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Interview mit Matthias Töpfer [matthiastoepfer] - ILLUSTRATION, FOTOGRAFIE
 
 
 
 
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Interview mit:

Matthias Töpfer [matthiastoepfer] 


ILLUSTRATION
Auf welches Thema haben Sie sich im Bereich der Illustration spezialisiert?
Ich bin eigentlich nicht auf bestimmte Themen spezialisiert. Allerdings konnte ich durch die Aufgaben die mir beruflich gestellt wurden, schon früh eine gewisse Kompetenz für technische Themen entwickeln. Konkreter gesagt: Elektronik, Software, Hardware, Messsysteme. Aber seit gut 12 Jahren bearbeite ich hauptsächlich, ganz allgemeine Themen aus den Bereichen Marketing und Werbung. Was eben so als Anfrage von Verlagen, oder über die, meist größeren Werbeagenturen kommt. Jedes Thema ist eine neue Herausforderung; ob das nun Kosmetik ist, Tiere, Menschen, Autos, Lebensmittel, oder Themen aus der Politik, Philosophie, Wissenschaft und Sport. Es geht immer darum Aussagen zu visualisieren.
Wie sehen Ihre üblichen Kunden aus? Was erwarten Sie von Ihnen?
Die meisten meiner Kunden sind Werbeagenturen. Zur Zeit leider nur ein Verlag. Hätte sehr gerne mehr Verlage als Kunden. Außerdem betreue ich vier mittelständische Unternehmen direkt als Kommunikationsdesigner. Die stammen aus dem Bereich der Messtechnik. Was ich von mir von meinen Kunden wünsche? Das sie mich, den Freiberufler, ganz bewusst als externen, aber loyalen Mitarbeiter ihres Unternehmens wahrnehmen. Nicht als Lieferanten. Wo das gut klappt, klappt es sehr lange gut.
Wo können wir Ihr Portfolio online sehen?
Auf meinem Business-Blog www.bilderdaemmerung.de. Dort zeige ich sehr viele verschiedene Arbeitsbeispiele. Wenn Sie wollen, können Sie stundenlang stöbern. Dieser Link führt direkt zu den Portfolios mit Illustrationen: http://www.bit.ly/Portfolio-Toepfer-Illu. Was es neues zu sehen gibt und was mir sonst noch beruflich so auffällt, wird getwittert: http://twitter.com/illumonkey
Haben Sie Kunst an der Universität studiert, oder sind Sie Autodidakt?
Was die Bedienung von Grafik-Software anbelangt, bin ich definitiv ein Autodidakt. Was meine künstlerische Ausbildung angeht, folgte ich erst mal sehr guten Lehrern. Während meines Studiums zum Kommunikationsdesigner, hatte ich einen kompetenten und geschätzten Professor. Dann absolvierte ich ein langes und intensives Airbrush-Praktikum, bei einem hervorragenden Retuscheur. Nicht zuletzt, möchte ich meinen Vater erwähnen, der ein bekannter Trickfilmregisseur war. Ein sehr guter Freund, ein ausgewiesener Datenbank-Spezialist, führte mich schon vor mehr als 20 Jahren, sehr fundiert, in die Bedienung von Computern ein. Der Rest ist Praxis.
Wie haben Sie Ihren ersten bezahlten Auftrag erhalten? Was beinhaltete dieser Auftrag?
Nach meinem Studium fing ich als Grafik-Designer bei einem sehr kleinen Verlag an. Dort war ich gleichzeitig der einzige Fotosetzer, Fotolaborant, Reprofotograf, Fotograf, Grafiker, Illustrator Cartoonist und Produktioner. Wir arbeiteten an einem Schulungsprogramm für Werkschutzmitarbeiter.
Welche historischen oder zeitgenössischen Illustratoren bewundern Sie besonders?
Eine Menge Maler und Illustratoren, Surrealisten und Futuristen; allen voran, M.C. Escher. Außerdem bewundere ich Salvador Dali, Max Ernst, Magrit, De Chirico, H.R. Giger, aber auch Norman Rockwell, Frank Frazetta, Roger Dean, Syd Mead und natürlich Hajime Sorayama. Aber das sind bei weitem nicht alle.
