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Interview mit Hinnerk Weiler [kojefrei] - FOTOGRAFIE, JOURNALISMUS
 
 
 
 
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Interview mit:

Hinnerk Weiler [kojefrei] 


FOTOGRAFIE
Haben Sie eine Online-Galerie, wo wir Ihre Fotos sehen können?
Abgesehen von der Dokumentation meiner Reise (www.hinnerk-weiler.de) finden sich die meisten Bilder im Fotoblog unter mehrarbeit.hinnerk-weiler.de
Seit wann fotografieren Sie? Wie begann Ihre Liebe zur Fotografie?
Ich bin in meiner Schulzeit mit dem handwerklichen Bildermachen in Kontakt gekommen. Damals bedeutete das nach Schulschluss stundenlang in der Dunkelkammer zu verbringen und mit Papier, Entwickler, Pinseln und allerlei Hilfsmitteln zu probieren. Damals stand für mich fest, später Fotograf zu werden. Allerdings war der Weg zu jemandem, der mit Bildern einen Teil seiens Unterhalts verdienen kann dann doch weit weniger geradlienig, als ich mir das in der achten Klasse vorstellte.
Haben Sie eine Ausbildung als Fotograf?
Nein. Ich habe mir mit den Jahren alles selbst beigebracht.
Fotografieren Sie mit einem Vorsatz im Hinterkopf, oder lassen Sie sich von den auftretenden Umständen geleiten?
Beides. Durch meine Arbeit bei der Zeitschrift "segeln" bin ich erstmals mit der Notwendigkeit in Kontakt gekommen gezielt für ein Thema fotografieren zu müssen. Spontanität bleibt dabei wichtig, aber jedes Bild entsteht dann als Teil einer Story und die muss am Ende ein Gesamtbild ergeben. Da muss man sich dann vorher mit der Geschichte und ihren Kernelementen auseinandersetzen. Aber ich nehme mir auch häufig einfach die Kamera in die Hand und sage mir: "Heute gehst du einfach die Bilder fotografieren, die dir das Leben in den Weg legt."
Canon, Nikon, Fuji, Sigma, Olympus, Sony, Pentax... Welche Marke bevorzugen Sie, und warum?
Ich habe vor ewigen Zeiten mit einer Canon 1000Fn angefangen. Und bin bis heute bei er Marke geblieben. Ich denke aber nicht, dass es eine entscheidende Rolle spielt, ob man Bilder mit der Einen oder Anderen Kamera macht.
Welche Software und Plug-Ins benutzen Sie, um Ihre Fotografien zu bearbeiten und zu verwalten?
Die digitale Fotografie macht es mir möglich auch an Bord in vollem Umfang Bilder nachbearbeiten zu können. Vor allem nutze ich dazu Lightroom auf meinem inzwischen etwas betagten MacBook. Von Plug-Ins halte ich allerdings eher wenig. Ich möchte den Bildern meinen eigenen Stil geben und der von Foto zu Foto sehr unterschiedlich sein. Presets und Plug-Ins sehe ich da eher als hinderlich. Die HDR-Welle vor einigen Jahren beispielsweise ist dafür ein gutes Beispiel. Auf einmal sah man überall Bilder, die aussahen, als wären sie aus Plastik. Da jeder das gleiche Tool dafür benutzte, war es kaum noch möglich zu erkennen, wer welches Bild gemacht hatte. Gleiches erlebt man heute mit einigen Apps für das iPhone. Auf einmal nutzt jeder ein hochmodernes Werkzeug, um Bilder zu veröffentlichen, die aussehen, als wären sie mit einer Polaroid Kamera gemacht worden. Dabei haben die meisten dieser Nutzer vermutlich nie eine Polaroid Kamera in Händen gehalten.
Welche Mittel setzen Sie ein, um die Autorenrechte der Fotografen vor Piraterie im Internet zu schützen?
Google ist da eine gute Hilfe gegen den direkten Bilderklau. Tatsächlich machen sich viele nicht einmal die Mühe, Bildnamen zu ändern. Wo es thematisch passt, darf es auch gern mal ein Wasserzeichen im Bild sein. Aber generell muss man auch heute leider noch akzeptieren, dass ein Foto, das man irgendwo hochlädt schwer zu verfolgen ist.
Welche klassischen Meister der Fotografie bevorzugen Sie?
Ein für mich bis heute unerreichter Maßstab sind sicher die Bilder von Peter Lindbergh. Aber auch aktuellere Werke, wie beispielsweise von Michael Schlegel reizen mich immer wieder.
Reduzieren Technologie und digitale Bearbeitungsmöglichkeiten den Unterschied zwischen Profis und Hobby-Fotografen?
Ich glaube eine Trennung in Profis und Hobby-Fotografen aus Sicht der Bildqualität gibt es heute gar nicht mehr. Vermutlich hat es die aber ohnehin nie gegeben. Die Hobby-Fotografen, die wirklich hervorragende arbeiten geleistet haben, hatten früher lediglich nicht die Möglichkeit, ihre Bilder zu publizieren. Der Wegfall der teuren und aufwendigen Dunkelkammer und bezahlbare leistungsfähige Computer haben zudem das Medium Fotografie für viele neue kreative Köpfe geöffnet. Das ist ein enormer Gewinn für Kunst und Kultur, aber auch eine enorm gewachsene Konkurrenz auf dem Markt der "Profis".
