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Interview mit:

Christian Droßmann [cdrossmann] 
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BERUF
Was ist Ihr Beruf? Was steht auf Ihrer Visitenkarte unter Ihrem Namen?
Englischtrainer für Firmen- und Privatkunden
Was haben Sie studiert und warum?
Anglistik und Philosophie auf Lehramt. Weil ich den Matheschein im Wirtschaftsstudium nicht geschafft habe. Als Ausbildungsschwerpunkt pädagogische Psychologie und Psychoanalyse, weil es mich schon immer interessiert hat.
Was erwartet man von Ihnen in Ihrer Arbeit? Wie setzen Sie diese Erwartungen um?
Man erwartet von mir, dass meine Schüler nach meinem Unterricht Englisch können. Das setze ich um, indem ich es ihnen beibringe.
Ihre Links im Internet (Website, Blog, Social Networks, etc.)
Droßmann Englischtraining: http://www.englischtrainer.biz
Sind Sie mit der Erziehung, die Sie erhalten haben, zufrieden?
Ich bin in der Lage, autonom zu existieren. Ich plane und arbeite selbstständig, habe ein recht hohes Bildungsniveau (relativ zu meinem Lebensalter) erreicht und bin in einer langjährigen Beziehung. Nach der Definition von Sigmund Freud (arbeits- und liebesfähig) bin ich also psychisch gesund. Insofern hat meine Erziehung ihr Ziel erreicht.
In welchen Bereichen möchten Sie Ihre Ausbildung gerne ausweiten?
Mehr Eindrücke aus verschiedenen Branchen sammeln, um beim nächsten Kunden noch sicherer in der Bedeutung diverser Fachbegriffe und Arbeitsprozesse zu sein.
Auf welchem Gebiet sind Sie gut? Wo müssen Sie sich noch verbessern?
Auf dem allgemeinsprachlichen Gebiet denke ich, bin ich ziemlich unerschütterlich, auch bei den abstrusesten Akzenten und Dialekten.
Ich würde gerne mein Verständnis von Wirtschaftszusammenhängen hinter den Fachvokabeln noch ausweiten.
Nehmen Sie an Seminaren oder Kursen teil, um sich in Ihrem Beruf fortzubilden, oder sind Sie Autodidakt?
Ich bin fast reiner Autodidakt. Ich habe schon an der Uni wo es ging mit Abwesenheit geglänzt, weil ich mir in 90 Minuten alleine Lesen auf dem Balkon deutlich mehr Wissen pro Zeiteinheit aneignen konnte, als in 90 Minuten Seminar oder Vorlesung.
Wann war Ihnen bewusst, dass Ihre Tätigkeit ernst genommen wurde und Sie ein Profi auf Ihrem Gebiet werden konnten?
Ich habe aus der Not heraus nach der Schließung meines Fachbereiches an der Uni bei einem Bildungsträger als freier Dozent angeheuert. In den öffentlichen Schuldienst wollte ich nicht mehr. Nachdem mein Kurs geschlossen die Prüfung bestand, bin ich bei der Selbständigkeit geblieben.
Mit welcher Art von Menschen fühlen Sie sich wohl, um im Team arbeiten zu können?
Fachkompetenz und Zuverlässigkeit, was Absprachen und Durchführung von Projekten angeht, gehen mir über alles. Menschliche Qualitäten sind für mich, was ein professionelles Verhältnis angeht, nicht so wichtig, ich muss die Leute ja nicht heiraten. Allerdings arbeite ich, wenn ich die Wahl habe, lieber allein als im Teem.
Welche Ziele haben Sie sich in Ihrem beruflichen Umfeld gesteckt?
In einigen Jahren einen Stammkundenkreis aufgebaut zu haben, der es zulässt, zwischendurch mal Urlaub statt Akquise zu machen.
Welche Veröffentlichungen, die in Zusammenhang mit Ihrem Beruf stehen, lesen Sie regelmäßig?
Eigentlich gar keine. Ich suche mir die Neuigkeiten lieber im Internet zusammen. Für den Unterricht benutze ich aber zeitweise gerne das Spotlight Magazin (http://www.spotlight-magazin.de) und empfehle das auch meinen Kunden als Trainingsliteratur. Wenn man auf die Schnelle ein Thema braucht, kann man so immer einen vordidaktisierten Text aus dem Hut zaubern.
Welche Sprachen sprechen Sie? Wie haben Sie diese Sprachen gelernt?
1. Englisch, durch Schule und Studium. Richtig gelernt habe ich die Sprache in meiner Zeit als Fremdsprachenassistent in Schottland.

2. Latein, weil ich auf ein humanistisches Gymnasium gegangen bin

3. Französisch, schulkenntnisse, weil ich keinen Informatikunterricht wollte

4. Niederländisch bzw. Flämisch, weil ich Verwandte im flandrischen Teil von Belgien habe.
Haben Sie eine Website oder einen Blog? Wie haben Sie die Seite erstellt? Erfüllt die Seite den Zweck, für den sie ursprünglich gedacht war?
http://www.englischtrainer.biz

Die Seite ist mit Rapidweaver für Mac erstellt. Es ist keine Designerische Glanzleistung, aber die Seite bietet denke ich alle Informationen, die einen potenziellen Kunden interessieren.
Fällt es Ihnen leicht oder schwer, vor Publikum zu reden? Welche Erfahrungen haben Sie auf diesem Gebiet gesammelt?
Damit habe ich keinerlei Probleme. Ansonsten hätte ich auch den Beruf verfehlt.
Nehmen Sie an Cocktails, Präsentationen, Messen und Tagungen statt, die im Zusammenhang mit Ihrem Beruf stehen?
Nur ganz selten. Erfahrungsgemäß tauscht man bei solchen Anlässen nur Dinge aus, die man ohnehin schon weiß...zu Tagungen gehe ich nur, wenn einer der Redner mich wirklich interessiert, da meist auch die Tagungsgebühren in keiner Relation zum Informationsgewinn stehen...
Haben Sie sich schon einmal auf den Social Networking-Portalen für Experten umgesehen? Wo haben Sie sich registriert?
Was unterscheidet Sie von anderen Experten in Ihrem Sektor?
Als Arbeiterkind, das aus dieser Schicht zur akademischen Bildung aufgestiegen ist, habe ich Bezug zu jeder Bevölkerungsschicht und in Schulungen ein gutes Verhältnis zu ungelernten Arbeitern und Menschen mit sehr niedrigem Bildungsniveau wie auch zu Akademikern und der Oberschicht. Ich spreche die Sprachen aller Schichten (oder "Milieus", wie der neue Euphemismus heisst) und kann so verständliche Analogien für beliebige Klientel im Unterricht herstellen - vom gehobenen Fachchinesisch bis zum Ruhrpott-"Ey hömma..." und ich behandle den vom Arbeitsamt zur Maßnahme geschickten Hartz-IV-Empfänger genau so wertschätzend wie das Personal der oberen Etagen eines großen Telekommunikationsunternehmens. Dadurch bekomme ich sehr wenig Disziplinprobleme in den Gruppen, da die Atmosphäre in meinen Kursen meist sehr entspannt ist. Das bestätigt mir das Kundenfeedback.
Wie verändert das Internet Ihre Arbeitsweise?
Die Akquise ist schneller, breiter und kostengünstiger (Email statt Briefpost) geworden...aber eben auch für die Konkurrenz...
Praktizieren Sie Tele-Arbeit, auch Teleworking genannt?
Wie mann es nimmt. Ich unterrichte auch per Videokonferenz über Skype und andere Softwarelösungen.
Welcher Teil Ihrer Arbeit macht Ihnen am wenigsten Spass?
Der Papierkram. Je nach Kunde dauert die Dokumentation länger als der eigentliche Unterricht.
Was ist das Wichtigste, das Sie in Ihrem Beruf mit der Erfahrung gelernt haben?
Die Disziplin, ein und dieselbe Frage auch beim hundertsten Mal mit der gleichen Ruhe und Exaktheit zu beantworten.
Was wollten Sie werden, als Sie noch ein Kind waren?
Arzt oder Lehrer. Das waren die Berufe, in denen man am meisten Schaden anrichten kann. Am liebsten wäre ich Gerichtsmediziner geworden.
Welche sind die häufigsten Fehler, die Kunden begehen, wenn sie über Ihre Arbeit urteilen?
Das alte Dienstleisterproblem. Viele finden, dass ich einen "sehr hohen Stundenlohn" habe, vergessen aber, dass sie nicht für 90 Minuten Unterricht zahlen, sondern für 90 Minuten *gut vorbereiteten* Unterricht...und dann relativiert sich der Stundensatz ganz schnell, rechnet man die Zeit am Schreibtisch mit ein....

KREATIVITÄT
Ihr Verstand ist Ihr Arbeitswerkzeug. Wie pflegen Sie ihn?
Indem ich ihn durch ständiges Schleifen mit unterschiedlichsten komplexen Sachverhalten scharf halte.
Spiritualität - Steuert sie zu Ihrer Kreativität bei?
Nein. Spiritualität ist nicht meine Baustelle...
Können Sie sich in eine schlechte Idee verlieben, nur weil sie von Ihnen stammt? Wie vermeiden Sie so etwas?
Natürlich, dieser grundlegende Narzissmus treibt uns ja alle an, überhaut den Mut zur Umsetzung eigener Ideen zu haben. Vor Unheil bewahren einen nur Freunde oder Kollegen, denen man die Kompetenz zutraut und denen man gestattet, offen zu sagen, dass die Idee scheiße ist...
Seien Sie ehrlich: Für welche Firma oder für welche Person würden Sie gerne arbeiten?
Ich wäre entweder gerne Fremdsprachenkorrespondent und Konferenzdolmetscher für Deutsch im Apple-Hauptquartier, oder der persönliche Englischtrainer von Guido Westerwelle.
Arbeiten Sie gut unter (Zeit)druck?
Ich arbeite *nur* unter Zeitdruck...sonst verfalle ich in Lethargie und Langeweile...ich brauche permanent jemanden, der auf mich schießt...
Wie verkauft man eine Idee?
Indem man den Kunden glauben macht, es wäre seine eigene gewesen.
Sie sind so gut wie Ihre letzte Idee. Würden Sie eine sichere Arbeitsstelle nicht vorziehen?
Nein, ich mag den ständigen Ortswechsel und den Blick hinter die Kulissen der unterschiedlichsten Unternehmen. Sonst wäre ich Beamter im Schuldienst geworden. Ich bin kein A14er, dafür habe ich aber bereits z.B. mit der Blue Man Group arbeiten dürfen.