Wie weit ähneln Ihrer Zeichnungen von heute den Zeichnungen aus Ihrer Kindheit? Wie haben sie sich verändert?
Als Kind hab ich gekritzelt, wie die Anderen auch. Mit 18, als ich den Beruf ernsthaft angestrebt habe, begann ich auch zu zeichnen. Freies Zeichnen hat mich weniger gereizt, meine Bilder waren mehr so, mit Bleistift gezeichnete Collagen. Ich arbeitete mit Fotomaterial, aus dem ich neue Bilder kombinierte und dann zeichnete, damit alles aus einem Guss war. Im Prinzip arbeite ich heute immer noch so. Allerdings haben sich die Qualität und meine kreativen und technischen Möglichkeiten, dramatisch erweitert und verbessert.
Was war Ihr Lieblingscomic in Ihrer Kindheit?
Donald Duck Taschenbücher standen wohl am Anfang. Später fand ich Lucky Luke sehr gut und später natürlich Asterix.
Haben Sie einen stark definierten Stil oder bewegen Sie sich auf allen Ebenen gleich stark?
Manche behaupten, ich hätte einen definierten Stil. Ich selbst halte mich - in Grenzen - für relativ universell. Der erforderliche Stil wird vom Thema, vom Zweck, vom Medium, von der Zielgruppe und vom Geschmack des Kunden bestimmt. Aber es ist vor allem der Photorealismus mit dem ich Geld verdiene. Ich freue mich aber immer sehr, wenn ich auch für einen meiner anderen Stile gebucht werde.
Was ist für Sie besonders schwierig zu zeichnen?
Je mehr Übung man im Zeichnen hat, desto leichter geht es von der Hand. Ich zeichne ganz brauchbar um zu scribblen, oder setze es für malerische, künstlerische und satirische Motive ein. Für sehr realistische oder fotorealistische Illustrationen, verlasse ich mich auf 3D-Modelle, die ich in der Regel selbst modelliere, oder Fotos, die ich für meine Zwecke, vorzugsweise selbst schieße.
Welche Musik hören Sie bei der Arbeit?
Wenn ich technisches Neuland betreten muss, brauche ich Stille. Bei Routinearbeiten höre ich, je nach Stimmung African, Blues, Soul, Gospel, Rock. Ich fühl mich mit vielen Sounds wohl.
Welches ist Ihr Lieblingskunstwerk?
Schwer zu sagen. Das ändert sich fortlaufend. Wenn es mir gelungen ist - zur Zufriedenheit meines Kunden - eine Arbeit abzuschließen, in die ich meine eigenen Vorstellung ausreichend einbringen konnte und deshalb als Referenz betrachte, ist das meistens für eine Zeit lang, mein Favorit.
Was tun Sie, wenn Ihr Kunde Ihnen sagt: "Es gefällt mir nicht"?