Sehen Sie sich eher als Techniker oder als Künstler?
Ich versuche den Spagat zwischen Techniker und Künstler. Ich nutze alle Technik, um das Bild zu realisieren, dass ich im Kopf habe. Dabei ist alles an Nachbearbeitung und Ausrüstung am Set erlaubt, was hilft.
Welche Dinge haben Sie zum Thema Rahmen und Komposition gelernt?
Der einzige Rahmen, der ein Bild stilvoll unterstreicht, ist entweder ein breiter schwarzer oder breiter weißer. Alles andere ist für mich ein klares No-go. Das kommt vielleicht bei mir noch aus der Dunkelkammerarbeit: Da wurde das Bild direkt auf das Papier belichtet und meist bildete das dann auch automatisch den Rahmen.
Wie entwickelt sich der Instinkt, um zu wissen, wann man den Auslöser betätigt?
Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, erinnert sich an Momente und Bilder. Das sind Momentaufnahmen, die genau wie die Fotografie das Vorher und Nachher ausblenden. Wer diese Bilder in seinem Kopf anschaut, weiß, wann er auslösen muss.
JOURNALISMUS
Was ist Ihre Spezialität? Über welche Themen schreiben Sie?
Vorranging schreibe ich über das, was ich mache: Segeln, Seemannschaft und natürlich das Reisen auf einem Boot.
Gibt es eine Website, wo wir etwas von Ihnen lesen können?
Der Blog auf www.hinnerk-weiler.de
Was ist für Sie Objektivität?
Objektivität bedeutet nicht, die eigene Meinung auszublenden. Aber man muss auch raum für andere Sichtweisen zulasen ohne diese dann herabzuwerten oder kleinzureden.
Welche Zeitung kaufen Sie sich sonntags? Wo lesen Sie diese?
Da ich auf Reisen bin, schaue ich immer nach den lokalen Zeitungen der Regionen in denen ich mich befinde. Deutsche Nachrichten beziehe ich daher meist eher aus dem Internet.
Endet die Meinungsfreiheit dort, wo die Verlagsvorgabe anfängt?
Nicht unbedingt. Wenn ich für ein Medium Arbeite, weiß ich im Vorneherein, dass ich damit auch deren Linie übernehme. Geht diese Meinug nicht meinen Ansichten zusammen, dann schreibe ich nicht für diesen Verlag.
Wird jeder Mitbürger zum Korrespondenten, wenn er eine Kamera ans Telefon anschließt?
Er wird vielleicht zum Liefereanten eines Bildes oder auch zum Auslöser einer Story, aber das gesamte Bild zu zeigen bedeutet auch, sich mit Hintergründen, Ursachen und Auswirkungen zu beschäftigen.
Wie erklären Sie sich den steigenden Erfolg der Klatschpresse?
Ich glaube dieser Erfolg ist eher von kurzer Dauer. Das war eine Phase, in der auf einmal jeder bemerkte, dass die Promis ohne Kamera auch nur ganz normale Leute sind. Aber inzwischen hat sich das rumgesprochen und diese News von Paris Hiltons Friseur beginnen zu langweilen. Ich sehe da eher wieder Raum für tiefergehende Reportagen und Hintergründe.
Welche Einstellung haben Sie zu dem Recht der Prominenten auf Intimsphäre?
Wer sich ins Rampenlicht stellt, weiß, dass Scheinwerfer auch von hinten Leuchten. Dennoch hat die Berichterstattung Grenzen. Man muss nicht jeden schlecht sitzenden Bikini kommentieren.
Wird der Blog-Journalismus die Berufssparte revolutionieren?
Das Problem mit dem Blog-Journalismus ist, dass man davon bisher kaum leben kann. Daher wird es noch eine Weile dauern, bis er den Stellenwert von Magazinen und Tageszeitungen erreicht. Aber der Weg ist eingeschlagen, das wird kommen.
Wird es irgendwann keine gedruckten Zeitungen mehr geben?
Natürlich
Hilft Ihnen ein Motto oder ein ethisches Prinzip im wirren Momenten, eine Entscheidung zu treffen?
Insbesondere bei Themen, in denen Menschen von einer sehr privaten Seite gezeigt werden, ist es wichtig, sich zu Fragen: Nützt es jemandem, davon zu wissen?
BLOGGER
Wie lautet die URL zu Ihrem Blog? Über welche Themen schreiben Sie?
Auf www.hinnerk-weiler.de - In erster Linie geht es um das Reisen auf einem kleinen Segelboot während einer großen Reise. Erlebnisse, Gedanken, Gesehenes und all das Drumherum zwischen den Kontinenten. Natürlich auch imemer wieder praktische Tipps für Segler und Reisewütige. Im vordergrund steht aber klar das ganz Persönliche. Seit einiger Zeit habe ich daneben unter mehrarbeit.hinnerk-weiler.de ein kleines Fotoblog gestartet in dem ich Fotos zeige, die mit dem Segeln eher wenig zu tun haben.