DESIGN
Welche Dinge sehen Sie überhaupt nicht gerne an einem Design?
Schnörkel, die allein der Optik dienen und dafür die Funktionalität negativ beeinflussen. Ich erinnere mich da an einen sehr auffallenden und schönen Korkenzieher, den ich aufgrund des Designs kaufte und dann feststellen musste, dass man mit dem Ding alles machen kann, außer einen Korken ziehen....

ARCHITEKTUR
In welcher Stadt leben oder arbeiten Sie? Warum dort?
Im Süden von Essen. Weil ich in Steele großgeworden bin, die Stadt eine Uni hat und ich deswegen nie die Notwendigkeit sah, groß fortzuziehen. Ich mag das Ruhrgebiet als Einzugsgebiet und den Süden, weil man zu Fuß sofort im Grünen ist, aber in zwanzig Minuten mit dem Auto im Stadtkern.
Wie wird ein Einfamilienhaus im Jahre 2050 aussehen?
In Deutschland? Genau so wie jetzt auch. "Wir haben das schon immer so gemacht!" Architektonisch sind uns die Holländer was Neubauten angeht um Lichtjahre voraus.
Ihr Lieblingskünstler
Joseph Beuys.

SCHREIBEN
Wie haben Sie angefangen, zu schreiben? Wer hat Ihre Texte damals gelesen?
Wie jeder Student gezwungenermaßen. Gelesen haben es offiziell die Professores, inoffiziell deren HiWis.
Welches Genre bevorzugen Sie? Haben Sie einen Link, auf dem wir etwas über Ihr neuestes Werk erfahren können?
Sachbücher. Ich habe keinen Bezug zu fiktiven Charakteren. Meine aktuelle Publikation ist eine Fallstudie zur Borderline-Persönlichkeitsstörung bei Jugendlichen in folgendem Sammelband: http://www.amazon.de/Wie-Kindern-Risikosch%C3%BCler-werden (...)
Welche Art Lektüre aktiviert in Ihnen die Lust, zu schreiben?
Schlecht gemachte Einführungen und Lehrbücher. Da denke ich immer, das kann man didaktisch besser machen.
Welche bekannten Schriftsteller bewundern Sie am meisten?
Ernest Hemingway. Als er anfing, so zu klingen wie Tennessee Williams, hatte er wenigstens den Anstand, sich zu erschießen.
Für wen schreiben Sie in Ihrem tiefsten Inneren?
Für mich. Ganz getreu nach dem Motto "Das Bißchen was ich lese kann ich mir auch selbst schreiben".
Nutzt Ihnen der Feedback Ihrer Leser etwas?
Ja. Wenn man selber die Argumentationslinie kennt, die man niederschreibt, sieht man oft nicht, was für einen Außenstehenden nicht aus dem Text erschließbar ist.
Zeigen Sie Ihre Manuskripte einer vertrauten Person, um ihre Meinung zu hören?
Ja. Ich bin allerdings sehr gut im Ignorieren gut gemeinter Ratschläge.
Glauben Sie, Ihre "eigene Stimme" bereits gefunden zu haben, oder ist man ewig auf der Suche nach ihr?
Ich habe mehrere Stimmen in mir...aber mein Psychiater sagt, die sind bald wieder weg, wenn ich brav meine Medikamente nehme...
Schreiben Sie auf dem Bildschirm, drucken Sie häufig Ihre Schriften aus, korrigieren Sie auf Papier...? Wie läuft der Prozess bei Ihnen ab?
Ich entwickele den Text beim Schreiben am Computer. Den Inhalt habe ich als Ganzes im Kopf, der wird als Gedankenstrom runtergeschrieben und dann schönkorrigiert und lesbar gemacht. Zum Korrekturlesen brauche ich aber immer einen Papierausdruck, auf dem ich mit Rotstift korrigiere und die Korrekturen dann einarbeite. Das ist ganz furchtbar, denn ich kann nur in einem Rutsch durchschreiben. Meine Festplatte ist voller halber Texte, die ich aus Müdigkeit irgendwann nachts abgebrochen habe und bei denen ich den Einstieg dann nie wieder gefunden habe. Den Borderline-Artikel in der Veröffentlichung letzten Monat habe ich fünf oder sechs Mal neu geschrieben, weil er mir beim Lesen nicht mehr gefiel, Umstellungen aber alles nur schlimmer gemacht haben.
Ich hasse das Schreiben. Ich würde lieber einem Ghostwriter die Aufzeichnungen geben und dann weiterforschen.
Welche Erfahrung haben Sie mit Verlagen gemacht?
Dass Lektoren nicht mehr das sind, was sie waren. Entweder gibt es überhaupt keinen Lektor mehr und man muss eine fertige Druckvorlage als PDF einreichen oder man bekommt einen pensionierten Deutschlehrer, der zwar die abstrusesten sprachlichen Dinge ankreidet, aber sachliche Fehler übersieht, oder aber man bekommt einen Fachlektor der einem sagt "Kernberg ist kein Narzissmustheoretiker! Der ist Objekttheoretiker!" und dafür das Buch mit einem Tippfehler in einer der Überschriften durchwinkt.

FOTOGRAFIE
Haben Sie eine Ausbildung als Fotograf?
Nein. Aber ich darf regelmäßig dem Ruhrgebietsfotografen Manfred Vollmer (http://www.manfred-vollmer.de) über die Schulter schauen, da er einer meiner Kunden ist. Da bleibt doch einiges an Tips hängen.
Welche Art Fotografie bevorzugen Sie?
Die nüchterne, harte Realität des Schwarzweißen. Ganz ohne Photoshop und Weichzeichner. Im Prinzip also einen Journalistischen Stil der Fotografie, nicht den rein künstlerischen.

FILM-FERNSEHEN
Essen Sie im Kino Popcorn?
Nein. Mittlerweile sind die Preise in einem Bereich, dass man schon für Kinokarte und Cola einen Kredit aufnehmen muss...
Welchen Respekt schenken Sie dem Phänomen des Reality-Fernsehens? Welche Erfahrung haben Sie auf diesem Gebiet gesammelt?
Überhaupt keinen. Schlechte Konzepte, noch schlechtere Drehbücher und Schauspieler, die noch schlechter als Till Schweiger sind.
Meine Erfahrung ist die, dass die Suggestion, eingefahrene pathologische Familienstrukturen könnten innerhalb einer 45-Minuten-Folge gelöst werden, so wie die Super-Nanny und andere "Erziehungsexperten" es vormachen, zu einer Erwartungshaltung seitens Eltern von "schwierigen" Kindern führt, dass ich zu ihnen hingehe, ein wenig reformpädagogischen Voodoo abziehe und eine Stunde später fallen sich alle weinend in die Arme...sagt man ihnen dann, dass echte Pädagogik so nicht funktioniert, wird man entweder inkompetent geschimpft, oder die Leute erleiden einen gaaanz bösen Realitycheck.

WERBUNG
Kann eine schlechte Werbekampagne viel verkaufen?
Wenn das Produkt an sich gut ist, wir es sich herumsprechen. Dann kann auch eine schlechte Kampagne eine Umsatzsteigerung bedeuten.
Haben Sie sich schon einmal von Werbung betrogen gefühlt?
Nein. Das würde ich als Symptom eines schwindenden Realitätssinnes deuten. Werbung basiert immer auf primitiver Idealisierung und das Erwähnen negativer Details im ganz klein Gedruckten neben dem Sternchen.
Kaufen die Leute das Image des Produktes genauso oder mehr noch, als das eigentliche Produkt?
Davon bin ich völlig überzeugt. Die Außenwirkung ist für die meisten wichtiger, als das Produkt an sich. Das erklärt auch, warum ein Mercedes oder ein BMW prestigeträchtiger ist als ein Skoda oder ein Nissan, obwohl die im gleichen Stau stehen.
Was ist wirksamer in der Werbung? Wiederholen oder überraschen?
Die Wiederholung sichert eine bestimmte Information im Gehirn. Die Überraschung erzeugt nur kurzfristig ein Kaufbedürfnis. Wirksam war eine Werbung dann, wenn ich das gewollte Muster so festgeschrieben habe, dass der Kunde unbewusst mein Produkt aus dem Regal nimmt und es für seine eigene Idee und freie Entscheidung hält.
Ist ein politischer Kandidat das gleiche wie ein Produkt?
Nein. Ein Produkt kaufe ich, weil ich mir einen Nutzen oder einen Mehrwert davon erwarte.

JOURNALISMUS
Was ist Ihre Spezialität? Über welche Themen schreiben Sie?
Erziehungswissenschaft, Gewalt, Amok und pädagogische Psychologie.
Gibt es eine Website, wo wir etwas von Ihnen lesen können?
Endet die Meinungsfreiheit dort, wo die Verlagsvorgabe anfängt?
Natürlich, aber das weiß man vorher. Ein Verlag hat sich im Markt durch ein bestimmtes Portfolio und Profil positioniert. Bei wissenschaftlichen Verlagen kommt oft noch eine bestimmte Verhaftung an eine Denkschule hinzu. Will ich querschießen, muss ich damit leben, dass mein Manuskript nicht angenommen wird, weil es nicht ins Verlagsprogramm passt, oder sich zu sehr gegen die Meinung der anderen Autoren im Verlag stellt und mir einen anderen Verlag suchen, oder Lektorenzentriertes Schreiben praktizieren, wenn sich der Name des Verlages positiv auf meine Vita auswirken wird.

INTERNET
Was war Ihr erster Computer? Was für eine Ausstattung haben Sie heute?
Ein 386 mit 33 Mhz, 4 Megabyte Arbeitsspeicher, 130 Megabyte Festplatte, einem HP DeskJet 500 S/W-Tintenstrahler und VGA-Farbmonitor.