Ich versuche heraus zu finden, was ihm nicht gefällt und warum. Manchmal lehnen Kunden einen Entwurf komplett ab, obwohl es nur um ein, oder zwei leicht zu ändernde Details geht. Man ändert das, und sie sind mit dem Rest vollkommen zufrieden. Aber so einfach ist das nicht immer. Die Kommunikation mit dem Kunden, gehört sogar zu den schwierigsten Herausforderungen, denen man in den kreativen Berufen begegnen kann. Meiner Meinung nach, hat das etwas mit unausgesprochenen Erwartungen zu tun. Beide Seiten, Kunden oder Kreative, setzen auf der jeweils anderen Seite eine Grundeinstellung voraus, die nur eher zufällig übereinstimmt. Während sich der eine Kunde zurück lehnt und vom Illustrator einfach ein Ergebnis erwartet, das seinen Zweck erfüllt, und auf das er sich nur noch einzustimmen braucht, setzt der andere Kunde voraus, der Designer würde exakt das Bild umsetzen, das der Kunde in seinem eigenen Kopf trägt. In dem Fall hängt der Erfolg aber nicht allein vom Illustrator ab. Hier kommt es ganz erheblich, auch auf die Fähigkeiten der Kundin oder des Kunden an, in wie weit sie in der Lage sind, ihre eigenen Vorstellungen zu kommunizieren. Als Illustrator, Grafiker oder Fotograf werde ich bemüht sein, so früh wie möglich die Fragen zu stellen, die den Kunden helfen über diese Brücke zu gehen. Aber dieses Werkzeug wird um so stumpfer sein, je mehr Menschen vermittelnd zwischen den eigentlichen Entscheider und den ausführenden Künstler geschaltet sind. Die mit Abstand besten und effektivsten Ergebnisse kommen dann zustande, wenn dem Illustrator ganz bewusst, die Kompetenz zugestanden wird, für die er auch engagiert wurde. Dann ist man gemeinsam ein Team aus Menschen die im Sinne der Sache, Argumente austauschen und zügig zu Ergebnissen kommen.
Welche neuen Techniken probierten Sie in letzter Zeit aus?
Techniken auszuprobieren ist für mich das Salz in der Suppe. Sich ab und an die Freiheit nehmen zu können, dafür Zeit zu investieren, ist für mich einer der Hauptgründe, Freiberufler zu sein. Das ist mein kreativer Motor. In freien Arbeiten probiere ich aus, mit welchen Verfahren ich, mit den mir zur Verfügung stehenden Arbeitsmitteln, zu welchen Ergebnissen kommen kann. Ich teste digitale Werkzeuge, Programme, Plugins, Filter, Strukturen, Kombinationen von Ebenenmodi und entwickle dabei Vorgehensweisen, die mir helfen, Auftragsarbeiten sicher zu meistern. Aber dafür setze ich mir meistens Themen. Denn irgendwas vernünftiges soll dabei schon herauskommen. Ein Ausstellungsbild für meine Online-Galerie, eine Stock-Illustration, oder ein Ankünderbild zu einem Podkast zum Beispiel. Es muss mir Spaß machen. Und das tut es auch. In letzter Zeit beschäftige ich mich sehr viel mit den Möglichkeiten, die mir dieses kleine, preiswerte, aber pfiffige Malprogramm, Artrage bietet. Damit kann man digital aquarellieren und Frottage-Techniken anwenden.
Welchen Teil Ihrer Arbeit führen Sie auf dem Papier aus und welchen Teil erarbeiten Sie digital?
Ich zeichne, male, entwerfe, konstruiere und fotografiere digital. Analog mache ich mir maximal ein paar Anmerkungen in ein Notizbuch, vielleicht skribble ich mal etwas an. Das war´s. Ich bin ein Digitalist.
Wie sammlen Sie Dokumentation, um Ihre Illustrationen zu erstellen?
Viele gute Briefings enthalten auch gute Unterlagen aus Bildern und Beschreibungen als Grundlage. Aber alles was mir dabei fehlt, muss ich im Zweifel selbst ergänzen. Manchmal bin ich auch komplett auf mich gestellt. Dann fange ich natürlich an, den Fall zu googeln. Zunächst lese ich relevante Beschreibungen und Berichte. Erst muss ich das Prinzip verstehen, um dass es geht. Dann suche ich intensiv nach Bildmaterial zum Thema. Auf dieser Grundlage, kann ich beispielsweise 3D-Modelle modellieren, die ich in der Illustration verwende. Es kann aber auch sinnvoll oder notwendig sein, eigene Fotos zu schießen. Was ich in mein Studio holen kann, fotografiere ich dort. Wenn es erforderlich ist und das Budget es zulässt, begebe ich mich auch vor Ort und mach dort die Aufnahmen, die ich für die Umsetzung der Aufgabe benötige. Das ist eine effektive Methode.
Haben Sie Kollegen, mit denen Sie sich über Techniken, Tricks und Ideen austauschen?