Warum haben Sie Ihren Blog ins Leben gerufen? Wann haben Sie damit begonnen?
Zu Bloggen habe ich bereits vor etlichen Jahren angefangen. Mit dem Start zur Reise in 2009 hat das Schreiben dann aber einen Sinn bekommen. Ich würde also sagen wirklich angefangen habe ich damit erst, als ich im April 2009 abgelegt habe.
Wie häufig posten Sie neue Beiträge? Ist es schwierig für Sie, regelmäßig zu posten?
Teilweise Wochenlang fern ab von einem Internetzugang ist das aktualisieren des Blogs nicht immer einfach. Vor allem aber will ich nicht in die Falle gerade etwas produzieren zu müssen. Darum schreibe ich lieber etwas längere Artikel. Da meine Leser sicher auch noch anderes zu tun haben, als die zu lesen, versuche ich etwa einen Artikel pro Woche zu schreiben. Wichtig ist vor allem, dass ich auch etwas lesenswertes zu berichten habe und nicht anfange, mir Neuigkeiten aus den Fingern zu saugen. Das passiert aber auf einer Segelreise nicht täglich und was ich zum Mittag hatte, will vermutlich niemand lesen. Die Pausen zwischen den Artikeln sind also auch hin und wieder etwas länger.
Wie machen Sie Ihren Blog bekannt?
Neben Veröffentlichungen im Magazin "segeln" ist der Inhalt des Blogs auch auf der Webseite der Zeitschrift (www.segelnmagazin.de) eingebunden. Aber eine wichtige Rolle spielen Social Media Kanäle wie Facebook (www.facebook.com/kojefreibisfeuerland), Twitter (www.twitter.com/Hinnerk_Weiler) und Youtube (www.youtube.com/HinnerkWeiler) Ich denke aber, wichtiger als möglichst viele Menschen zu erreichen, ist es die Leute anzusprechen, die sich auch für wirklich für die Themen interessieren. Das scheint bei mir ganz gut über Empfehlungen in Foren rund ums Segeln und Reisen zu funktionieren. Bei dem Fotoblog ist das etwas anders. Schöne Bilder interessieren ein breiteres Publikum. Das sieht man auch in den Statistiken auf der Seite. Hier kommen weniger Stammgäste, dafür aber ein viel breiteres Publikum aus den unterschiedlichsten Quellen an.
Wie würden Sie Ihre Leser definieren? Haben Sie treue Leser?
Gerade im Reiseblog finden sich in den Kommentaren oft die selben Leser wieder. Und viele davon habe ich inzwischen auch persönlich, oder zumindest über E-Mail kennengelernt. Das macht Spaß. Denn durch das Feedback bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was überhaupt gelesen wird. Bloggen ist da viel direkter, als das Schreiben für eine Zeitschrift, wo man viel seltener Leserbriefe bekommt. Aber auch im Blog bleibt es eine spannende Herausforderung, dass man nie weiß, wer da eigentlich alles liest.
Gibt es andere Blogs, die Sie täglich oder regelmäßig besuchen?
Klar gibt es viele Blogs, die ich regelmäßig besuche. In meinem Feedreader kommen da sicher an die hundert Kanäle zusammen. Zusammengefasst sind das vor allem andere Segel- und Reiseblogs, Fotoseiten und Blogger, die sich mit Themen rund um Medien und Journalismus beschäftigen.
Wie sehen Sie Ihren Blog in der Zukunft?
Ich bin dabei, den Inhalt etwas mehr zu strukturieren, weniger Rundumschläge in den einzelnen Artikeln zu machen und so mit den artikeln spezieller die unterschiedlichen Leser anzusprechen. Wer nicht wissen will, wie man einen defekten Anlasser wieder zum Laufen bringt, aber etwas über die Landschaft am Erie-Kanal sucht, der soll auch genau das finden. Dazu muss ich mich und mein schreiben allerdings noch etwas disziplinieren. Mit der Zeit denke ich aber gerade dadurch ein umfassenderes Bild vom Leben an Bord zeichnen zu können.
Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der einen Blog ins Leben rufen will?
Eine klare Linie zu finden, worüber man schreiben will ist das A und O. Ein Gemischtwarenladen, in dem über den Aufbau des eigenen Aquariums, am nächsten Tag über den Geburtstag der Oma und dann Programmiertipps für PHP geschrieben wird, kann keine Leser binden. Ein anderes leidiges Thema ist Werbung. Es mag reizvoll klingen, dass das eigene Blog sich selbst finanzieren soll. Aber ein Blog, der zehn Leser am Tag hat, mit Adsense oder gar bezahltem Content zu betreiben schadet dem Ansehen mehr, als es am Ende einbringt.
 





© Hinnerk Weiler
Web-Adresse dieses Interviews:http://www.whohub.com/kojefrei

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