Heute habe ich einen MacPro 2,6 GHz Quad, mit 30" Apple Cinema Display und einem 19" Sony TFT.
Glauben Sie, dass die digitale Diskrepanz ein soziales Problem ist? Was würden Sie tun, um die digitale Alphabetisierung zu beschleunigen?
Das Problem liegt für mich eher im Bildungshintergrund der Nutzer. Was nützt mir ein Berg an Informationen, wenn ich nicht in der Lage bin, die korrekten Informationen von den vielen Falschaussagen zu trennen? Flächendeckend Internetanschlüsse zur Verfügung zu stellen ist so, als würde man allen Menschen eine Bibliothek schenken und dann davon ausgehen, sie könnten sich alle gleichermaßen weiterbilden. Es geht eher darum, die Menschen soweit zu bilden, dass sie die Kompetenzen entwickeln, das Internet auch zu ihrem Vorteil nutzen zu können.
Was haben Sie im März 2000 getan, dem absoluten Tiefpunkt der Dotcom-Blase?
Ich habe mein Studium der Wirtschaftsinformatik hingeschmissen und bin Lehrer geworden.
Was ist für Sie an dem Phänomen des Web 2.0 besonders interessant?
Dass viele Leute die Kommunikationsmöglichkeiten des Web 2.0 hauptsächlich dazu nutzen, um sich Feinde auf der ganzen Welt zu machen, ohne sie jemals physisch zu treffen.
Wird Bandbreite eines Tages keine Grenzen mehr darstellen?
Unsere Wahrhehmung ist durch unsere biologischen Fähigkeiten begrenzt. Irgendwann ist die Auflösung der Monitore so hoch, wie das maximale Auflösungsvermögen unserer Augen. Irgendwann erreicht die übertragbare Informationsmenge die Grenze des Verarbeitbaren. Dann wird auch keine höhere Übertragungsbandbreite mehr von Nutzen sein. Es ist ja heute schon so, dass die meisten Rechner fast nur im Leerlauf laufen, da die Geschwindigkeit der Tastatureingaben sehr langsam in Relation zur Rechnerleistung ist. Auch kann ich heute schon einen Videostream deutlich schneller übertragen, als ich ihn mir ansehen kann.

TECHNOLOGIE
Haben Sie früher Spielsachen auseinander genommen, um zu sehen, wie sie von innen funktionieren?
Sehr häufig. Das liegt in meiner Natur.
Werfen Firmen viel Geld heraus, indem Sie Technologien "schlecht" einkaufen?
Ja, vor allem wenn sie "weil alle das machen" eine gut eingefahrene IT tauschen, weil man ja mit der Zeit gehen muss und somit den Workflow für Monate, bis sich alle an das neue System gewöhnt haben, kaputtmachen. Schulungen für das neue System tun ihr Übriges, das Budget zu vernichten. Das beste Beispiel dafür ist SAP...jeder wollte es haben, aber keiner wusste wirklich genau warum.
Mit wem versteht man sich schwieriger - mit Maschinen oder Personen?
Personen. Maschinen folgen immer gemäß kausallogischer Gesetzmäßigkeiten. Bei Personen ist das oft nicht der Fall.

INGENIEURSWESEN
Welche Bedeutung haben Kurse oder Zertifikate, wenn es darum geht, einen Angestellten oder Mitarbeiter zu bewerten?
Für mich relativ wenig. Es geht in der Praxis ja weniger um kristallines Wissen, das ich mir fallweise auch aus einem Buch oder dem Internet erschließen kann, sondern um handlungspraktische Fähigkeiten, die in einem synthetischen Test- und Zertifizierungsverfahren sehr schlecht prüfbar und bewertbar sind.

WISSENSCHAFT
Was erforschen Sie? Was ist der Kern Ihrer Forschungsarbeiten?
Die Ursachen nichtorganischer psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen und ihre Konsequenzen für Schule und Unterricht. Besonderes Augenmerk richte ich auf Gewalt und Amokläufe.

Mein persönliches Ziel: Konventionelle Didaktik basiert auf der Annahme, dass die Schüler fähig sind, altersgerecht logische Schlüsse zu ziehen. Diese versagt aber bei formalen Denkstörungen. Forschungsfrage ist, wie man formal denkgestörte Kinder und Jugendliche trotzdem beschulen kann.
Gibt es einen Link, wo wir etwas über Sie oder das Forschungszentrum, in dem Sie arbeiten, lesen können?
http://www.uni-due.de/agpaedagogischejugendforschung/index (...)

Die Seite wurde so lange nicht mehr gepflegt, dass ich dort noch als "studentische Hilfskraft" geführt werde.
Waren Sie in der Schule besonders eifrig?
Im Gegenteil, ich habe die Schule seit dem ersten Tag gehasst und immer nur das Notwendigste getan - bis zum Abitur.
Welche Art von Technologie setzen Sie bei Ihren Forschungsarbeiten ein?
Elektronische Aufzeichnugsgeräte, Computer für die Transkriptionen der Sitzungen, SPSS für die Statistiken.
Wie sehen die die schwierigsten Aspekte Ihrer Arbeit aus?
Wenn man an Menschen, insbesondere an Kindern und Jugendlichen forscht, muss man damit leben, dass die Probanden mal mehr oder weniger kooperativ sind. Gerade bei Kindern muss man akzeptieren, wenn sie keine Lust haben und darf sie nicht zwingen. Der Zeitplan für eine Studie wird somit zum Lotteriespiel.
Welche Veröffentlichungen haben Sie geschrieben?
Droßmann, Christian: Innenansichten einer Großstadthauptschule. Perspektiven aus dem Projekt "Krisenhafte Schülerbiographien", in: Helsper, Werner / Hillbrandt, Christian / Schwarz, Thomas: Schule und Bildung im Wandel. Anthologie historischer und aktueller Perspektiven, Wiesbaden (VS-Verlag) 2009, S. 435ff. (http://www.amazon.de/Schule-Bildung-Wandel-historischer-Pe (...) )

Textauszug unter: http://www.drossmann.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/ (...)

Droßmann, Christian: Genese einer Borderline-Persönlichkeit - Die Folgen früher Ablehnungserfahrungen am Beispiel "Sonja". in: Breyvogel, Wilfried (Hrsg.): Wie aus Kindern Risikoschüler werden. Fallstudien zu den Ursachen von Bildungsarmut, Frankfurt (Brandes & Apsel) 2010 (http://www.amazon.de/Wie-Kindern-Risikosch%C3%BCler-werden (...) )
Sind Sie der Meinung, es sollen mehr öffentliche Gelder für wissenschaftliche Studien gestellt werden?
Auf jeden Fall, sonst muss man die Ergebnisse immer so hinbiegen, dass sie dem Sponsor gefallen...
Wie halten Sie es persönlich mit dem Einsatz von Tieren in der wissenschaftlichen Forschungsarbeit?
Ich befürworte das absolut. Was soll man im Labor sonst essen?
Wie erklären Sie kurz den Unterschied zwischen allgemeiner Logik und der wissenschaftlichen Methode?
Der Durchschnittsmensch wird eine Aussage als wahr annehmen, wenn sie sich für ihn intuitiv erschließen lässt. Der Wissenschaftler prüft trotzdem die Aussage durch Versuch der Widerlegung, weil er weiß, dass intuitionistische Logik fehlerhaft sein kann.
Welche wissenschaftliche Erklärung hat Spiritualität? Sind Religion und Wissenschaft vereinbar?
Für mich ist Spiritualität im Sinne von Jacques Lacan ein Phantasma mit prothetischer Funktion. Ein Phantasma also, das den Menschen als "Krücke" dient, um Dinge wie die Endlichkeit des eigenen Lebens und andere Widrigkeiten der Realität besser ertragen zu können.

Für mich sind Wissenschaft und Religion unvereinbare Gegensätze. Die eine basiert auf empirischer Belegbarkeit und die andere eben gerade nicht. Andere Kollegen schaffen es, als gläubige Christen trotzdem neutrale Wissenschaft zu praktizieren, aber dieser Spagat versetzt mich immer wieder in Erstaunen.
Sollte die Wissenschaft an den Schulen auf eine andere Weise unterrichtet werden?
Sie sollte von "echten" Wissenschaftlern unterrichtet werden, nicht von Leuten, die durch das Staatsexamen ihren gescheiterten Diplomstudiengang retten wollten.

ENTREPRENEUR
Was haben Sie bisher erreicht? Was wollen Sie noch erreichen?
Ich habe ein paar sehr einflussreiche und große Firmen als Kunden gewinnen können. Erreichen möchte ich einen Punkt der Kundenzufriedenheit, dass ein Kunde der Größenordnung eines bekannten Telekommunikationsdienstleisters oder eines bayrischen Fahrzeugherstellers, wenn ich den von ihm gewünschten Termin nicht anbieten kann, auf einen freien Termin wartet, anstatt jemand anderes zu beauftragen.
Entrepreneurs haben den Ruf, kompulsive Kontrolleure zu sein. Wie vermeiden Sie dies?
Gar nicht. Das ist ja mit ein Garant, das Ruder fest in der Hand zu behalten.
Wie schaffen Sie den Ausgleich zwischen Arbeit und Relax?
Indem ich meine Arbeit nicht als solche empfinde.
Bitte beschreiben Sie zwei Augenblicke der totalen Angst und der absoluten Zufriedenheit, die Sie in Ihrem unternehmerischen Abenteuer schon einmal erlebt haben.
Ich hatte das Glück, eine recht prestigeträchtige Privatschule als Kunden gewinnen zu können. Während des Sommers habe ich eines Tages bei offenen Fenstern unterrichtet und nach der Stunde dann nicht bemerkt, dass eines der Fenster noch weit offen stand. Die Klasse war im Hochparterre, man hätte also mit Leichtigkeit einbrechen und einiges entwenden können. Der Tag danach war ein Feiertag, so dass das offene Fenster erst am dritten Tag vom Hausmeister entdeckt wurde. Der Schulleiter zitierte mich sofort zu sich und ich war sicher, sofort gekündigt zu werden und befürchtete einen sehr negativen Multiplikatoreffekt. Dazu kam es aber zum Glück nicht.

Absolute Zufriedenheit habe ich erlangt, als ich die Ausschreibung der Blue Man Group nach einem Englischlehrer sah, nach zehn Minuten Gespräch der Vertrag unterschrieben wurde und ich parallel dazu noch den Deutschunterricht für das Ensemble übernehmen sollte. Dass sich daraus ein Folgeauftrag für den "Tanz der Vampire" ergab, machte die Zufriedenheit vollkommen.
Bis zu welcher Stelle ist Glück wichtig? Wie ziehen Sie Glück an?
Anziehen kann man Glück nicht, aber ein wenig Glück ist immer dabei, wenn man eine Ausschreibung gewinnen will. Man kennt ja nur selten die Angebote der Konkurrenz.
Sind Krisenzeiten gut, um neue Geschäfte zu starten?
Ist das Geschäft vernünftig geplant und auf die Marktsituation ausgerichtet, ist es krisenfest. Die aktuelle "Krise" umfasst ja nicht alle Branchen gleichermaßen. Und mein Produkt, der Sprachunterricht für Englisch, ist etwas, was immer gebraucht wird. Gerade in der Krise werden internationale Beziehungen extrem wichtig und damit das Englische als lingua franca.
Welche Bedeutung haben Social Network und Public Relations in Ihrem Geschäft?
Eine sehr große. Die Zeiten, in denen man Kunden mit einem Eintrag in den Gelben Seiten gewinnen konnte, sind vorbei. Telefonische Anfragen kommen vielleicht einmal alle paar Monate vor. Den Löwenanteil meiner Kunden gewinne ich über Empfehlungen und das Internet.

