die in Vergessenheit geraten sind. Andererseits bin ich schrecklich anglophil und kann mich gegen die Nutzung bestimmter Termini einfach nicht erwehren. So gehe ich meinen unauffälligen Mittelweg.
Was halten Sie von Graffiti in den Städten?
Zu viele wahllos dahingekleckste Tags finde ich auch recht störend. Gute künstlerische Graffiti begeistern mich allerdings sehr.
Welche Zeitschriften lesen Sie normalerweise?
Ich lese keine Zeitschriften regelmäßig. Wenn ich mir eine kaufe, dann meistens aus den Bereichen Musik, Kunst, Business oder Pschologie/Spiritualität.
Welche Sportarten üben Sie aus und wie regelmäßig treiben Sie Sport?
Ich bin ein Sportmuffel, da ich mit Regelmäßigkeiten diesbezüglich meine Schwierigkeiten habe. Ich bin allerdings häufig zu Fuß unterwegs, was ich durchaus als eine Art Sport im Sinne von körperlicher Ertüchtigung ansehe. Und ein Fahrrad habe ich auch.
Wie erklären Sie sich die immer größer werdende Beliebtheit des Promi-Kultes?
Wird die größer? Ich dachte, das hätte es immer schon gegeben...
Wohin soll es im nächsten Urlaub gehen?
Je nachdem, wieviel Urlaub zur Verfügung stehen wird, sind Hamburg, Nordholland, England und Schottland in der engeren Auswahl.
ERINNERUNGEN
Welche Erinnerung ist Ihre früheste, die Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist?
An meinen Großvater mütterlicherseits. Ich war knapp zwei, bevor er starb. Ich erinnere mich daran, mich in der Küche meiner Großeltern auf eine kleine graue Fußbank zu seinen Füßen gesetzt zu haben und er fütterte mich mit Schokoladenstückchen.
Wer waren früher Ihre Spielkameraden? Was spielten Sie miteinander?
Bis zur fünften Klasse hatte ich eine beste Freundin, Peggy, die im selben Haus wie ich wohnte. In der Schule war sie in meiner Parallelklasse. Wir dachten uns viel aus, was mit Prinzessinnen und Abenteuern zu tun hatte. Oder wir hörten Schallplatten mit Märchen. Außerdem spielten wir viel draußen und da waren auch immer die anderen Kinder aus dem Haus dabei.
An welche Spielsachen erinnern Sie sich besonders gern?
Diese Frage hatten wir schon in ähnlicher Form, oder?
Was können Sie über Ihre Familie erzählen?
Vater, Mutter, 2 Töchter. Ich die jüngere, der "Nachzügler". Meine Schwester ist knapp 9 Jahre älter als ich. Vater Anästhesiepfleger, über 30 Jahre lang. Mutter gelernte Damenmaßschneiderin, später Haufrau. Heute beide in Rente. Da ich inzwischen fast 500 km von ihnen entfernt lebe, sehen wir uns nur ein- bis zweimal im Jahr und halten ansonsten telefonischen Kontakt. Viele Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen. Ich von allen die Zweitjüngste. Früher große Familienfeiern, heute bis auf wenige Ausnahmen via Internet kein Kontakt mehr.
Wie war Ihre Grundschule? An welche Lehrer oder Schulkameraden erinnern Sie sich bis heute noch gut?
Sozialistisch, strukturiert, vernünftig. Ich erinnere mich noch ganz gut an meine Klassenlehrerin und deren Stellvertreterin. Da man in der ehemaligen DDR die ersten 10 Jahre in der Regel in derselben Klasse blieb, erinnere ich mich auch noch gut an alle Mitschüler.
Mit welchen Persönlichkeiten, Berühmtheiten oder Helden identifizierten Sie sich in Ihrer Kindheit?
Als kleines Mädchen wollte ich entweder Prinzessin, Tänzerin oder Zirkusartistin sein. Bestimmte Charaktere, mit denen ich mich identifizierte, gab es allerdings nicht.
