Interview mit:Peter Schumann [pilgerpetrus]
SCHREIBEN
 | Wie haben Sie angefangen, zu schreiben? Wer hat Ihre Texte damals gelesen? Geschrieben habe ich schon immer, anfangs, in jungen Jahren, für die Schublade, später beruflich als Journalist. |
 | Welches Genre bevorzugen Sie? Haben Sie einen Link, auf dem wir etwas über Ihr neuestes Werk erfahren können? Ich bevorzuge Prosa im erzählerischen Stil.
Vor wenigen Monaten ist ein Buch von mir erschienen unter dem Titel "Ein Heide auf dem Jakobsweg".
Sie können mehr darüber erfahren unter: http://www.peschum.de.to |
 | Wie verläuft Ihr kreativer Prozess? Was geschieht, bevor Sie sich hinsetzen und anfangen zu schreiben? Ich muss es selbst erlebt haben. In diesem Fall also ging ich zuerst den Jakobsweg von der Tür meines Hauses aus bis nach Santiago de Compostela. Danach setzte ich mich an den Computer und begann mit dem Schreiben. Zwar ist die ganze Geschichte dann an der Realität orientiert, dennoch fließen natürlich erfundene und, so hoffe ich, phantasievolle Passagen mit ein. Für die nachträgliche Recherche bestimmter Fakten ist das Internet eine nicht mehr wegzudenkende, effektive Hilfe. |
 | Welche Art Lektüre aktiviert in Ihnen die Lust, zu schreiben? Einfach gut erzählte, phantasievolle Geschichten, deshalb wohl auch historische Romane, die einen Hang zu Verschwörungstheorien in sich bergen. Auch gegen ein wenig Mystik habe ich nichts einzuwenden, obwohl ich ein sehr materialistisch (im philosophischen Sinne) eingestellter Mensch bin. |
 | Welche sind für Sie die Hauptzutaten einer guten Geschichte? Abwechslung in der Struktur, ein möglichst tragender Spannungsbogen, spannende Erlebnisse, die Verstand und Gefühl gleichermaßen ansprechen und Phantasie. |
 | In welchen Schuhen fühlen Sie sich wohl? Erste Person oder dritte Person? In der ersten Person. Das ist direkter, und der Leser kann sich besser identifizieren. |
 | Welche bekannten Schriftsteller bewundern Sie am meisten? Ob er noch bekannt ist, weiß ich nicht genau. Aber es ist Erwin Strittmatter, ein Schriftsteller aus dem Osten, der diese Berufsbezeichnung wie kein Zweiter verdient hat. Er sagt zum Beispiel nicht: kurze Zeit später, sondern: Zeitchen später, und das ist nur eines von Tausenden Beispielen schöpferischen Umgangs mit der Sprache, die man in seinen Werken finden kann.
Dazu gesellen sich viele Klassiker, die ich hier gar nicht alle aufzählen möchte. |
 | Was macht eine Person glaubhaft? Wie kreieren Sie Ihre Persönlichkeiten? Glaubhaft ist natürlich, wenn sich der Leser selbst in den handelnden Personen wiederfinden kann, oder solche aus seinem Umfeld identifiziert. Aber muss das wirklich so sein? Ich selbst bin auch offen für Unglaubliches oder Unglaubhaftes. Ich meine, es ist das Recht eines jeden Autors, wie übrigens jedes anderen Menschen auch, einfach mal zu "spinnen", der Phantasie freien Lauf zu lassen. Das macht das ansonsten oft langweilige Leben doch erst interessant. |
 | Sind Sie genauso gut darin, Geschichten mündlich zu überliefern? Nein, das glaube ich nicht. |
 | Für wen schreiben Sie in Ihrem tiefsten Inneren? Eine sehr hintergründige Frage, die eigentlich ein Psychologe beantworten müsste, bei dem man sich auf die Couch legt. Erstens: Ich schreibe nicht für mich. Zweitens: Ich schreibe auch nicht für eine bestimmte Person, für mehrere Personen auch nicht. Für mich selbst möchte ich gern glauben, dass ich für jedermann schreibe, so einfach es klingt. |
 | Ist Schreiben eine persönliche Therapie? Sind interne Konflikte eine kreative Antriebskraft? Von dem Gedanken, mich durch Schreiben zu therapieren, halte ich nichts. Dennoch glaube ich, dass interne Konflikte eine kreative und produktive Antriebskraft sein können, wenn man nicht in ihnen verkrampft. Man muss schon in der Lage sein, sich sozusagen über sie zu erheben, solche Konflikte praktisch wie ein Außenstehender zu betrachten, obwohl man selbst involviert ist. Das klingt leicht, ist aber unsagbar schwer. Am besten gelingt das, wenn man das eigene Werk immer und immer wieder durcharbeitet. Jedes Mal wird die Distanz dann größer und die Sicht objektiver. |
