Bekannte Personen, die Sie schon einmal interviewt haben?
Bis 2004 in der Schweiz diverse Bundesräte, Parlamentarier, Topshots aus der Banken- und Finanzszene plus den damaligen Konkursverwalter der Swissair.
Allerdings entziehe ich mich diesem Spiel, Berühmtheiten interviewt haben zu wollen. Denn der Aufwand ist immens, das inhaltliche Ergebnis meist mau.
Seit 2005 in Lateinamerika konzentriere ich mich mehr auf lokale Akteure, denn die sagen mehr und Interessanteres als Politiker, so z.B. den mexikanischen Menschenrechtsaktivisten Abel Barrera, der ja gerade in Deutschland von amnesty ausgezeichnet wurde. Solche Leute gibt es in Lateinamerika viele, die erzählen sehr viel über die Lebenswirklichkeit - aber keiner will das hören, bis es nicht einen internationalen Preis gibt.
An Berühmtheiten in Lateinamerika vor dem Mikro hatte ich u.a. den Premier und den Zentralbankchef Haitis, diverse Präsidenten und Minister aus Zentralamerika und Mexiko, den Generalstaatsanwalt Kolumbiens und auch mal den deutschen Entwicklungsminister. Dazu auch mehrmals Kubas Bloggerin Yoani Sanchez, Mexikos Drogenkrieg-Experte Edgardo Buscaglia etc. etc.
Zwei Berühmtheiten würde ich wirklich gerne interviewen, erstens Fidel Castro, zweitens Chapo Guzman (Mexikos Boss der Drogenbosse), aber an beide kommt man nicht so leicht ran, nicht wahr.
Wird der Blog-Journalismus die Berufssparte revolutionieren?
Und wenn er es tut. Schlimm fände ich das nicht. Im Gegenteil wäre das eine weitere Demokratisierung des Netzes. Jeder Blogger ist wichtig, hat etwas zu sagen. Und transportiert das mit seiner Haut an den Lesemarkt. Die handvoll Großverlage in Deutschland haben noch zu viel Macht...
Wie sehen Sie Ihren Blog in der Zukunft?
Ich habe ja gerade erst angefangen. Im Moment versuche ich noch, den Blog zu platzieren und bekannt zu machen. Die Blogger-Szene von Hausfrauen steckt in Deutschland noch eher in den Kinderschuhen. Aber für die nächste Zeit bin ich dabei!!!
Haben Sie Kontakt zu anderen Bloggern oder zu einigen Ihrer Leser?
Das befindet sich aktuell noch im Aufbau. Für die Zukunft wünsche ich mir natürlich solche Kontakte, auch wenn in Deutschland "Bloggerfreundschaften" wohl eher selten sind.
Wird der Blog-Journalismus die Berufssparte revolutionieren?
In Deutschland vermutlich nicht, weil die Differenzierung der Gesellschaft das "Herrausschreien" der Meinung noch unterbindet. Ausserdem ist "Klein Bloggershausen" mit seinen diversen Rollen bereits zu sehr etabliert, um ernsthafte Versuche in dieser Richtung zuzulassen.
Aber Fragen sie mich da in fünf Jahren nochmal ;)
Bringt Ihnen Ihr Blog Einkünfte? Kann man vom Bloggen leben?
Ja, Geld kann man damit auch verdienen aber dafür ist mein Blog noch zu klein, er muss erst einmal wachsen und gedeihen. :-)
Ja ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man davon auch leben kann aber es werden die wenigsten Blogger in Deutschland schaffen, dies wird wo eher in Amerika der Fall sein, noch.
Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der einen Blog ins Leben rufen will?
Zunächst mal würde ich ihm raten, "das Blog" zu sagen statt "der Blog", wenn er sich in der Szene nicht lächerlich machen möchte.
Und dann kommt es darauf an, was das Ziel ist. Will jemand Cat-Content für Freunde machen, dann go ahead. Sieht er oder sie aber das Blog als Teil eines wirtschaftlichen Handelns, dann gibt es eine ganze Reihe von Tipps:
1. Schreibe nichts, wenn du nichts zu sagen hast.
2. Entscheide dich für ein Thema, das deiner Positionierung entspricht (Der Klartext-Experte schreibt über Klartext, das Bildblog kritisiert Medien).
3. Lies ein aktuelles Buch über Medienrecht. Lerne, zwischen Tatsachenbehauptungen und Meinungsäußerungen zu unterscheiden und die Grenzen der Berichterstattung zu sehen. Tatsachenbehauptungen müssen wahr sein und dürfen keine Rechte verletzen. Meinungsäußerungen dürfen keine Schmähkritiken sein.
4. Lies journalistische Ratgeber zum Thema Recherche. Wann kann ich eine Sache als Sache rausposaunen? Kürzlich las ich in einem Blog, die Verhaftung Kachelmanns sei ein Zeichen, dass an den Vorwürfen gegen ihn etwas dran sei. Diese Interpretation ist falsch. Wir haben in Deutschland die Unschuldsvermutung bis zum Urteil bzw. Freispruch. Solche Dinge muss man als Blogger draufhaben.
5. Verkauf die Leute nicht für dumm, indem du ständig über Produkte schreibst, mit denen du Geld verdienst. Das will keiner lesen. Mach keine Fakeblogs, in denen du Kunstfiguren etablierst, die angeblich echt sind - das fliegt auf und ist peinlich.
6. Schreib einfach und verständlich über Dinge, die für deine Leserinnen und Leser relevant sind und eine Bedeutung für sie haben. Hab nicht im Sinn, damit etwas zu verkaufen. Trenne im Kopf Redaktion und Anzeigenabteilung und denke nur redaktionell. Dann baut sich von alleine ein treuer Leserstamm auf.
7. Sei provokant und bring immer wieder kontroverse Beiträge, damit sich die Menschen daran reiben können. Das sorgt für Widerspruch und für Aufregung und damit für Traffic.
8. Schreib strukturiert. Jeder Gedanke ein Absatz. Mach Leerzeilen zwischen Absätzen. Bei längeren Texten mach Zwischenzeilen. Bau Fotos ein und umfließ die Fotos mit qualifizierten Bildunterschriften (Was ist auf dem Foto zu sehen? Für einen Blinden erklären. Und dann evtl. eine klitzekleine Zusatzinfo).
9. Verwende viel Zeit und Energie auf deine Überschriften. Sie sind der Wurm für den Fisch. Überschriften müssen nicht erschöpfend präzise und korrekt sein ("Unser Münchner Büro hat bei einer europaweiten Ausschreibung die Firma XY als Kunden gewonnen"), sondern sie muss die Botschaft in normaler menschlicher Sprache transportieren ("Wir machen XY"). Die sachlich korrekten Details kannst du dann immer noch im Text bringen.
10. Setze viele externe Links und natürlich auch interne Links auf verwandte eigene, ältere Blogbeiträge. So vertiefen sich die Menschen in dein Blog, wenn du etwas schreibst, was sie interessiert.
Wird der Blog-Journalismus die Berufssparte revolutionieren?
Bislang nicht, weil Blogger meist keine Ahnung von journalistischem Handwerk haben. Aber wenn sie mal wissen, was Nachrichten sind und was relevant ist, dann könnte das eine Perspektive sein. Bisher sind Blogger in Deutschland meistens viel zu vergeistigte Theoretiker mit akademischem Hintergrund, die sich in Details verlieren oder übers Bloggen selbst schreiben. Nicht unbedingt die Truppe, aus der man eine Redaktion zusammenstellen könnte.
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