Interview mit:Tobias Lentzler [kulturlog]
JOURNALISMUS
 | Was ist Ihre Spezialität? Über welche Themen schreiben Sie? Grundsätzlich schreibe ich über alle Themen, die mich interessieren. Für eine Spezialisierung bin ich noch zu jung und zusätzlich denke ich, ein Journalist sollte bemüht sein sich eine umfassende Bildung zu erarbeiten. |
 | In welchen Medien haben Sie bisher gearbeitet? Ich habe ein Praktikum beim NDR gemacht, wo ich in der Film- und Fernsehredaktion tätig war. Außerdem war ich im Print- und Onlinebereich des Hamburger Abendblatts tätig. Dies war ich ebenfalls im Rahmen eines Praktikums. Ich betreibe auch einen Blog: kulturlog.blogspot.com. Dieser wird regelmäßig mit Interviews und Texten meiner selbst ergänzt. Auch bin ich jährlich im Rahmen des "theater macht schule"-Festivals in Hamburg als Redakteur für die Festivalzeitung "SPOT" tätig. |
 | Gibt es eine Website, wo wir etwas von Ihnen lesen können? Wie bereits in der vorherigen Frage beantwortet: kulturlog.blogspot.com.
Ich bin auch bei Twitter und Sie finden ein paar Artikel auf abendblatt.de. |
 | Was ist eine Nachricht? Wenn ich mit Wikipedia antworten wollte, dann müsste ich vermutlich sagen: Eine Nachricht ist grundsätzlich die Mitteilung über ein Ereignis. Da ich aber so nicht antworten würde, möchte ich sagen: Eine Nachricht informiert mich über das Geschehen in der Welt, in meinem Ort oder in meiner Familie. Nachrichten sind vielfältig. |
 | Was ist für Sie Objektivität? Objektivität existiert nicht. Ein Journalist kann lediglich versuchen sich seiner Subjektivität zu entziehen und ein möglichst detailliertes und umfassendes Bild über ein bestimmtes Ereignis zu geben. Deckt er alle Meinungen zu diesem Ereignis ab, dann hat er damit vielleicht einen Schritt aus der Subjektivität heraus in die Objektivität hinein gemacht. |
 | Wie lautet die beste Schlagzeile, den Sie je gelesen haben? Es gibt glücklicherweise immer mehr gute Schlagzeilen. Die besten haben meiner Meinung nach die "ZEIT" und der "SPIEGEL". Kürzlich las ich in der Welt über Roger Willemsen: "Wo ein Willemsen ist, ist auch ein Weg". Das hat mir imponiert, weil es passt. Darin ging es um das Buch "Die Enden der Welt", das Willemsen 2010 veröffentlicht hat. |
 | Wie lautet die Schlagzeile, die Sie eines Tages gerne einmal in den Zeitungen lesen würden? "Wortgemacht - das wortgewaltige Romandebüt von Tobias Lentzler". Nein, es wäre schön, wenn ich eine von mir auf der ersten Seite läse! - Spaß beiseite. Die besten Schlagezeilen sind die, die man nicht erwartet. |
 | Welche Zeitung kaufen Sie sich sonntags? Wo lesen Sie diese? Ich zehre von der "ZEIT", die am Donnerstag kommt. Sonst "FAS". Lesen tue ich die meistens mit einem Kaffee bei mir zu Hause. Ich blicke in den Garten, fühle die Druckerschwärze an meinen Händen und weiß, warum Print nicht sterben darf! |
 | Endet die Meinungsfreiheit dort, wo die Verlagsvorgabe anfängt? Darüber kann ich gar nicht urteilen, weil ich noch nie in der Situation war, dass mir ein Verlag Vorgaben erteilt hätte. Mir wurde ja noch nie ein Kontrakt angeboten. |
 | Geht langsam der Analyse- oder Recherche-Journalismus verloren? Aktuell scheint es tatsächlich so zu sein. Die Nachrichten werden vom Boulevard beherrscht und es erscheint wichtiger zu sein, wie lange Pete Doherty im Gefängnis sitzt, während die arabische Welt gegen ihre Despoten und Diktatoren aufsteht. - Ich denke aber, das wird sich ändern - irgendwie! |
 | Wird jeder Mitbürger zum Korrespondenten, wenn er eine Kamera ans Telefon anschließt? Nein! Das ist ein Eingriff in die Privatsphäre und gehört nicht in den Journalismus. Der "News Of The World"-Skandal hat doch gezeigt, dass sich die Bürger das nicht gefallen lassen! |
 | Wie erklären Sie sich den steigenden Erfolg der Klatschpresse? Bei so viel Überinformation, die auch durch das Internet zustande kommt, suchen sich viele Menschen eine Ablenkung. Diese finden sie in der Klatschpresse. |
 | Welche Einstellung haben Sie zu dem Recht der Prominenten auf Intimsphäre? Eine Person des öffentlichen Lebens muss natürlich damit rechnen, dass sie auf der Straße angesprochen - und erkannt wird, aber man darf sie in ihrer Privatsphäre nicht einschränken. Ein "Nein" ist auch aus dem Munde eines Prominenten ein "Nein"! |
 | Was können Sie uns über die Kunst des Interviews beibringen? Genaue Vorbereitung ist wichtig. Dann kann einen nichts mehr aus der Bahn werfen. Ich bereite einen Interviewpartner sehr intensiv vor, um dann bloß 5 Fragen auf einer Karteikarte mitzunehmen. Der Rest entwickelt sich aus dem Gespräch. Ähnlich macht es Alexander Gorkow von der "Süddeutschen". |
 | Bekannte Personen, die Sie schon einmal interviewt haben? Ich traf Hubertus Meyer-Burckhardt, Roger Willemsen, Burghart Klaußner und die Journalistenlegende Wolf Schneider. In Vorbereitung befinden sich mehrere Interviews mit bekannten Persönlichkeiten. |
 | Wird der Blog-Journalismus die Berufssparte revolutionieren? Er hat sie bereits revolutioniert. Kein junger und ambitionierter Journalist kommt heute ohne einen Blog aus! |
 | Wird es irgendwann keine gedruckten Zeitungen mehr geben? Print bleibt! Dafür werde auch ich mich einsetzen. Es wäre schade um ein tägliches Ritual vieler Menschen. Finden Sie nicht auch, dass eine Zeitung auf einem iPad merkwürdig kommt? |
 | Was halten Sie von den kostenlosen Zeitschriften, die in den Städten verteilt werden? Nun gut, diese Magazine werden gelesen, weil sie etwas Lokales enthalten. Über ihre Machart lässt sich durchaus streiten. |
 | Welches Buch würden Sie gerne schreiben? Ich schreibe zur Zeit an einem Buch über einen jungen Künstler, der an sich selbst scheitert. Das ist das Buch, das ich schreiben möchte! |
 | Hilft Ihnen ein Motto oder ein ethisches Prinzip im wirren Momenten, eine Entscheidung zu treffen? "Qualität kommt von Qual!" - das ist von Wolf Schneider und eine Säule des Qualitätsjournalismus, den es zu verteidigen gilt! |
 | Welchen Rat geben Sie jemandem, der frisch von der Uni kommt und einen Fuß im Journalismus fassen will? Den Rat kann ich überhaupt nicht geben - ich stecke mitten in meinem letzten Schuljahr und mache mein Abitur. Aber ich denke, dass Durchhaltevermögen und Interesse sowie Offenheit drei wichtige Voraussetzungen für einen Journalisten sind! |
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