Das kommt bei mir zu kurz. Ich habe so gut wie nie, mit anderen Kollegen zu tun. Vielleicht kenne ich deshalb kaum Jemanden näher. Eigentlich ist das schade. Ich wäre schon ganz gerne, mit ein paar echten Profis befreundet.
Haben Sie bestimmte Ziele als Illustrator?
Jede einzelne Auftragsarbeit, sollte als Referenz für weitere Aufträge taugen. Das gelingt mir erfreulich oft, wenn auch nicht immer. Freie Arbeiten, müssen meinen eigenen künstlerischen Ansprüchen genügen, damit ich damit zufrieden sein kann. Ich finde ein Bild dann gelungen, wenn ich es mir selbst gerne in meine Wohnung hängen würde. Und ich hoffe, dass es dann auch anderen gefällt.
Welche Illustrationsportale besuchen Sie online?
Es gibt ein paar interessante Adressen. www. freistil-online.de z.B. oder www.castlemagazine.de. Auf www.artdoxa.com/users/ateliertoepfer und www.mygall.net/ateliertoepfer habe ich selbst ein paar Arbeiten ausgestellt.
Woran arbeiten Sie gerade?
Das ändert sich manchmal alle paar Stunden, je nach Auftragslage. Zur Zeit arbeite ich an einem Composing. Einem Verkaufsbild, das im Disney-Shop bei Amazon auf eine Kollektion von Spielzeugartikeln aufmerksam machen wird. Den Hintergrund, das Kinderzimmer mit Möbeln, habe ich als 3D-Szene aufgebaut, die Produkte habe ich im Original erhalten und im Fotostudio passend beleuchtet und arrangiert, digital fotografiert, freigestellt und in das Bild eingebaut.
Was würden Sie jemandem raten, der gerne zeichnet und träumt, davon leben zu können?
Illustratoren sind in der Regel Freiberufler. Das ist für sich gesehen schon mal eine Herausforderung an Selbstdisziplin und manchmal auch, an das eigene Durchhaltevermögen. Die Stichworte Steuer und Zahlungsmoral, stehen in einem ungünstigen Verhältnis zueinander. Wenn er oder sie nicht außergewöhnlich begabt ist und extrem fleißig, würde ich davon abraten Illustrator zu werden. Besonders dann, wenn es ihr oder ihm definitiv um das "Zeichnen" im eigentlichen Sinn geht. Mein unmaßgeblicher Eindruck ist, die wirklich guten Zeichner, arbeiten heute seltener in der Werbung. Man scheint sie eher beim Film und in der Game-Industrie zu finden. Dort arbeiten sie an Character Designs und Storyboards. Sicher gibt es auch ein paar sehr gute Comic-Zeichner und Kinderbuch-Illustratoren. Ob die von Ihrem Beruf leben können, kann ich nicht beurteilen. Vermutlich nicht alle. Für reine Zeichner mit durchschnittlichen Fähigkeiten, sehe ich eher schwarz. Wenn man keinen besonders angesagten Stil ausprägen kann, sollte man zumindest technisch sehr versiert und universell einsetzbar sein. Die Anforderungen an einen Illustrator können fallweise, extrem hoch werden. Die Art Illustration, die ich selbst mache, hängt nicht vordergründig von meinen zeichnerischen Fähigkeiten ab. Mein Erfolg hängt davon ab, ob ich das zu visualisierende Problem verstanden habe. Eine treffende Bildaussage muss entwickelt und vor dem geistigen Auge optisch formuliert werden. Dann geht es an die Umsetzung. Ich muss mein Handwerk beherrschen; sowohl technisch, als auch künstlerisch. Dabei hilft mir meine Erfahrung. Visuell Träumen zu können, denke ich, ist für einen Illustrator eine Grundvoraussetzung. Bilder entstehen im Kopf. Nur wer das Bild (er)denken kann, wird ich es auch zeichnen, oder als Fotografie, Composing oder 3D-Szene umsetzen können.