GESUNDHEIT
Grundregeln, um 100 Jahre alt zu werden:
Vorher nicht sterben.
Konventionelle Medizin und alternative Medizin: Welche ist real und welche ist Aberglauben?
Solange die alternativen Heilmethoden Evidenzbasiert sind, sehe ich keinen Unterschied zur althergebrachten Medizin. Dem Schmerz ist es egal, ob die Acetylsalicylsäure aus ausgekochter Baumrinde oder aus dem Bayer-Werk kommt. Die chemischen Eigenschaften sind dieselben. Aberglaube wird es, wenn Techniken und Substanzen, wie z.B. bei der Homöopathie, in der klinischen Untersuchung keinerlei Signifikanzen gegenüber der Kontrollgruppe aufweisen. Versterben deswegen Patienten (weil sie z.B. ihren Krebs durch einen "Wunderheiler" behandeln lassen), würde ich es sogar fahrlässige Tötung bis Totschlag nennen.
Kann der Geist eine Krankheit auslösen oder heilen? Welche Fälle kennen Sie hierzu?
Natürlich, das nennen wir dann "Psychosomatik". Beim rein psychogenen Tod bin ich doch zweiflerisch, aber ein psychischer Faktor kann sehr heftige Körperreaktionen erzeugen, die wie ein organisches Leiden aussehen. Genauso kann die allgemeine Befindlichkeit zur Besserung körperlicher Symptome maßgeblich sein.
Jeden Tag kommt ein neues Produkt auf den Markt, um das Altern zu bremsen. Kaufen wir in Wirklichkeit nur "tröstende Mittel"?
Ja, das ist reine Angstbewältigung. Der menschliche Körper ist für eine Lebenszeit von um die 30 Jahre "gebaut", der Rest ist moderne Medizin. Danach geht es nur noch bergab...für die einen langsamer, für die anderen schneller.
Der Witz ist ja, dass man das Altern nur optisch "bremst", die Organe bleiben so alt, wie sie sind...
Fettleibigkeit, Schlaflosigkeit und Depressionen sind regelrechte Epidemien. Was sagt uns das über unser Lebenssystem? Was müssen wir auf sozialem Gebiet verändern?
Das ist ja eine medial induzierte Falschinformation. Was sich verändert hat, ist die breitere Anerkennung als Krankheit. Somit trauen sich mehr Menschen, diese Leiden zuzugeben und die Statistiken zeigen einen Anstieg. Im Gegensatz zu Fettleibigkeit kann man nur in schweren Fällen eine psychische Störung schon von außen erkennen. Die notwendige Veränderung wäre weitere Aufklärungsarbeit, dass Schlaflosigkeit, Depression, Angstattacken etc. zu Krankheiten wie Grippe oder Durchfall werden...weg von der Stigmatisierung psychisch Kranker als "Irre".
Ihre Meinung über den Einsatz von Marihuana als therapeutisches Mittel für Krankheiten im Endstadium:
Rein damit. Wenn ein Mensch außer dem Tod nichts mehr zu erwarten hat, dann soll dieser mit so wenig Leid wie möglich verbunden sein.
Ist es zulässig, eine Behandlung bei einem Patienten, der keine Hoffnungen mehr hat, anzuwenden, weil man in der Medizin weiter forschen möchte?
Nur wenn der Patient sich dazu bereit erklärt und sichergestellt ist, dass er die Tragweite der Entscheidung auch versteht.
Die häufigsten Fehler bei Diäten:
Neben der Nahrungsaufnahme auch das Trinken zu reduzieren und dann das geringere Gewicht als Diäterfolg sehen, obwohl es Dehydration ist und kein Fettverlust.
Werden in Praxen zu viele unnötige Analysen und Röntgenaufnahmen gemacht?
Lieber drei Röntgenbilder ohne Befund, als eines, nach dem man sagen muss "hätten wir die Aufnahme doch bloss vor drei Monaten gemacht".
Welche Technologie hat das Potential, mehr Leben in der Zukunft zu retten?
Automatische Defibrillatoren im öffentlichen Raum, die auch von medizinischen Laien zu bedienen sind. Das Überleben eines Patienten mit Kammerflimmern oder ähnlichen Beschwerden hängt entschieden von der Soforthilfe ab. Wünschenswert wäre, auch eine Form der Beatmung in das Gerät zu integrieren bzw. ein pneumatisches Gerät zur Herzdruckmassage, da die meisten Laienhelfer aus Angst vor Ansteckung oder aus Ekel nicht vernünftig beatmen, aber gleichzeitig auch nicht fest genug reanimieren, weil sie Angst haben, sie könnten dem Patienten die Rippen brechen. Knochengewebe verheilt, Hirngewebe nicht!
Was raten Sie in Bezug auf Schönheitschirurgie und Implantate?
Zu einer Psychotherapie. Sieht man von Entstellungen durch Unfälle oder funktionalen Defekten (Lippen-Kiefer-Gaumenspaltez.B.) einmal ab, muss das eigene Körperbild schon sehr gestört sein, wenn man das Risiko, aus der Vollnarkose nicht wieder zu erwachen, auf sich nimmt....Frauen, die sich z.B. nur für den Partner die Brüste vergrößern lassen, sollten lieber den Mann als die Körbchengröße wechseln...
Wie bewerten Sie das Potential oder die Risiken der genetischen Ingenieurtechnik für die Ernährung und die Gesundheit?
Gering bis null. Das ist ja Aberglaube, dass Pflanzen aus dem Genlabor schädlich für den Menschen sind. Die Stärke, die Genkartoffeln produzieren ist chemisch identisch mit der natürlicher Kartoffeln. Das einzige Risiko sind die Veränderungen im Ökosystem, die Genpflanzen verursachen können. Pflanzen sind nunmal Nahrung für bestimmte Tiere und Insekten, die wiederum Nahrung für andere Tiere sind. Mache ich die Pflanze gegen bestimmte Insekten resistent, entferne ich damit einen Teil der Nahrungskette und was dann passiert, sollte man nicht sofort im offenen Feldversuch testen, weil man keine Ersatznatur im Kofferraum hat...
Wieviel Prozent von den tausenden von Schönheitsprodukten, die es auf dem Markt gibt, bewirken tatsächlich etwas?
Was den subjektiven Placeboeffekt angeht, alle. Ansonsten kein einziges. Vor allem sehe ich die Relation zum Preis nicht. Ich kann beim besten Willen an einer Frau keinen 5-Euro-Lippenstift von einem 500-Euro-Lippenstift unterscheiden.

PSYCHOLOGIE
Auf welchem Gebiet sind Sie in der Psychologie tätig?
Pädagogische Psychologie, teilweise klinisch.
Gibt es eine Website, wo wir etwas über Sie erfahren können?
Wie überragend ist heutzutage Freud?
Als Grundlagenwerk gehören seine Schriften sicherlich aus historischem Interesse in jede gut sortierte Psychoanalysevorlesung. Aber für die praktische Anwendbarkeit gibt es heute differenziertere Theorien: Heinz Kohut, Stavros Mentzos, Otto F. Kernberg usw.
Gibt es eine einfache Methode, damit eine Person Stress und Beklemmung ablegen kann?
Benzodiazepine. Die Kassen zahlen ja nur so um die 20 Stunden Psychotherapie im Kalenderjahr, wenn überhaupt. Eine effektive Isolierung und Benennung der Stressoren und die Verhaltensmuster, die zu Stress und Beklemmungsgefühlen führen ist damit nicht möglich. Eine ordentliche Psychoanalyse schon gar nicht, aber auch Verhaltenstherapie läuft so eher ineffektiv. Eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen aber ist eine vollklinische Erkrankung, die einen stationären Aufenthalt nach sich zieht, der von allen Kassen voll getragen wird. Da bleibt viel Zeit übrig, auch eine Angst- bzw. Stressstörung zu behandeln. Das ist zwar eine Zynikermethode, aber leider im aktuellen Gesundheitssystem die einzige Möglichkeit, da eine "reine" Angst ohne depressive Symptomatik kaum ausreicht, die Kosten eines stationären Aufenthaltes zu rechtfertigen.
Woraus besteht das Phänomen der Verliebtheit? Gibt es Heilung dafür?
Die Verliebtheit ist die schwerste dem Menschen bekannte Persönlichkeitsstörung. Bei keiner Schizophrenie z.B. gibt es eine derartige Auflösung des Ich. Es existiert nur noch der Andere oder maximal ein "wir". Da die Patienten selbst gar nicht davon geheilt werden wollen, ist die Verliebtheit nur durch eine Ehe therapierbar. Einige werden durch sie geheilt, andere behalten die Symptome ein Leben lang...
Welche neuen Tendenzen im Bereich der Psychologie wecken in Ihnen das größte Interesse?
Die neurobiologischen Erklärungsmodelle psychischer Zusammenhänge. Spiegelneuronen, etc.
Unter welchen psychologischen Problemen leiden üblicherweise Künstler und kreative Personen?
Erfolgreiche Künstler und andere kreative Menschen verfügen meist über eine mehr oder weniger pathologische narzisstische Persönlichkeitsstruktur, die auf dem Gefühl von Minderwertigkeit basiert. Zwar ist die Tatsache, dass Menschen mit einer solchen Struktur niemals mit ihrer Leistung zufrieden sind, Garant für immer noch höhere Leistungsmaßstäbe, auf der anderen Seite aber gehören Depressionen, Suizidalität und Suchtverhalten dazu sowie überhöhte Kränkbarkeit und tendenziell mangelnde Kritikfähigkeit.
Ein einfaches Rezept, um glücklich zu sein.
Sie werden sterben. Ob sie ein guter oder ein schlechter Mensch waren, ob Sie Erfolgreich oder ein Versager waren, ein Professor oder ein Bettler, Sie enden alle in der gleichen Kiste. Wenn Sie morgen tot umfallen, wird ihre Familie leiden, ihre Nachbarn vielleicht ein wenig traurig sein und die Leute, die ein paar Meter weiter auf Ihrer Straße wohnen, wissen vielleicht nicht einmal, dass Sie je existiert haben. Was die Leute über Sie nach ihrem Tod sagen werden, wird Ihnen nach seinem Eintreten völlig egal sein. Sie sind beruflich ersetzbar. Fallen Sie tot um, wird morgen die Stelle neu ausgeschrieben. Niemand ist so einzigartig, dass man nicht ohne ihn auskommen kann. Denken Sie also darüber nach, ob die zehnte Überstunde und das nächste durchgearbeitete Wochenende wirklich notwendig ist. Am Ende stehen Sie sonst mit 67 mit einer dicken Rente, einem großen Haus und einen fetten Auto da, sind aber zu kaputt, um irgendetwas davon noch genießen zu können....und in die Kiste kann man ohnehin nichts mitnehmen...leben Sie jetzt...fahren Sie mit dem Auto zur Arbeit, können Sie morgen schon Teil der Statistik werden...und das ist dann sehr ärgerlich...