 | Nutzt Ihnen der Feedback Ihrer Leser etwas? Ich bin offen für Kritik und halte sie für eine wertvolle Triebfeder, eine Sache besser und besser zu machen. Also kurz: selbstverständlich! |
 | Präsentieren Sie sich bei Schriftsteller-Wettbewerben? Haben Sie schon einmal einen Preis gewonnen? Weder, noch ... Ich musste sechzig Jahre alt werden, um wieder zum schriftstellerischen Schreiben zurückfinden zu können. Das Leben ist ja kein Wunschkonzert. Es spielt manchmal Streiche, von denen man sich nur schwer erholt. |
 | Zeigen Sie Ihre Manuskripte einer vertrauten Person, um ihre Meinung zu hören? Nein, niemals! |
 | Glauben Sie, Ihre "eigene Stimme" bereits gefunden zu haben, oder ist man ewig auf der Suche nach ihr? Ich glaube schon, dass ich meine "eigene Stimme" gefunden habe. Ihre Frage ist ja allgemein gestellt. Sie trifft naturgemäß auf jüngere Autoren eher zu als für solche in meinem Alter. Dennoch: Der zweite Teil stimmt auch für mich, wenn man die Frage leicht abwandelt. Selbstverständlich hört die Suche nach der Vervollkommnung "meiner Stimme" nie auf, nie! |
 | Welche Disziplin erlegen Sie sich selber auf in Hinblick auf Ziele, Zeiten, in denen Sie schreiben, etc. Auch das ist vielleicht eine Frage der Abgeklärtheit des Alters: keine, mit der kleinen Einschränkung, wenn zum Beispiel vereinbarte Abgabetermine an einen Verlag nahen. Dann setze ich mich auch mal unter Druck. |
 | Was umgibt Sie in Ihrem Arbeitszimmer, um Ihre Konzentration zu erhöhen? Nichts Besonderes: der Computer, ein paar Bücher, Nachschlagewerke und dann und wann eine Tasse Kaffee. |
 | Schreiben Sie auf dem Bildschirm, drucken Sie häufig Ihre Schriften aus, korrigieren Sie auf Papier...? Wie läuft der Prozess bei Ihnen ab? Ich schreibe ausschließlich auf dem Bildschirm, drucke mir zwischendurch auch nichts aus und korrigiere ebenfalls am Bildschirm, und zwar formatfüllend und in größerer Schrift. Ich beginne die Überprüfung des Geschriebenen dann immer wieder von vorn, viele, viele Male. Leider habe ich einen Hang zum Perfektionismus, und die größte Hürde für mich besteht darin, zu sagen: "Jetzt ist es gut!" |
 | Welche Websites besuchen Sie, um Erfahrungen auszutauschen oder Informationen zu erhalten? Keine bestimmten. Es gibt einige Foren für Autoren, in die ich mich nur dann einklinke, wenn ich ein Problem habe oder eine Frage. Meist genügen dafür aber schon die FAQs. |
 | Welche Erfahrung haben Sie mit Verlagen gemacht? Das ist ein Reizthema für mich. Etablierte Verlage waren an meiner Erzählung nicht interessiert. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn man eine vernünftige Begründung bekäme, die einem weiterhilft. Vorgedruckte Ablehnungsschreiben, in denen manchmal sogar "Herr oder Frau" in der Anrede steht, helfen da nicht weiter. Die traurige Wahrheit ist, dass Verlage nur kostenorientiert arbeiten, und da ist jeder Möchtegern-Promi noch immer willkommener als jeder unbekannte Autor. Qualität und Stil sind zweitrangig. Das richten dann professionelle Helfer vom Verlag. Hauptsache, der Rubel rollt! |
 | An welchem Projekt arbeiten Sie momentan? Es sind mehrere. Ich habe mich noch nicht entschieden, welches ich für diesen Winter bevorzugen werde. In jedem Fall bleibt es bei romanhaften Erzählungen und Gegenwartsliteratur. |
 | Was raten Sie mir, was ich mit all diesen Texten machen soll, die ich seit Jahren schreibe, aber noch nie jemandem gezeigt habe? Machen Sie unbedingt ein Buch oder Büchlein daraus. Zum Glück hat es die moderne Zeit mit sich gebracht, dass nun jeder für kleines Geld seine Werke auch gedruckt sehen kann. Das Zauberwort, von dem ich viel halte, heißt Book-on-demand. Allerdings erfordert das eine gute Recherche; es gibt hier - wie überall- schwarze Schafe. |
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