FOTOGRAFIE
Haben Sie eine Online-Galerie, wo wir Ihre Fotos sehen können?
Auf meinem Business-Blog www.bilderdaemmerung.de, zeige ich auch Portfolios mit meinen Fotografien: http://bit.ly/bhASZw. Außerdem kann man auf meiner Online-Galerie, neben Illustrationen, auch Fine Art Prints einiger meiner Fotos erstehen. http://ateliertoepfer.mygall.net/
Seit wann fotografieren Sie? Wie begann Ihre Liebe zur Fotografie?
Mit etwa 13 Jahren habe ich begonnen zu fotografieren. Nachdem meine ersten Versuche mit der Agfa Klack 6X6 offenbar Anlaß zur Hoffnung gaben, überließ mir mein Vater, sehr großzügig, seine Exakta Varex Spiegelreflex Kamera. Immerhin mit zwei Objektiven, einer 50mm und einer 135mm Brennweite und einem teuren Sixtar Belichtungsmesser. Zu der Zeit begann ich auch meine Schwarzweiss-Negative selbst zu entwickeln. Ich lernte meine Bilder selbst zu vergrößern, denn meine Eltern besaßen eine komfortable Dunkelkammer bei uns zu Hause im Keller.
Haben Sie eine Ausbildung als Fotograf?
Meine Mutter war eine geachtete Portrait-Fotografin. Sie hat mir einiges beigebracht. So bin ich in den Beruf hinein gewachsen. Aber der größte Teil meines Wissens über Fotografie, ist selbst angeeignete Theorie und jahrzehntelange Praxis. Eine Fotofachschule habe ich nicht besucht, Aber ich hatte Unterricht in Fotografie, während meines Studiums zum Kommunikations-Designer. Zu der Zeit begann ich mich ohnehin sehr intensiv mit Fotografie auseinander zu setzen. Damals erweiterte ich meine Ausrüstung und experimentierte sehr viel. Bei uns zu Hause hatte ich Zugriff auf reichlich professionelle Fachliteratur. Zusätzlich laß ich alles was ich zum Thema Fotografie sonst noch bekommen konnte. Seit diesen Tagen ist die Kamera mein ständiger Begleiter und eines meiner elementarsten Werkzeuge. Schon in meinem ersten Job, konnte ich mein fotografisches Wissen kreativ umsetzen. Ich schoss Bilder zu kurzen Bildromanen, entwickelte die Bilder selber und montierte sie für den Verlag in mein Layout. Später war ich als Art Direktor in einer Werbeagentur eingesetzt. Dort arbeitete ich mich erfolgreich in die Studiofotografie ein. Unter Anderem, ging es dabei viel um Makrofotografie von Mikroprozessoren und anderen elektronischen Bauteilen. Ich fotografierte Stills, ganz allgemein von technischen Geräten, oder ich realisierte Werbeaufnahmen für Anzeigen und Prospekte, für die sehr oft, mit einer mobilen Blitzanlage, vor Ort beim Kunden gearbeitet werden musste. Parallel fotografierte ich, Portraits und Landschaften, jahrelang nach dem Zonensystem von Anselm Adams. Dessen Bücher studierte ich alle. Ich setzte das System in meinem Rahmen praktisch um. Ich ermittelte den Kontrastumfang meines Filmmaterials, kalibrierte meine Ausrüstung, arbeitete nur noch mit dem Spotmeter und benutzte je einen Kamarabody pro Kontrastprozess. Mit einem kleinen, selbst programmierten Basic-Programm, kontrollierte ich per Tonsignal, die fein auf den jeweiligen Prozess abgestimmten Kipprhythmen und Entwicklungszeiten, um das angestrebte Kontrastverhalten meines Filmmaterials zuverlässig erzielen zu können. Seit ich 1988 mein ATELIER TOEPFER gegründet habe, steht "Atelier" nicht nur für Illustration und Grafikdesign, sondern auch für künstlerische Fotografie und Fotodesign. Ich arbeitete mit vielen Kameratypen und Formaten: Olympus, Rollei, Mamiya, Zenza Bronika, 24X36mm, 6X5, 6X6, 6X7. Meine 