ERZIEHUNG
Welche Fächer unterrichten Sie? Wer sind Ihre Schüler?
Englisch, allgemeines Englisch und spezielle Themengebiete wie Wirtschaftsenglisch, English for business, Englisch für Psychologie/Psychoanalyse, Englisch für Erziehungswissenschaftler

Meine Schüler sind Haupt-, Real- und Gymnasialschüler, die das Wahlpflichtfach Wirtschaftsenglisch belegen, sowie private Einzelkunden unterschiedlichster Hintergründe und Firmen, die Problem-/Projektspezifisch eine Schulung benötigen.

Im Moment unterrichte ich auch an der Folkwang-Universität der Künste in Essen-Werden im Bereich Erziehungswissenschaft zu den Themen, Amok, Jugendgewalt und Gewalt in der Schule.
Gibt es einen Link, wo wir sehen können, was Sie tun, oder an welcher Schule Sie unterrichten?
Meine eigene Schule, Droßmann Englischtraining: http://www.englischtrainer.biz

Dazu diverse Firmenkunden. Volle Liste auf meinem XING-Profil: http://www.xing.com/profile/Christian_Drossmann
Welches Vorbild hat einen ganz besonderen Einfluss auf Sie gehabt und warum?
Mein Chemielehrer Dr. Heinrich Blume. Ein ehemaliger Arzt für Psychiatrie, der "mal eben" neben dem Medizinstudium noch Latein und Anglistik studiert hat. Er ging dann als Quereinsteiger in den Schuldienst. Ich habe selten danach einen derart breit und umfassend gebildeten Mann getroffen. Er ist mein Leitbild für den Lehrerberuf geworden: Bildung zu vermitteln, nicht bloß in seinem eigenen Fach...und vor allem kein Fachidiot zu sein.
Welcher Aspekt Ihres Berufes stellt für Sie eine besonders große Herausforderung dar?
Menschen zum Lernen zu motivieren, die es selbst eigentlich gar nicht wollen. In vom Abteilungsleiter angeordneten Fortbildungen z.B. Das ist mit die schwierigste Sache...motiverte Erwachsene unterrichten kann jeder Trottel...
Was ist das Geheimnis, um Schüler neugierig auf den Lehrstoff zu machen?
Das Herstellen eines Realitätsbezuges zur Erlebniswelt der Schüler. Es kommt bei jedem Thema unweigerlich irgendwann zur Frage "Wofür brauche ich das?". Kann ich eine gute Begründung liefern, die der Schüler sofort in seine lebensweltliche Realität einbauen kann, sei es durch den Berufswunsch oder bei Erwachsenen durch Streben nach einer Beförderung oder eine Versetzung ins Ausland, wird der Schüler sich das Wissen eigenmotiviert erwerben wollen. Kann ich nur "weil es im Lehrplan steht" als Antwort geben, z.B. bei Inhalten, deren Sinnhaftigkeit ich selber nicht nachvollziehen kann, wird die Lernleistung deutlich schwächer ausfallen und der Unterricht deutlich zäher...
Wie gestalten Sie den Unterricht individuell? Wie halten Sie es mit unterschiedlich begabten Schülern in ein und derselben Klasse?
Individuelle Unterrichtsgestaltung ist in der aktuellen Praxis der Schule ein Mythos. Ich empfehle meinen Kunden grundsätzlich Seminargrößen von maximal acht Personen. Nur so kann ich gewährleisten, dass in einer Unterrichtseinheit von 90 Minuten jeder seine Rückfragen stellen und seine persönliche Hilfestellung von mir un den anderen Teilnehmern bekommen kann.

In der Schule habe ich manchmal eine Einzelstunde von 45 Minuten mit 32 Schülern. Davon gehen Rekapitulation der letzten Stunde und Ergebnissicherung am Stundenende ab, dann muss noch in das Stundenthema eingeleitet werden...rechnerisch bleiben dann für jeden Schüler nur ein paar Sekunden individueller Zeit...
Letzendlich schieße ich auf das Zentrum und muss in Kauf nehmen, dass am oberen Ende etwas Langeweile aufkommt und am unteren Ende ein paar Schüler auf der Strecke bleiben...das ist das Selektionsprinzip, was nunmal Teil von Schule ist.
Welche Diskussionsthemen bezüglich des Lehrstoffes und des Unterrichtens sind besonders interessant für Sie?
Die Frage, wie das Curriculum an die arbeitsweltliche Realität angepasst werden kann. Die Schule in Deutschland, besonders das Gymnasium krankt immer noch am altphilologisch-humanistischem Denken. Bestimmtes Wissen muss erworben werden, weil "man das wissen muss", eine tiefere Begründung außer "gehört zur Allgemeinbildung" kann niemand geben. Das ist insoweit in Ordnung, wie ich den Schülern eine fundierte Ausbildung für das spätere Leben gebe und ihnen dann noch zur Abrundung Allgemeinwissen verschaffe. Geht aber das Vermitteln von Allgemeinbildung auf Kosten praktisch anwendbarer Informationen und handlungspraktischer Kompetenzen, sehe ich den Sinn nicht mehr. Was nützt es mir, wenn meine Schüler Shakespeare's Sonette auswendig rezitieren können, aber als Erwachsene dann wieder bei mir in der beruflichen Weiterbildung landen, weil sie weder wissen, wozu ein Memorandum gut ist, noch wie man es auf Englisch formuliert...
Wäre es gut, wenn Lehrer entsprechend der schulischen Leistungen ihrer Schüler finanziell "belohnt" werden würden?
Absolut. Das Hauptproblem des Schulsystems ist für mich immer noch, dass durch die Verbeamtung schlechte Lehrleistung keinerlei berufliche Konsequenzen hat. Als freiberufler bin ich wenn ich einen miesen Job mache relativ schnell den Kunden los. Verbeamtete Lehrer können bis zum Dienstzeitende katastrophal schlechten Unterricht machen und die einzige Art, einen verbeamteten Lehrer loszuwerden ist die Beförderung...man schreibt ihm also ein Gutachten, das ihn als besseren Pädagogen als Adorno auszeichnet und der Kollege wird dann A14 an einer anderen Schule und man ist ihn los...

Ich denke, die Lernleistung der Schüler und die Lehrleistung der Lehrer würde sich signifikant verbessern, wenn ein schlechtes Abschneiden der Schüler die Beendigung des Vertragsverhältnisses und ein gutes Abschneiden der Schüler eine Prämie bedeuten würde.
Was fehlt in den Schulen der heutigen Zeit abgesehen von mehr Ressourcen?
Der Realitätskontakt zwischen Schule und Arbeitswelt. Schule muss schneller auf Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt reagieren können, um den Schülern keine Ausbildung zu verpassen, mit der sie dann später nicht ohne großen Fortbildungsaufwand erfolgreich ins Arbeitsleben zu integrieren sind.
Welche Technologie setzen Sie normalerweise in Ihren Unterrichtsklassen ein?
Zwischendurch Laptop und Beamer für Video-, Audio- und Bildbeispiele. Hauptarbeitsgerät ist für mich aber immer noch das gute alte Whiteboard oder ein Flipchartblock.
Muss man die Schule, ihre Methoden und Ziele neu überdenken in Anbetracht der neuen Technologien?
Ich denke, die Schule sollte das Thema "neue Technologien" tiefer hägen. Computer und der Umgang damit sind derart essenzielles Kulturgut geworden, dass die Kinder sie relativ flächendeckend bereits beherrschen. Hastig fortgebildete "Informatiklehrer", die oftmals selber nicht wissen, was sie eigentlich tun sind der falsche Weg. Die Generation, die mit Computern aufgewachsen ist, muss mit ihrem tiefen Verständnis der Materie Lehrer werden, um effektiven Unterricht zu geben.
Letzlich bleibt aber der zentrale Dreh- und Angelpunkt bleibt die didaktische Kompetenz des Lehrers, nicht die eingesetzte Technik.

In Afrika gibt es Lehrer, die malen ihre Tafelbilder mit einem Stock in den Staub und trotzdem produziert das Land Akademiker. Ein didaktisch hochkompetenter Lehrer braucht ein Stück Kreide und eine Tafel...manchmal nicht mal das...eine didaktische Flachpfeife retten auch Powerpoint und Beamer nicht...im Gegenteil...sie verleiten dazu, fertige Bilder immer wieder zu verwenden und zu vergessen, dass die Schüler ein Tafelbild am besten verstehen, wenn ich es vor ihren Augen entwickele...
Wie würde die ideale Schule aussehen, wenn Sie so eine selber erschaffen könnten?
Sie hätte vor allem standardisierte Aufnahmeprüfung, die Aufnahme wäre völlig unabhängig von sozialer Herkunft. Das Arbeiterkind wird bei guter Leistung aufgenommen und wenn das Geld der Eltern nicht ausreicht, wird es eben kostenlos ausgebildet bzw. zahlt das Schulgeld erst als Erwachsener zurück. Im Gegenzug würde ein Akademikerkind trotz des Status und Reichtums der Eltern abgelehnt, wenn es den Test nicht besteht. Leistung als Maßstab, nicht Herkunft.
Was glauben Sie, wie eine Schule in 20 Jahren aussehen wird?
Wenn die Finanzierung auch in 20 Jahren noch so ist wie heute, dann denke ich, sie wird einfach noch 20 Jahre kaputter aussehen...

COACH
Ist es manchmal nötig, eine Person in Hinblick auf ihre Wünsche und Erwartungen neu zu orientieren?
Das ist absolut notwending, um eine vernünftige Basis für ein Training zu bekommen. Oftmals schätzen die Kunden ihre Fähigkeiten besser ein als sie tatsächlich sind und stecken ihre Ziele pro Zeiteinheit recht hoch. Dann muss man versuchen, sie auf den Boden der Tatsachen zu holen, ohne dass sie es als Affront betrachten. Das ist immer ein Gratwanderung, aber ohne eine realistische Verortung ist es nicht möglich, konkrete Ziele und die Zwischenschritte dorthin zu definieren.
Was ist das entscheidende Hindernis, dem sich Ihre Kunden üblicherweise stellen müssen?
Anzuerkennen, dass sie auf meinem Gebiet Hilfe bzw. eine Schulung brauchen.

