Interview mit:Jörg Schlichtholz [joerg]
KREATIVITÄT
 | Wie kam es, dass eine Person wie Sie kreativ wurde, und warum? Nun, Kinder sind grundsätzlich kreativ... und es ist schon etwas Wahres daran, wenn man behauptet, dass man im Alter wieder zum Kind wird. Mein Vater, leidenschaftlicher Hobby-Fotograf, versuchte schon früh, mich für die Schönheit in der Ferne zu begeistern - nur fand ich die Wespe, die sich im Spinnennetz verfangen hatte, viel, viel spannender. Mich interessierte von klein auf wie Natur funktioniert. Doch wenn man nicht gerade Imker oder Biologe wird, geht dieser Wissensdrang im Laufe des Lebens verloren. Jetzt im Alter erinnere ich mich wieder und beginne meine Entdeckungsreise von vorn. Doch diesmal ist es noch spannender. Während des Malens finde ich Parallelen zu unserer Welt, finde Schönheit, wo ich sie nie vermutet hätte. Als Kind habe ich nur gestaunt aber heute kommt zum Staunen, dank Internet, noch das Wissen hinzu. |
 | Ideen auf die Welt bringen - Ist das nur ein lustiger Ausdruck, oder gibt es tatsächlich eine Parallele? In meinem Fall habe ich den "Macro-Realismus" auf die Welt gebracht. Aber eigentlich liegen die Ideen in der Luft, nur hat der Künstler die Antennen sie aufzuspüren und umzusetzen. |
 | Wie verkauft man eine Idee? |
KUNST
 | Was tun Sie? Wie definieren Sie sich? Ich bin ein Mensch der in dieser Welt lebt... bin Maler mit einem Blick für die ganz kleinen Dinge. Mein Thema ist die Umwelt. Zugegeben, in der Bildenden Kunst werden Insekten meistens nur als Horrorwesen dargestellt oder von der Pharmaindustrie mit einem sterilen Lappen weggewischt. Aber wenn man genauer hinsieht ist diese Macro-Welt höchst interessant. Es ist die Stufe des Lebens, die die wenigste Beachtung findet und keine Lobby hat - also für mich ein geeignetes Betätigungsfeld. |
 | Wie lautet Ihre Botschaft? Genauer hinsehen.
Wenn ich heute die zwei wichtigsten Tierarten nennen müsste, dann wären es sicher nicht Hund und Katze sondern eher Biene und Regenwurm. Auf Honig, es ist nur ein Luxusartikel, können wir gerne verzichten, auf ihre Dienstleistung des Bestäubens aber nicht. Und was der Regenwurm in Zusammenhang mit den Bodenbakterien in unseren Böden vollbringt, ist ein wahres Wunder, wie jeder Biogärtner weiß. Biene und Regenwurm sichern so unsere Ernten nachhaltig. Diesen beiden Tierarten würde ich gerne in der Bildenden Kunst ein Denkmal setzen.
Das interessante für mich ist die neue Sichtweise. Ich fühle mich wie ein Voyeur, der die Welt durch ein Schlüsselloch betrachtet. Beim Malen setze ich sie Detail für Detail neu zusammen und erhalte ein Weltbild, in dem dieser kleine Macro-Kosmos ein ebenbürtiger Teil vom Ganzen ist. |
 | Veröffentlichen Sie Ihre Arbeit im Netz? Wo können wir sie sehen? |
 | Wie entsteht eine Idee? Was ist für Sie Inspiration? Wie ein Gedanke.
Sie entsteht Nachts... immer nur Nachts. Skizzenbuch und Bleistift liegen im Arbeitszimmer bereit. Nach einer gelungenen Eintragung schläft man gleich viel besser. :-)
Die plötzliche Ahnung einer Lösung würde ich Inspiration nennen. |
 | Welche Rolle spielt die Technologie in Ihrem kreativen Prozess? Sie muss eigentlich nur bereit stehen. Die Digitalkamera um Gedachtes zu präzisieren und ein paar Geräte um das Ziel zu erreichen. |
 | Wann und wie haben Sie angefangen, sich selber als Künstler anzusehen? Sollte man diese Aufgabe nicht der Nachwelt überlassen? |
 | Welche Künstler bewundern Sie? Auf welche Weise beeinflussen diese Ihr Werk? Seit ich die Original-Portraits von Chuck Close gesehen habe, weiß ich was Präzision ist, und habe danach eine Reihe von hervorragenden Realisten in meinem Künstlerverzeichnis Realismus um mich versammelt. Die Künstler sind teilweise so überirdisch gut, dass es eine ständige Herausforderung für mich ist, daneben nicht alt auszusehen.
Ich mache mein Ding... aber gute Technik beeinflusst einen schon.
Ich lebe im Bergischen und nicht in Berlin, also sind meine Bilder auch andere. |
INTERNET
 | Wo können wir Ihre Arbeit online sehen? Dank meines programmierenden Sohnes
Daniel eigentlich überall im Netz.
Meinen Macro-Realismus habe ich ja bereits vorgestellt. Das sind Arbeiten, so um einen qm, - es gibt von mir aber auch Illusionsmalereien von 25 - 80 qm.
Bei Auftragsarbeiten der Wandmalerei ist der Künstler immer nur so gut wie der Kunde es zulässt. Manche Kunden wollen es so zuckersüß, dass nicht nur der Diabetiker einen Schock bekommt, dann muss man den Auftrag ablehnen... oder den Kunden von Besserem überzeugen. |
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