9X12" Linhof Kardan Master GTL ermöglichte mir viele Jahre, durch die Möglichkeiten der Schleimpflugverstellung auf der optischen Bank, Sachaufnahmen von Produkten und perspektivische Repros für Beschriftungen auf Illustrationen zu erstellen. Irgendwann ließ sich letzteres dann mit dem Computer deutlich einfacher realisieren. Heute fotografiere ich nur noch digital, darunter, sehr viel Ausgangsmaterial zu meinen Jobs als Illustrator. Immer wieder auch Produktaufnahmen für meine Kunden aus der Messstechnik-Branche, die dann für Presse, Prospekte und Messeposter benötigt werden. Meistens im Zusammenhang mit Grafikdesign-Projekten, fotografiere ich Menschen, Gruppen, Gegenstände - für Buchumschläge zum Beispiel. Ich portraitiere Personen für Bewerbungsbilder, oft auch, einfach aus persönlichem und künstlerischem Interesse. Ich werde regelmäßig gebucht, um das Geschehen auf Messen, Events und Sportveranstaltungen zu dokumentieren. Man ist Fotograf, wenn man als Fotograf qualifiziert, eingesetzt und anerkannt ist.
Haben Sie bereits an Ausstellungen teilgenommen?
Nein, bis jetzt noch nicht. Ein interessierter Galerist wäre mir sehr willkommen.
Welche Art Fotografie bevorzugen Sie?
Bei Portraits sehe ich mich stark von den alten Meistern beeinflusst. Bis heute versuche ich immer wieder, so weit das möglich ist, mit der Blitzanlage, die Lichtführung alter Tageslichtstudios nachzuahmen. Aus dem gleichen Grund habe ich eine große Schwäche für getonte Schwarzweissaufnahmen. Wenn irgend möglich, verzichte ich auf ein Blitzgerät und arbeite nur mit vorhandenem Licht. Available Light Fotografie nennt man das. Landschaften kann ich immer wieder neue Aspekte abgewinnen. Aufnahmen von bewegten Objekten zu machen, reizt mich sehr. Bewegungsunschärfen sind ein interessantes künstlerisches Ausdrucksmittel, finde ich. In den letzten Jahren, fallen mir verstärkt Muster und Strukturen auf, die nicht selten zu Aufnahmen führen, die ich als abstrakte Fotografie bezeichnen würde.
Was versuchen Sie mit Ihrer künstlerischen Fotografie auszudrücken?
n Auftragsarbeiten versuche ich in meiner persönlichen Sichtweise, das auszudrücken, was der Kunde erwartet. Ich versuche das Produkt, oder die zu porträtierende Person möglichst vorteilhaft heraus zu arbeiten, ganz bestimmte Charakterzüge zu betonen, oder ungeahnte zu entdecken. In der Abstrakten Fotografie sehe ich Möglichkeiten und Ansätze persönliche Stimmungen zu visualisieren. Manchen Bildern könnte ich einen Namen geben, der die Bilder thematisch interpretiert. http://blog.bilderdaemmerung.de/?p=126#more-126
Wie wählen Sie Ihre Themen aus?
Die Themen wählen mich aus. Aufträge kommen auf mich zu, Motive und Gelegenheiten bieten sich an, Menschen haben den Wunsch sich abbilden zu lassen. Kreative Herausforderungen, über die ich versuche, mit meinen Mitteln, auf meine Weise zu überzeugen.
Welche Art von Vorbereitung benötigen Sie, bevor Sie fotografieren?
Ich bereite mich auf jeden Job so gut vor, wie es die Informationslage zulässt. Das bedeutet, wenn es um etwas geht, ich bin gerne auf jede Eventualität vorbereitet und schleppe entsprechend viel Equipment mit mir herum. Bei Bedarf ziehe ich auch weitere Mitarbeiter hinzu. Große Jobs müssen komplett organisiert werden. Wenn das alles nicht möglich ist, kann ich aber auch sehr spontan und flexibel sein und versuche aus gegebenen Situationen das optimale heraus zu holen.