BLOGGER
Wie lautet die URL zu Ihrem Blog? Über welche Themen schreiben Sie?
http://www.drossmann.de/wordpress

Eigentlich ein Lehrerblog mit Fokus auf Jugendgewalt, Amok und Psychologie...zwischendurch aber auch mein ungefilterter Senf zu tagesaktuellen Themen...
Warum haben Sie Ihren Blog ins Leben gerufen? Wann haben Sie damit begonnen?
Angefangen hat das Blog als Entwicklerblog zur deutschen Version des Alicebot (http://www.alicebot.org, deutsche Version auf http://www.drossmann.de/GermanAlice/). Später wurde es dann ein allgemeines Blog, das am Anfang immer mehr, dann immer weniger mit dem Thema Schule und Unterricht zu tun hatte.
Ich bezeichne es gern als meinen "ungefilterten Gedankenstrom"...natürlich ist dies immer noch die Weltsicht eines Lehrers...es dient dem Stressabbau, weil man viele Dinge bloggen kann, die man so öffentlich nicht aussprechen darf...
Im Prinzip geht es aber immer noch um die Themen Schule, Jugendliche, Gewalt, Amokläufe und Psychologie...es ist nie ganz ernst gemeint sondern mehr ein Spaßblog als echte Hilfestellung...
Welches Blog-System wenden Sie an und warum?
Ich habe lange Zeit mit RapidWeaver gebloggt, bin aber dann doch aufgrund deutlich überlegener Funktionalität zu Wordpress gewechselt und dabei geblieben.

Rapidweaver verwende ich nur noch für normale Webseiten (z.B. meine berufliche Homepage).
Wie viele Besucher haben Sie am Tag? Welche Art von Kommentaren erhalten Sie von Ihren Besuchern?
Im Moment habe ich so ca. 300 Besucher auf dem Blog mit so ungefähr 1.600 Seitenaufrufen pro Tag. Jeder liest also im Schnitt 5,3 Seiten...
Im Moment ebbt es ab, da zum Vulkanausbruch und zur Kindesmissbrauchsaffähre der Katholiken eigentlich alles gesagt ist und ich weniger blogge...

Die Kommentare sind freundlich bis verärgert/bissig...ich polarisiere natürlich gerne mit meinem Blog und komme ohne den üblichen Zynismus nie aus...aber die Stammleser kommen genau deswegen immer wieder
Was hat Ihnen der Blog gebracht?
Eine Menge Befriedigung durch das Kanalisieren von Aggression angesichts bestimmter Sachverhalte...man wird dadurch deutlich entspannter.
Haben Sie Kontakt zu anderen Bloggern oder zu einigen Ihrer Leser?
Sporadisch, wenn ich Kommentare per Mail beantworte, oder mir ein Bloggerduell liefere, wie z.B. mit Marek Hoffmann von BasicThinking.
Wie häufig posten Sie neue Beiträge? Ist es schwierig für Sie, regelmäßig zu posten?
Wenn ein bestimmtes Thema in meine Sparte passt, können dazu gerne einige Artikel im Blog landen...dann kann es aber auch sein, dass es nichts Bloggenswertes ist und ich auch gar nicht schreibe.
Bringt Ihnen Ihr Blog Einkünfte? Kann man vom Bloggen leben?
Das Blog ist reiner Spaß...sowas wie ein Hobby. Ich bekomme weder Geld dafür und ich glaube, die goldene Pionierzeit der Alphablogger ist vorbei...ab einem gewissen Punkt braucht man einen eigenen Server und der kostet...ist man nicht Basicthinkig oder Nerdcore, werden die Werbeeinnahmen nicht reichen, um zu leben.
Wie machen Sie Ihren Blog bekannt?
Durch die gängigen Pingservices wie autopinger und pingomatic.
Wie würden Sie Ihre Leser definieren? Haben Sie treue Leser?
Meine Leser sind definitiv Zyniker oder zumindest Sarkasten. Einige sind aus dem Bildungssektor, über die genaue Zusammensetzung meiner Stammleserschaft weiß ich nichts, da kaum kommentiert wird.
Haben Sie schon mal Geschenke erhalten, weil Sie in Ihrem Blog über Produkte oder Dienstleistungen berichtet haben? Was halten Sie von den Bloggern, die dies tun?
Nein, aber ich hätte überhaupt kein Problem damit, solange gewährleistet ist, dass ich tatsächlich meine ehrliche Meinung zum Produkt sagen darf. Aber wenn sich jemand kaufen lässt...warum nicht..so funktioniert die Welt...
Wie sehen Sie Ihren Blog in der Zukunft?
Genauso wie jetzt: Als Hobby, für das man mal mehr und mal weniger Zeit hat.
Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der einen Blog ins Leben rufen will?
Geduld. Die Stammleser bekommt man nicht durch Suchmaschinen, die Stammleser bekommt man durch den Content....und es kann, auch wenn man bei anderen Blogs mit der eigenen URL kommentiert und sich austauscht, relativ lange dauern.

Ich blogge seit mehreren Jahren und erst in den letzten paar Monaten sind die Leserzahlen dreistellig geworden und die Seitenaufrufe kontinuierlich gestiegen.

PERSÖNLICHKEIT
Wie stehen Sie zu den beiden Aussagen "Arbeiten um zu Leben" bzw. "Leben um zu Arbeiten"?
Arbeiten um zu Leben. Sonst wird es gesundheitsschädlich...
Ein kleiner Genuss, der für Sie enorm groß ist?
Schottischer Singlemalt, vor allem Talisker.
Wie reagieren Sie auf Telemarketing-Anrufe?
Grob fremdschädigend.
Sind Sie nach irgendetwas süchtig?
Koffein, Nikotin, Anerkennung
Sie gewinnen neun Mal hintereinander im Roulette. Machen Sie weiter, weil Sie eine Glückssträhne haben, oder hören Sie auf, weil Sie statistisch gesehen jetzt verlieren müssten?
Ich glaube nicht an "Glück", also höre ich auf.
Wie haben Sie Ihren aktuellen Partner kennen gelernt?
An der Universität. Ich habe von ihr den Schreibtisch übernommen. Nach der Schließung der Arbeitsgruppe habe ich Schreibtisch und Frau mit nach Hause genommen.
Was war Ihr erstes Auto?
Ein roter Audi 80, Baujahr 1989
Gibt es einen Aberglauben, der Sie dazu bringt, Ihr Verhalten zu ändern?
Ich glaube täglich aufs Neue, dass Kunden die Rechnungen, die ich ihnen schicke, auch wirklich bezahlen. Darum arbeite ich auch jeden Tag wieder, auch wenn Arbeit gegen meine Natur ist...
Ist das Sternzeichen hilfreich für Sie, um das Verhalten der Menschen zu verstehen?
Nein. Das halte ich für Aberglaube.
Eine schlechte Angewohnheit, die Sie überwunden haben?
Meine pathologische Rechthaberei. Sie ist nicht länger eine schlechte Angewohnheit, sondern mein Beruf.
Was werden Sie wohl als Rentner machen?
Arbeiten, weil ich sicher bin, dass es das Rentensystem in der uns bekannten Form in 37 Jahren nicht mehr geben wird.

IDEEN
In der U-Bahn schwarzfahren oder Ladendiebstahl begehen - gehen die Menschen mit solchen kleinen Straftaten zu tolerant um?
Die Kosten des Verfahrens dürfen nicht den Schaden übersteigen...sonst wird das ganze unwirtschaftlich.
Was halten Sie von Hausbesetzern?
Das gleiche, wie von jeder anderen Art blindem Aktionismus. Ich bekomme ja nicht mehr Gehör für meine Sache, wenn ich die Menschen gegen mich aufbringe. Ich würde subtilere Methoden der Durchsetzung empfehlen. Außerdem sind die Achtziger lange vorbei.
Ist es in Ordnung für Sie, Trinkgeld zu geben?
Ich halte es für verpflichtend. Gerade die Gastronomie ist ja nicht gerade für fürstliche Entlohnung bekannt. Ich gebe nur zur Signalwirkung kein Trinkgeld, wenn also der Service wirklich schlecht war.
Hat Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen, oder glauben Sie eher an die Theorie der Evolution?
Evolution.
Worauf lässt sich die zunehmende häusliche Gewalt zurückführen?
Dass die häusliche Gewalt zunimmt, halte ich ebenfalls für einen medialen Mythos. Analog zur Jugendgewalt muss man auch das Anzeigeverhalten im Auge haben. Ein rein zahlenmäßiger Anstieg bedeutet ja nicht, dass mehr Taten stattfinden, sondern nur, dass mehr Taten *bekannt* und statistisch erfasst werden. Das kann aber auch bedeuten, dass sich mehr Opfer trauen, Gewalt anzuzeigen.
Wie weit vertrauen Sie Statistiken?
Kommt darauf an, wer die Studie finanziert hat. Normalerweise vertraue ich mit externen Mitteln finanzierter Forschung ungefähr so weit, wie ich das Brandenburger Tor werfen kann...
Glauben Sie, es stimmt, dass wir nur knapp zehn Prozent unseres geistigen Potentials nutzen?
Das ist, wenn ich mich nicht irre, ein aus dem Kontext gerissenes Zitat von Albert Einstein. Die bildgebenden Verfahren der Neurologie zeigen uns ja, dass das nicht der Fall ist.
Wie stark glauben Sie an Horoskope in Zeitungen und Magazinen?
Überhaupt nicht.
Sollte es mehr Einschränkungen und Grenzen für den Einsatz von Fahrzeugen innerhalb der Städte geben?
Nur dann, wenn gewährleistet ist, dass das öffentliche Nahverkehrssystem so solide funktioniert, dass es keinen Nachteil gegenüber dem Individualverkehr liefert.
Gibt es Außerirdische?
Das ist anzunehmen. Es ist ja nur ein sehr kleiner Teil des Universums mit dem bloßen Auge zu sehen. Die Anzahl der Sterne in unserer Heimatgalaxie wird zwischen 100 Milliarden (!) und 300 Milliarden geschätzt. Andere Galaxien sind noch deutlich größer. Jeder Stern kann von mindesten einem Planeten umkreist werden. Manche haben keinen Planeten, andere wiederum mehrere. Allein die Statistik solle uns bereits zeigen, dass der Glaube, wir seien das einzig intelligente Leben im Universum, pure menschliche Arroganz ist.