Wie kompliziert verlief der Übergang von Ihrer Kindheit in die Welt der Erwachsenen?
Sie meinen die Jugend? Sehr kompliziert, aber rückblickend auch sehr spannend.
Wie waren Ihre erste Erfahrungen mit Sex?
Ziemlich sexuell.
Wie wussten Sie, was Sie tun wollten? Wie haben Sie Ihre Berufung entdeckt?
Das Schreiben als Berufung zu entdecken, die es nun mal ist, hat über Umwege bis zu meinem 21. Lebensjahr gedauert. Dann wusste ich einfach, dass ich schreiben muss.
Wie oft haben Sie die Liebe Ihres Lebens gefunden? Oder Lieben, die nicht erwidert wurden?
Erstens: Offensichtlich noch gar nicht. Zweitens: Ich hab' keine Lust nachzuzählen.
Was war Ihr erster Job? Wie verlief Ihre erste berufliche Erfahrung?
Mein erster "richtiger" Job nach all dem Lernen und Studieren und Suchen und Nichtfinden war der als Barfrau in einer Diskothek. Interessanter Terrainwechsel. Details würden auch hier wieder den Rahmen sprengen.
Die wichtigsten Projekte oder Firmen, in denen Sie tätig waren:
Mein jetziges - Wort Art Bochum.
Welche Schlüsselpersonen gab es in Ihrer beruflichen Laufbahn, Personen, die an Sie geglaubt und Ihnen Gelegenheiten gegeben haben, sich zu beweisen?
Diejenigen, die wissen, dass sie an dieser Stelle gemeint sind, wenn sie das hier lesen.
Städte, Viertel und Häuser in denen Sie gelebt haben - wie haben sie die Etappen Ihres Lebens geprägt?
Altenburg/Thür. - Erfurt - Jena - Birmingham - Canterbury - Weimar - Leipzig - Bochum. Sie haben die aus mir gemacht, die ich heute bin.
Haben Sie sich in irgendeiner Form geoutet? Welche Situationen mussten Sie überwinden?
Ich habe mich mehrmals auf verschiedene Weise geoutet. Allerdings in einem anderen Rahmen als diesem hier.
Was sind die größten Erfolge und die größten Misserfolge Ihres Lebens?
Das weiß ich, wenn es vorbei ist.
Was hat Sie wieder aufgemuntert, wenn Sie schwierige Zeiten durchlebt haben?
Die Hoffnung, mein unzerstörbarer Optimismus und gelegentlich auch vertraute Personen.
Was danken Sie dem Leben? Wann hatten Sie Ihrer Meinung nach Glück, wann nicht?
Glück hatte ich, indem ich meinem Sohn das Leben schenken durfte, und damit, meine Berufung endlich gefunden zu haben. Für beides bin ich dem Leben sehr dankbar. Vorher war eher das "nicht" an der Tagesordnung. Außerdem bin ich dankbar dafür, dass ich dadurch heute in den Spiegel schauen und Zufriedenheit empfinden kann.
Welche Zeit ist Ihnen besonders schön in Erinnerung geblieben?
Die Zeit, als meine Großeltern mütterlicherseits noch lebten. Der Moment, als ich zum ersten Mal feststellte, dass ich in einen Jungen verknallt war. Auch wenn ich damals schrecklich geheult habe, weil wir uns nur kurz trafen, im Urlaub. Meine erste WG zusammen mit 3 knuffigen und lustigen Jungs in Jena, nach meinem Studienabbruch. Und die vielen Male, die ich in England war.
Wenn Sie eines Tages einmal Ihre Memoiren schreiben, wie würde das Buch heißen?
Der Schmetterling, der aus einem Schuh schlüpfte. (Das ist allerdings nicht von mir und ich muss an dieser Stelle "Danke, S." schreiben.)
Dinge, die Sie definitiv tun wollen, bevor Sie sterben:
Leben.
 





© Brit Krostewitz
Web-Adresse dieses Interviews:http://www.whohub.com/britkrostewitz

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