Fotografieren Sie mit einem Vorsatz im Hinterkopf, oder lassen Sie sich von den auftretenden Umständen geleiten?
Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Auf einer Veranstaltung wird man sich wohl von den Geschehnissen leiten lassen müssen. Man versucht die besten Eindrücke zu konservieren. Ich tauche dann komplett ein und reagiere auf meinen intuitiven Impuls, den Auslöser zu betätigen. Man muss hellwach sein, schnell und äußerst flexibel vorgehen. Aber meine Impulse folgen den, in Jahren gereiften Vorentscheidungen, welche Lichtsituationen, Gesichtsausdrücke, Emotionen, welcher Bildaufbau, durch welche Brennweite, einen guten Schuss ergeben könnte. Wenn ich durch eine Stadt oder eine Landschaft gehe, aber besonders wenn ich Personen, Tiere oder Gegenstände ablichte, habe ich meistens schon vor der Aufnahme eine Vorstellung davon, wie ich das Bild später am Computer bearbeiten werde, und fotografiere entsprechend.
Welche Mittel setzen Sie ein, um die Autorenrechte der Fotografen vor Piraterie im Internet zu schützen?
Ich setze ein Wasserzeichen drauf. Schutz? - Gibt es das für ein im Internet veröffentlichtes Bild? Was ich über Stockfoto-Portale anbiete, wird über diese geschützt. Ich selbst appelliere an die Fairness der Betrachter. Sollte ich tatsächlich bemerken, dass jemand eines meiner Bilder ohne Autorisierung veröffentlicht oder gar verändert, werde ich meine rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen wissen. Aber ganz bestimmt mit Augenmaß. Ein weiser Freund sagte mal: "Was nicht kopiert wird, taugt auch nichts."
Sind Sie ein guter Verkäufer in eigener Sache als Fotograf? Was müssen Sie noch verbessern?
Künstler mit ausgeprägtem Geschäftssinn können sich glücklich schätzen. Ich neige eher dazu mein Licht unter den Scheffel zu stellen. Erst seit jüngster Vergangenheit kommuniziere ich meine beruflichen Kompetenzen und meine Erfahrung offensiver. Aber warum auch nicht? Mit meinen Arbeitsergebnissen sind die Kunden sehr zufrieden. Sie empfehlen mich weiter. Dafür bedanke ich mich.
Welche klassischen Meister der Fotografie bevorzugen Sie?
Mit klassischen Meistern habe ich mich tatsächlich viel beschäftigt. Allen voran, Felix Nadar, Herman Krone, August Sander. Ein Meister des Portraits, ist für mich Henri Cartier Bresson. Meister in Landschaft und Technik ist Anselm Adams. Auch die Arbeiten von Annie Leibovitz, Jan Saudek, Jeanloup Sieff, und Eberhard Grames bewundere ich sehr. Es wäre wäre leicht, die Liste beliebig zu erweitern.
Reduzieren Technologie und digitale Bearbeitungsmöglichkeiten den Unterschied zwischen Profis und Hobby-Fotografen?
Im Grunde scheint das ja ganz offensichtlich der Fall zu sein. Man sehe sich nur mal das hohe Niveau von einem Großteil der Arbeiten auf der Plattform www.fotocommunity.de an. Es dürfte bei vielen Arbeiten dort unmöglich sein sein, anhand der Ergebnisse zu entscheiden, ob der Autor Amateur ist, oder Profi. Aber - in freien Arbeiten zu glänzen ist eine Sache. Unter den Bedingungen eines harten Praxiseinsatzes zu überzeugen, ist eine andere. Unter Zeit- und Kostendruck gelten andere Bedingungen. Dazu kommen die Anforderungen der Kunden an ein ganz bestimmtes Ergebnis. Etwas Ähnliches wie das im Briefing gewünschte, ist noch relativ einfach zu verwirklichen. Die letzten Meter bis zur exakten Erfüllung des Kundenwunsches, können zur unüberwindlichen Hürde werden. Aller spätestens dann, hat ein erfahrener Profi, deutlich bessere Karten.