KULTUR
Was haben Sie gerade in Ihrem Portemonnaie?
Geld, Ausweis, Führerschein und viel zu viele kleine Plastikkarten.
Was haben Sie auf Ihrem MP3-Player?
Ich besitze keinen MP3-Player
Mac oder PC? Warum?
Mac. Ich will nicht basteln, ich will arbeiten.
Wie schlagen Sie die Zeit tot?
Mit Unterrichten
Was kommt nach der Konsumgesellschaft?
Das ist ja eine Frage, die schon die 68er beschäftigt hat und die Konsumgesellschaft existiert immer noch. Ich bin überzeugt, dass die Konsumgesellschaft so lange existieren wird, wie individuelle Defizite existieren, die durch Konsum kompensiert werden - also bis in alle Ewigkeit.
Gibt es zu viel Sex und Gewalt in den Medien?
Auch die Argumente, die in dieser Diskussion vorgebracht werden, sind uralt. Man hat noch im Kaiserreich damals den "Schmutz- und Schundparagraphen" verabschiedet (daran war u.a. Konrad Adenauer beteiligt). Damals ging es um die "Groschenromane", die angeblich die Jugend verderben würden. Das gleiche sagte man später über das Kino, das Fernsehen, den Videorecorder, die Comics und heute über das Internet. Und bis jetzt ist noch jede Generation groß geworden. Ich denke eher, die Jugend hat es heute deutlich einfacher als wir. Sie haben Youporn und Google, wir hatten damals nur den Unterwäscheteil im Otto-Katalog um eine Frau halbwegs ohne Kleidung zu sehen.
Glauben Sie, dass Videospiele, Chats, etc. Jugendliche abhängig machen können?
Ich bin mir sicher, dass sie nicht nur Jugendliche abhängig machen können.
Marketing, Briefing, Brainstorming... Bemühen Sie sich, Anglizismen zu vermeiden, oder akzeptieren Sie diese Begriffe ohne weiteres?
Als Anglist stören mich Anglizismen nicht, wenn sie der Knappheit einer Aussage dienlich sind. Falsch verwendete Anglizismen allerdings ärgern mich immer wieder.
Was halten Sie von Graffiti in den Städten?
Das gehört als Subkuktur des urbanen Raumes einfach dazu. Eine Stadt ohne Graffiti ist mir unangenehm klinisch rein.
Welche Zeitschriften lesen Sie normalerweise?
Gar keine. Ich lese nur noch elektronisch. Ich habe nicht einmal mehr eine Tageszeitung.
Die Piraterie nimmt zu. Was wird mit der Musikindustrie, Film und Kultur im Allgemeinen geschehen?
Ich glaube nicht, dass die Piraterie zugenommen hat. Das Internet macht das Kopieren nur schneller möglich. Früher hat eine Kopie exakt so lange wie die Schallplatte oder der Film gedauert. Die gleichen Argumente, die heute gegen Filesharing etc. vorgebracht werden, wurden damals gegen die Leercassetten und das Mitschneiden von Radiosendungen und das Überspielen von Schallplatten vorgebracht. Die LP existiert heute noch, genau wie die CD. Das Tauschen von Musik, gerade im Jugendalter, ist ja Teil sozialer Kultur und Initialzündung für den späteren Musikgeschmack. Ich habe mir im Erwachsenenalter alle Scheiben, die ich noch heute gut finde, dann auch als CD gekauft. Und an den Konzertkarten haben die Interpreten an mir auch gut verdient...
Wohin soll es im nächsten Urlaub gehen?
Urlaub...ja...an das Wort erinnere ich mich...muss gleich mal in die Wikipedia schauen, was es bedeutet....

POLITIK
Wie vertreten Sie Ihren politischen Standpunkt? Welche Ideologie inspiriert Sie?
Ich zahle meine Steuern und ich gehe wählen. Damit erkaufe ich mir das Recht, meine politische Meinung zu äußern. Ideologien habe ich keine, ich suche mir bei jeder Wahl die Partei heraus, die das geringste Potenzial hat, eine Katastrophe herbeizuführen.
Was ist für Ihre Wahl entscheidend? Die Partei, der Kandidat oder das Wahlprogramm?
Die Politik in der Zeit etwas länger vor der Wahl. Im Wahlkampf glaube ich niemandem irgendein Wort. Das ist alles Propaganda. Relevant ist, wie Kandidat und Partei sich gegeben haben, als sie die Wahl hinter sich hatten.
Sollte Religion in der Politik eine Rolle spielen?
Als schützenswertes Gut der eigenen Entfaltung im Grundgesetz. Ansonsten bin ich für eine strikte Trennung von Religion und Staat.
Geringe Wahlbeteiligung - ist das ein schwerwiegendes Problem für Demokratien?
Geringe Wahlbeteiligung ist ein Problem für jede Form der Politik. Dass die Leute keine Lust mehr haben zu wählen, weil es ihnen durch Desillusionierung egal ist, wer den Laden schmeisst, hat schon in Weimar zur Katastrophe geführt. Aber ich stehe auf dem Standpunkt, dass man beim Wahlrecht in einer Demokratie eben auch das Recht hat, sein Recht nicht wahrzunehmen. Nur darf keiner, der nicht gewält hat, sich die nächsten Jahre über irgendetwas beschweren.
Das Ärgerlichste ist für mich die Tatsache, dass die Nichtwähler in der Stimmenauszählung nicht berücksichtig werden, die Wahlergebnisse also ein verzerrtes Bild der vorherrschenden politischen Meinung liefern. Würde die Gruppe der Nichtwähler aufgeführt wie eine politische Partei, sähen die Mehrheitsverhältnisse ganz anders aus.
Sollte die Demokratie Parteien verbieten, an den Wahlen teilzunehmen, die ihr ein Ende setzen wollen?
Natürlich. Es ist eine Utopie zu glauben, dass die Menschen in einer Demokratie sich immer für die Mitte entscheiden. Gibt man ihnen ein Spektrum, muss man akzeptieren, dass dieses Spektrum auch einen rechten und einen linken Rand hat. Das Problem bei Extremismus ist ja das Gedankengut an sich, nicht dessen politische Manifestation. Darum halte ich z.B. ein Verbot der NPD für kompletten Blödsinn, da man sich ja jederzeit unter neuem Namen neu gruppieren kann und so das Verbot umgeht. Extreme Positionen, die plötzlich Stimmen gewinnen, sind immer ein wichtiger Indikator für ein Problem in der aktuellen Politik. Die Frage ist nicht, warum die Leute sich extremistischen Parteien zuwenden, sondern was das Bild der Demokratie in ihnen so zerstört hat, dass sie sich von ihr ABwenden.
Rechts und links - zwei gegensätzliche Konzepte?
Die Ideologien sind absolut gegensätzlich, die psychosoziale Struktur von extremistischen Positionen halte ich aber für absolut gleich. Sie manifestieren sich nur in einer anderen politischen Position. Sie haben aber z.B. "den Staat" als gemeinsamen Feind...
Warum gibt es immer noch Hunger auf der Welt? Handelt es sich um eine vorsätzliche Politik?
Nein. Ich denke, die Antwort ist deutlich weniger komplex. Es interessiert einfach niemanden.
Welche Art von Informationen sollte eine Regierung legal von ihren Bürgern erhalten?
Solange es sich nicht um eine Strafverfolgung handelt, nur die Informationen, die der Bürger freiwillig angibt.
Welche politischen Persönlichkeiten aus der letzten Zeit bewundern Sie besonders?
Joschka Fischer. Der Wandel vom steineschmeissenden Revolutzer hin zum fettleibigen Corporate-Identity-Establishment zeugt von wahrer personaler Integrität. Arbeitet der eigentlich mittlerweile auch bei Gazprom?
Sollen Delikte wie Drogen oder Prostitution legalisiert werden?
Ja. Ich wäre für eine vollständige Legalisierung sämtlicher harter und weicher Drogen. Der Knackpunkt ist: Will jemand eine Droge konsumieren, wird er sich diese verschaffen, ganz unabhängig von der Rechtslage. Im Gegenzug wird jemand, der Drogen ablehnt, sie auch dann nicht nehmen, wenn er sie in jeder Apotheke bekommt. Die Zahl der Drogentoten wird nach einer Legalisierung erst einmal ansteigen, da bleibe ich realistisch, aber das Problem von Drogen ist die Beschaffungskriminalität und der ganze Apparat, der am Drogenschmuggel hängt. Und natürlich die extrem hohen Kosten in deren Bekämpfung. Wenn man das Gramm Kokain zu dreißig Cent inklusive Mehrwertsteuer in jeder Apotheke bekommt, gräbt man Drogenproduzenten, -schmugglern und -dealern das Wasser komplett ab. Psychologisch gesehen würde ich nicht fragen, warum Menschen Drogen nehmen, sondern, vor welcher Realität sie damit flüchten...
Das zweiparteiliche System nimmt von Mal zu Mal zu. Ist dies gut für die Politik?
Nein, das lähmt nur noch weiter. Das Problem bei Koalitionen ist ja, dass oberflächlich die Stimmen zusammengezählt werden, man aber dabei vergisst, dass die beiden koalierenden Parteien eventuell gar nichts miteinander zu tun haben wollen. Hätten sie mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen, wären sie nicht verschiedene Parteien. Insofern ist also das gemeinsame Innehaben einer Mehrheit nur eine Illusion, da keiner die mathematische Gegenprobe macht.
Realiter heißt dies im Rechenexempel:
Die CDU hatte mit 39% der Stimmen relativ die meisten Wähler, der Koalitionspartner FDP 9,4%. Somit werden wir von einer Partei regiert, die von 61% (absolute Mehrheit!) der Wähler nicht gewollt wurde und bekommen als Koalitionspartner eine Partei aufgezwungen, die von 90,6% (noch absoluter geht die Mehrheit fast nicht) der Wähler nicht gewollt wurde...und dann wundert man sich, warum nichts funktioniert...Mir wäre ein first-past-the-post lieber. Eine Partei, die auch mit einfacher Mehrheit alleine wenigstens stringent regiert, als zwei, die sich eigentlich nicht verstehen und sich eine Legislaturperiode lang gegenseitig Blockieren.
Sollte sich jedes Gebiet eigenständig regieren, sofern dies die Mehrheit der Bevölkerung in einem Referendum entscheidet?
Bloß nicht! Der Föderalismus ist ja schon schlimm genug. Dadurch, dass eine Partei A zwar die Bundesregierung stellt, ein Land aber von Partei B geführt wird, die dann unterschiedliche Politische Ziele und Prioritäten hat, entstehen schon genügend lähmende Blockaden....lieber wäre mir, wie schon erwähnt, ein first-past-the-post-System, bei dem die Partei die Bundesregierung stellt, die auf Länderebene auch die meisten Länder hat...am besten wäre es, wenn sie dann automatisch auch alle Länder regiert, damit eine stringente Politik möglich ist. Man kann ja als Steuerungselement dann den Bundespräsidenten stärken und die Legislaturperiode auf nur zwei Jahre begrenzen...
Hat ein Land das Recht, ein anderes anzugreifen, oder dort einzugreifen, weil es schwere Verbrechen an der Menschheit begeht, obwohl es von diesem Land nicht angegriffen wurde?
Nein. Erstens halte ich die US-amerikanische Praxis, Demokratie in ein Land hineinzubomben für ethisch tendenziell problematisch, zweitens kann Veränderung nur aus dem Volk kommen. Wie gut das gewaltsame Absetzen einer Regierung durch einen Dritten und die nachfolgende Demokratisierung funktioniert, sehen wir an der allgemeinen Glückseligkeit die nun im Irak und in Afghanistan herrscht.
Warum ist die Wirtschaft in den kommunistischen Ländern gescheitert?
Weil der reale Kommunismus überall wo er praktiziert wird, eine Diktatur ist. Dass alles allen gehört, ist zunächst eine verlockende Annahme. Kommt aber politische Macht ins Spiel, so hat irgendwann der letzte gemerkt, dass eben nicht alles allen, sondern alles der Regierung gehört. Und dieses Bewußtsein führt unweigerlich zur Rebellion, die dann wie z.B. in China oder damals in der DDR nur noch mittels eines riesigen Überwachungs- und Desinformationsapparates und durch militärische Gewaltanwendung handhabbar bleibt.
Was ist Nationalismus?
Maligner Patriotismus. Also das Hochhalten des eigenen Landes auf kosten anderer Länder und ausländischer Einwanderer...traurig ist, dass anhand der deutschen Geschichte oft benigner Patriotismus mit Nationalismus verwechselt wird...
Recht auf die Entscheidungsfreiheit der Frau oder Recht auf Leben?
Entscheidungsfreiheit der Frau. Das Kind ist bis zur Geburt Körperteil der Mutter.
Unterstützen Sie finanziell oder aktiv eine Hilfsorganisation, NGO oder ähnliches?
Nein, ich helfe lieber direkt durch Ehrenamt.
Sind Sie für oder gegen die Todesstrafe? Warum?
Dagegen. Die Aussage "Töten ist falsch und darum bringen wir dich jetzt um!" ist irgendwie schief...
Glauben Sie an eine Verschwörungstherorie vom 11. September?
Nein. Auch Verschwörungstheorien halte ich für prothetische Phantasmen im Lacan'schen Sinne. Die Menschen können es nicht in ihr Weltbild integrieren, dass Menschen soetwas "einfach so" aus eigenem Antrieb tun und brauchen zur Angstkontrolle ein projektives "großes Ganzes", damit sie ihr Menschen- und Gesellschaftsbild stabil halten können. Das gilt für mich für den 11. September genau so wie für gleichwertig katastrophale Ereignisse.
Gibt es zivilisiertere Länder als andere? Oder ist es alles eine Frage kultureller Unterschiede?
Das hängt von der Definition des Zivilisationsbegriffes ab. Ich als Relativist würde diese Frage absolut verneinen. Man muss den Status Quo einer Gesellschaft immer in ihrem eigenen historischen Kontext sehen. Zivilisation wird meist mit High-Tech und bestimmter Infrastruktur gleichgesetzt. Das halte ich für falsch.
Gibt es zu viele Steuern?
Es gibt vor allem zu viele intransparente Regelungen. Ich bin ein Befürworter eines einheitlichen Steuersatzes für alle über dem Existenzminimum. Alles andere wird immer wieder diskutable Ungerechtigkeit sein.
Glauben Sie an positive Diskriminierung für Kollektive, die in Firmen und Institutionen unterrepräsentiert sind?
Nein. Gleichstellung heißt für mich, keine Nachteile, aber auch keine Privilegien.
Sollte es einen maximalen Betrag für persönliche Reichtümer geben, der nicht überschritten werden darf, um der individuellen Vermögensbildung Schranken zu setzen?
Was soll man dann tun, wenn der Betrag überschritten ist? Die Person bis zum Schwellenwert enteignen? Eine solche Regelung halte ich für pseudokommunistischen Irrsinn.
Unterstützen Sie die Einführung ökologischer Steuern?
Nur, wenn sie auch ökologischen Zielen dienen, nicht staatsfinanzieller Flickschusterei, wie es ja doch eher die Tendenz ist...fließt meine höhere Benzinsteuer in die Subventionierung von Hybridfahrzeugen, ist das in Ordnung. Stopft man damit die Löcher in der Rentenkasse, sehe ich den Zusammenhang nicht mehr.
Glauben Sie, dass die weltweite Krise positive Veränderungen bezüglich sozialer Werte mit sich bringen wird?
Nein. Das würde ja bedeuten, die Menschheit wäre generationsübergreifend lernfähig. Und das würde ich komplett verneinen.
Welche substantiellen Änderungen wird Obama Ihrer Meinung nach im Laufe seiner Amtszeit umsetzen können?
Neue Fenster im weißen Haus vielleicht...ich halte ihn für einen der am meisten Überbewerteten Politiker unserer Zeit. Er ist Projektionsobjekt...wie viel Wahrheit an seinen Fähigkeiten dran ist, werden wir sehen.

