Der Protagonist wächst mit der Geschichte.
Jeder Mensch hat Fehler und das darf ein Autor nie vergessen.
Ein Charakter der scheinbar durch und durch perfekt ist, wirkt unglaubwürdig.
Selbst Superman hat eine Schwäche.
Dass die "Guten" am Ende gewinnen, dagegen ist nichts einzuwenden, denn es erhält meiner Meinung nach die Hoffnung in den Menschen. Aber die Personen sollten "menschlich" sein.
Ich versetze mich in das Wesen der Person. Voraussetzung ist, dass sie mir sympathisch ist. Der Mensch, über den ich eine Biografie schreibe, muss mir gefallen und umgekehrt.
Wenn ich eine ausgedachte Kinderbuchgeschichte schreibe, stelle ich mir lebhaft vor, wie die Persönlichkeiten sind und rufe sie mir immer wieder in Erinnerung. So, als würde ich sie persönlich kennen, mit all den Macken und guten Seiten.
Sobald die Person in meinem Kopf lebendig ist, kann ich sie glaubhaft erscheinen lassen und seine Handlungen werden logisch.
Authentizität, wenn das Handeln und Denken 1:1 zusammenpassen
Nun, eine Gestalt wird dann glaubhaft, wenn man typische Charaktereigenschaften erschafft und sie mit ihrem Handeln verbindet. Wichtig sind, dass die Personen nicht perfekt sind und auch ihre Fehler machen. Ausserdem finde ich es relevant, dass sich im Verlauf der Geschichte eine Veränderung der Person deutlich macht.
Meist such ich erst den Namen, daraus beziehe ich dann die Person.
Ich schreib ihn auf einen Zettel und mache Stichpunkte, ich erfinde eine komplette Person, ihre Vergangenheit, ihren Charakter, das Aussehen, Geburtstag, Geburtsort. Eltern, gegebenenfalls Geschwister. Trinken sie lieber Kaffee oder Kakau, welche Vorlieben haben sie.
Es muss rüber kommen als würde es diese Person wirklich geben. Sonst ist sie auch nicht glaubhaft.
Natürlichkeit.
Die endlosen Schwächen eines normalen Menschen
Bei Fantasy-Geschichten müssen die Protagonisten nicht unbedingt glaubhaft im eigentlichen Wortsinne sein. Sie müssen den Leser fesseln, er muss mit ihnen leiden, oder muss sie hassen und auf ihr verdientes Ende hoffen, sodass er bis zum letzten Punkt die Leselust nicht verliert. Damit habe ich die zweite Frage eigentlich schon mitbeantwortet.
Aber zurück zur ersten: die Akteure sollten allgemein vorstellbar sein. Sie sollten fehlbar sein, lieben, hassen und das tun und/oder sagen, was wir uns vielleicht nicht trauen im realen Leben.
Echte Personen mit echten Gefühlen und Reaktionen. Einfach zu kreieren. Muss man sich nur in seinem Freundeskreis und bei sich selbst abschauen.
Glaubhaftigkeit erreicht man durch Unberechenbarkeit. Ich entwerfe keine Persönlichkeiten, sondern laß mich während des Schreibens von ihnen überraschen.
Wenn sie menschlich wirkt. Sie hat Fehler und Macken, Talente und Gefühle. Sie weint, wenn es die Situation erfordert, sie erleidet Schmerz und kämpft mit Momenten im Leben.
Ich kreiere sie völlig frei, wie es mir gerade passt. RPGs kommen mir da ganz gelegen, denn da kann ich Schwerpunkte festlegen.
Glaubhafte Personen sind authentisch. Ich entdecke die Persönlichkeiten in Alltagssituationen, Begegnungen mit Freundinnen und Bekannten, deren Erzählungen, Erlebnisse, Diskussionen; zunehmend Politik, Kulturgeschichte, besonders die von Frauen.
Vorrangig über ihre Sprache, ihre Macken, ihre Gedanken, ihr Verhalten. Gelingt dies, erklärt sich ihr Leben wie von selbst: Weshalb finden manche Freunde sie schwierig, trennen Partner sich von ihnen, vertrauen andere sich ihnen an?
Äußerlichkeiten hingegen sind platt und werden bestenfalls am Rande erwähnt. Aufgrund der beschriebenen Eigenschaften können sich die LeserInnen zumeist ein eigenes Bild meiner Protagonisten machen und benötigen keine Angaben wie: "Sie war 1,60 groß und dunkelhaarig."
Meiner Meinung nach wird eine Person glaubhaft, wenn ich z.B. in einem Krimi nicht die Taten als solche für sich sprechen lasse, sondern wenn ich einen Lebensabriß über den Täter gebe. Das in die Tiefe gehen einer Person, ihre Handlungen aus Kindheit und Jugend begründet "aufzuziehen", das finde ich spannend. Je nachdem, welchen Charakter ich darstellen möchte, ich brauche die Vorgeschichte der Person, um den Charakter wahrhaftig zu machen. |