Interview mit:Christine [christines]
JOURNALISMUS
 | Was ist Ihre Spezialität? Über welche Themen schreiben Sie? Über Dresdner, ihr Leben, ihren Alltag. |
 | In welchen Medien haben Sie bisher gearbeitet? Wissenschaftsmagazin "Welt der Wunder" http://www.rtl2.de/73581.html, Sächsische Zeitung http://www.sz-online.de/, Goldenbogen Verlag http://www.goldenbogenverlag.de/, Telescope Verlag http://www.telescope-verlag.de/, Dresdner Stadtteilzeitungen http://www.dresdner-stadtteilzeitungen.de/, SAEK http://www.saek.de/, SAX. Das Dresdner Stadtmagazin http://www.cybersax.de/, Disy. Das Magazin der Dresdner Gesellschaft http://www.disy-magazin.de/. |
 | Gibt es eine Website, wo wir etwas von Ihnen lesen können? Knochenmarkspende Sachsen e. V. http://www.vks-sachsen.de/ |
 | Was ist eine Nachricht? Die Information über etwas Stattgehabtes oder der Hinweis auf Kommendes. Sie beantwortet die Fragen nach dem Wo, Was, Wie und Wann knapp, aber vollständig. |
 | Was ist für Sie Objektivität? Bei der Betrachtung eines Sachverhaltes den Kontext nachvollziehbar zu beleuchten. Ihr geht eine gewisse Abstraktion voraus, die Subjektives subsummiert. Diszipliniertheit beim Beschreiben. Sie generiert allerdings durch das Fehlen jeglicher Gedankensprünge eine gewisse Langeweile. |
 | Wie lautet die beste Schlagzeile, den Sie je gelesen haben? Behinderte sollen bessere Berufschancen bekommen http://www.focus.de/politik/deutschland/soziales-behinderte-sollen-bessere-berufschancen-bekommen_aid_637147.html |
 | Wie lautet die Schlagzeile, die Sie eines Tages gerne einmal in den Zeitungen lesen würden? "Striesen hat ein soziokulturelles Zentrum." Ein nicht-virtueller Anlaufpunkt wäre schön, etwas, was nicht auf 80g/qm gedruckt werden muss um zu verbinden. In Striesen fehlt ein Echtzeittreff von Nachbarn, die ein Stadtteilfest ins Leben rufen wollen, ähnlich dem Elbhangfest, falls das ohne Garten überhaupt möglich ist. Fitnessstudio und Supermarkt sind mir zu wenig, um mich in Striesen zu Hause zu fühlen. |
 | Endet die Meinungsfreiheit dort, wo die Verlagsvorgabe anfängt? Wann ist ein Unternehmen ein Medienunternehmen? Im Moment versuche ich Knochenmarkspender zu gewinnen und übertrage dazu Daten. Schon innerhalb dieser Datenübertragung gibt es so große Handlungsspielräume, dass ich mich mehrfach mit meinen Kollegen abstimmen muss, um nicht nur meine Meinung zu übermitteln, sondern auch Handlungsalgorithmen zu ermöglichen. So verknappt sich meine Sprache zu Checklisten-Deutsch. Freiheit innerhalb eines komplexen Gebildes ist etwas Relatives.
Je knapper das Budget an freier Information innerhalb der Datenbankstruktur ist, die bestenfalls auch Nachrichten zulässt, umso wichtiger sind brauchbare Vorgaben. Ich habe das Glück seit kurzem Karin, eine Verfahrenstechnikerin, zur Chefin zu haben. Ich habe Wortgewalt vorher nie so intensiv erlebt.
Andererseits fiel es mir manchmal schwer, unter extremen Bedingungen gerade diese brauchbaren Vorgaben durchzusetzen. Mein größtes berufliches Tief war es, Barack Obama, als er in Dresden war, nicht fragen zu können, warum er gekommen war. Das war die Vorgabe meines Arbeitgebers gewesen. Eine scheinbar simple Frage: "Warum sind Sie nach Dresden gekommen, Herr Präsident?" Ich saß bei der Pressekonferenz in der zweiten Reihe. Trotzdem kam ich nicht zum Fragen, sondern bin am Protokoll gescheitert. Pech. Dumm gelaufen. Vorher wollte ich ein Exklusivinterview für meine Chefin Anja Fließbach mit Obama organisieren. Das scheiterte am Bundespresseamt, das nur Personen ab 18 Jahren in den Sicherheitsbereich vorließ. Aber Anjas Louis war erst 14 Tage alt. Und den nur wegen eines Interviews nicht im Arm zu halten, wollte ich ihr nicht zumuten. |
ERINNERUNGEN
 | Welche Erinnerung ist Ihre früheste, die Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist? Kiefernrinde, Klettergriffe am Stamm, Harz an den Händen und unendlich viel Sand. |
 | Mit welchen Persönlichkeiten, Berühmtheiten oder Helden identifizierten Sie sich in Ihrer Kindheit? Mit Franz Fühmann. Ich habe ihn verschlungen, besonders seine Shakespeare-Übersetzungen. Die Tragik faszinierte mich so sehr, dass ich Archäologe werden wollte und Latein- und Altgriechisch-Kurse belegte, die ich postum in einem Medizinstudium auslastete. Jahre später lektorierte ich ihn. Er war nie so weit weg wie in diesen Stunden. Auftraggeber für das Lektorat war Pabst Science Publisher. Es war die Wiedergabe eines Interviews des Herausgebers mit Fühmann beim Spaziergang durch den benachbarten Wald mit Diktiergerät. Fühmann ahnte nichts von der Aufzeichnung. Aber ohne die wäre es wahrscheinlich nie bis zum fertigen Artikel gekommen. |
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