Sehen Sie sich eher als Techniker oder als Künstler?
Kann man das trennen? Reine Techniker sind in ihren Möglichkeiten limitiert; Technikverweigerer genau so. Fotografie ist ein technisches Medium. Um sich verlustfrei künstlerisch ausdrücken zu können, muss man die Technik verinnerlicht haben. Das trifft auf mich zu.
Welche Dinge haben Sie zum Thema Rahmen und Komposition gelernt?
Ich habe mir mein Gefühl für Komposition und Bildaufteilung während meines Grafikstudiums erarbeitet. Das ganze Studium drehte sich im Wesentlichen darum, wie man bewusst, die Kontrolle über die Aufteilung der zu gestaltenden Bildfläche bekommt. Das wurde in unzähligen Übungen immer und immer wieder wiederholt. In der praktischen Arbeit bringt man das irgendwann zu einer Sicherheit, die ein Leihe schwer nachvollziehen kann. Ich kann meine Bildaufteilungen fallbezogen sachlich begründen. Aber worin die Lehre besteht, ist schlecht in ein oder zwei Sätzen zu beschreiben.
Wie entwickelt sich der Instinkt, um zu wissen, wann man den Auslöser betätigt?
Wer in der Fotografie erfolgreich ist, hat diesen Instinkt. Das ist ein Talent denke ich, ohne das es nicht geht. Aber dieser Instinkt nützt wenig, wenn er nicht permanent durch praktischen Einsatz geschärft wird. Meiner Meinung nach, muss das Fotografieren technisch beherrscht und das Auslösen trainiert werden. Es geht darum, den entscheidenden Moment voraus zu ahnen. Außerdem sollte ich als Fotograf, reichlich praktische Erfahrung darin haben, was meine Kamera, unter welchen Bedingungen, liefern kann. Dann werde ich zunehmend gute Ergebnisse erhalten.
Wann ein Film und wann digital?
Ich glaube dieses Thema polarisiert noch immer. Meine ganz persönliche Ansicht ist, wer in der analogen Fotografie noch irgend einen Vorteil sieht, macht sich selbst etwas vor. Es hat zugegebener Maßen eine ganze Zeit gedauert, aber inzwischen ist die Digitalfotografie, der analogen, in allen Punkten, haushoch überlegen. Wer ernsthaft glaubt, das analoge Material hätte eine andere, oder gar bessere Ausstrahlung als das digital erzeugte Bild, der versteht nicht genug von Bildbearbeitung. Mit Bildbearbeitung ist der Fotograf in der Lage, jeden erdenklichen Look zu erzeugen. Allerdings gehört die Bildbearbeitung, aus meiner Sicht, untrennbar zur digitalen Fotografie. Kein unbehandeltes Foto würde heute je mein Atelier verlassen. Das war früher ganz anders. Es mag Ausnahmen geben, aber wird ein fotografisches Ergebnis heute, nicht von Jedem, in digitaler Form erwartet? Analog ist nicht mehr kompatibel.
Welche Internet-Portale für Fotografie besuchen Sie häufig?
http://www.fotocommunity.de/ http://www.heise.de/foto/ http://www.digitalkamera.de/ http://view.stern.de/de
Gibt es eine besondere Technik, die Sie uns gerne mitteilen wollen?
Meine Interoperabilität ist mein größter technischer und künstlerischer Pluspunkt. Die Übergänge von Fotografie, Retusche, Fotodesign, Illustration und Kommunikationsdesign und Motion-Design sind fließend. Ich kann, je nach Anforderung, Schwerpunkte in der geforderten Disziplin setzen. Das macht mich als Designer universell einsetzbar.
 





© Matthias Töpfer
Web-Adresse dieses Interviews:http://www.whohub.com/matthiastoepfer

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