PHILOSOPHIE
Wenn die Eintrittskarte für ein Fußballspiel ab dem zwölften Lebensjahr das doppelte kostet, und Ihr Sohn gestern zwölf Jahre alt geworden ist, welches Alter geben Sie an der Kasse an?
Ich würde genau dies an der Kasse sagen und darauf hoffen, dass er wegen seines Geburtstages die Karte sogar geschenkt bekommt...
Was kommt nach dem Tod?
Nach einigen Stunden die Leichenstarre, dann die Totenflecken, dann Autolyse und Verwesung, Verbuddeln oder Verbrennen, eine Feier mit geheuchelter Ehrenbezeugung und dann alle paar Monate ein Gärtner.
Gibt es eine Seele?
Nein. Das halte ich genauso für ein prothetisches Phantasma wie Religion.
Wo endet die Wissenschaft und beginnt die Ideologie?
Wissenschaft an sich ist bereits Ideologie. Schon im Studium muss man sich in einer bestimmten Schule und den ihr anhaftenden Denkstrukturen und Erklärungsmodellen verorten. Je weiter man den akademischen Weg geht, umso schmalbandiger und deswegen ideologischer wird die Wissenschaft. Die Psychoanalytiker haben genauso ihre Hochschulen wie die rein medizinischen Psychiater. Bei den Analytikern gibts dann die Freudianer, die Jungianer, die Adlerianer, Anhänger der Neopsychoanalyse usw. Wissenschaft ist für mich schon bei der Wahl des Studienganges immer ein Stück weit Ideologie.
Wie sollte Ihre Grabinschrift lauten?
An alle Schüler:
Wann immer Euch nichts Positives zur Schule einfällt, atmet tief durch und erinnert Euch daran, dass alle Eure Lehrer weit vor Euch sterben werden!

KONSUMENT
Gehen Sie gerne Shoppen? Oder hassen Sie es, einkaufen gehen zu müssen? Warum?
Ich hasse Einkaufen, vor allem wegen der Masse unentschlossener Schafe, die immer genau mitten im Weg stehenbleiben, um ein Schaufenster zu begutachten, anstatt erst darauf zuzugehen. Ein Phänomen, das auf Weihnachtsmärkten gehäuft zu beobachten ist. Man will eine bestimmte Sache kaufen und braucht zwei Stunden, weil man mit dem Stockschirm so viele Massen aus dem Weg treiben muss...
Kommen Sie mit Ihrem geplanten Einkauf nach Hause, oder haben Sie zusätzliches Geld für ungeplante Dinge ausgegeben?
Ich kaufe immer nur das, was ich brauche. Ich bin der Typ, der zehnmal in ein Geschäft geht ohne etwas zu kaufen, bevor die Entscheidung getroffen oder gänzlich verworfen wird.
Nutzen Sie das Internet, um einzukaufen? Informieren Sie sich im Internet und kaufen Sie dann in Läden, oder umgekehrt?
Ich kaufe alles, was ich nicht unbedingt vor dem Kauf testen muss, im Internet. Eben deswegen, weil einem da keiner im Weg stehen kann...im Laden kaufe ich nur Dinge, bei denen ich Wert auf schnelle Hilfe bei Schadensfällen lege.
Bezahlen Sie üblicherweise, manchmal oder niemals mit Kreditkarte? Warum?
Ich zahle immer mit Plastik. Eine Karte kann man sperren lassen, wenn man bestohlen wird und der gebuchte Betrag ist dann versichert. Bargeld ist dann unwiederbringlich und ersatzlos verloren...
Wie beeinflusst Sie die Finanzkrise in Ihrem Konsumverhalten?
Positiv. Durch die steigende Arbeitslosigkeit bekomme ich so viele Verträge für Weiterbildung, dass ich mir nun deutlich mehr leisten kann.
Was ist wichtiger für Sie? Auf dem neusten Stand in Punkto Technologie, Kultur oder Mode zu sein?
Ich bin niemand, der Trends sucht und ihnen hinterherläuft..insofern muss ich also in keiner der drei Kategorien immer auf dem neuesten Stand sein.
Was schätzen Sie mehr in einem Hotelzimmer - Fernseher oder Internet?
Internet
Wenn Sie jetzt eine Erbschaft in Höhe Ihrer Einkünfte der letzten zehn Jahre machen würden, worin investierten Sie das Geld?
Ich würde Griechenland kaufen und einen Vergnügungspark für Besserverdienende daraus machen.

ERINNERUNGEN
Wie kompliziert verlief der Übergang von Ihrer Kindheit in die Welt der Erwachsenen?
Ich warte bis heute darauf, dass dieser stattfindet...
Haben Sie sich in irgendeiner Form geoutet? Welche Situationen mussten Sie überwinden?
Jedes mal wieder, wenn ich jemandem erzähle, dass ich Lehrer bin. Mit der Reaktion darauf muss ich nun leben.
Wenn Sie eines Tages einmal Ihre Memoiren schreiben, wie würde das Buch heißen?
"Vollklinisch - Von der Pubertät über die Mid-life-crisis direkt in den Altersstarrsinn"
 

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