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Interview mit Petra-J. Stotz [pjstotz] - KREATIVITÄT, IDEEN
 
 
 
 
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Interview mit:

Petra-J. Stotz [pjstotz] 


KREATIVITÄT
Wie kam es, dass eine Person wie Sie kreativ wurde, und warum?
Ich denke, Kreativität steckt in jedem Einzelnen von uns. Die Frage ist nur, ob ich mir es erlaube kreativ zu sein. Ob ich mich ausprobieren will - bereit bin, mich selbst näher kennen lernen zu wollen. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und interessiere mich für vieles. Dies - denke ich - fördert die Kreativität.
Wie verkauft man eine Idee?
Mit Authenzität, Leidenschaft und Herzblut. Da muß alles passen, bis ins kleinste Detail. Die Sache muß "rund" sein. Dann erreicht es auch viele andere Menschen.
IDEEN
Ist Markenware wichtig für Sie, wenn Sie einkaufen gehen?
Mir ist wichtig, dass ich weiß woher die Ware kommt und unter welchen Umständen sie produziert wurde. Wenn ich sehe, dass ich durch meinen Kauf Werte erhalten kann - tue ich das. Und das gebe ich auch mit Geschenken weiter. Ich habe "SchwabenLiebe" ins Leben gerufen um das Traditionelle aus Schwaben mit der heutigen Moderne zu verbinden. Es ist in keinem Widerspruch - ganz im Gegenteil, es fördert das herstellende Gewerbe im Ländle! Kurze Wege vom Hersteller bis zum Verbraucher ergibt eine positive Ökobilanz und der Käufer lernt über die "G´schicht" (Geschichte) auf dem Produkt etwas über die Region des Schwabenlands. Mit der Produktbezeichnung auf schwäbisch studiert er noch nebenbei den Dialekt der Region. Ist doch toll! Viele junge Schwaben kennen nicht mal mehr den Begriff "Herrgotts´bscheisserle" und warum die Maultasche im Schwäbischen so heißt. SchwabenLiebe greift es auf und erklärts! Eine moderne schwäbische Völkerverständigung! Für andere ist es ein Gefühl von Heimat, wenn sie nicht mehr im Ländle leben. Ich selbst habe fast 4 Jahre in Düsseldorf gelebt und glauben sie mir, Lensa mit Saida, Schpätzle und Herrgottsb´scheisserle hab ich mir von daheim immer mitbringen lassen. Schön, wenns dies jetzt hübsch verpackt daher kommt - dann kann man es auch verschenken - und zwar stolz und repräsentativ!
Gibt es Ihrer Meinung nach zu viele Feiertage und Ferien?
Nein. Ich finde die Anzahl richtig so, aufgrund Traditionen sind vielleicht in manchen Monaten zu viel Feiertage und in manchen leider keine. Trotzdem eine gute Möglichkeit zwischendurch wieder durchatmen zu können und zu wissen, der Mehrteil der Bevölkerung im Ländle geniesst jetzt auch einfach mal diesen arbeitsfreien Tag. Wir dürfen bei allem "höher, schneller, weiter" unsere eigenen Bedürfnisse, die des Partners und die der Kinder nicht ausser Acht lassen. Der Trend beweißt es, unsere Familien leben mittlerweile nicht mehr an einem Ort und ist es nicht schön, mal wieder ein großes Familientreffen zu veranstalten? Sich Zeit nehmen füreinander?
Boykottieren Sie eine Marke, wenn Sie erfahren, dass zur Herstellung Kinder aus der Dritten Welt arbeiten müssen, oder die Umwelt verschmutzt wird?
Ich habe zumindest den Konsum von Waren reduziert, der in 3. Welt Länder hergestellt wird. Es geht nicht nur um Kinderarbeit, die mich wütend macht, sondern um die Arbeitsbedingungen allgemein, Verwendung von Zusatzstoffen, die in Deutschland bzw Europa schon längst nicht mehr eingesetzt werden dürfen, weil sie krank machen..etc. Und doch darf diese Ware dann nach Europa bzw. Deutschland eingeführt werden. Wir kaufen die Produkte und bestätigen damit dem Hersteller, dass er so weitermachen kann. Nachhaltigkeit und positive Ökobilanz Fehlanzeige! Meiner Meinung nach müsste die EU und auch Deutschland daran interessiert das herstellende Gewerbe im eigenen Land zu halten. Und sei dies über Subventionen. Es ist doch schlimm, dass alles abwandert und nur noch der Preis regiert. Damit machen wir uns viel kaputt. Irgendwann weiß hier keiner mehr wie man Textilien, Taschen, Gebrauchsgegenstände etc herstellt. Ist doch unglaublich, dass wir z.B. nur noch einen einzigen Textilhersteller in Deutschland haben!
KULTUR
Wie schlagen Sie die Zeit tot?
Was für eine Frage! Ich bin dankbar so ein schönes Leben zu leben. Ich lade die Zeit zu mir ein und versuche wertschätzend mit ihr umzugehen. Aufgrund meines Temperaments, packe ich dann und wann eher zu viel in den Tag - erkenne das aber zum Glück rechtzeitig und ändere meine Termine. Ich entscheide auch oft spontan, wenn Badewetter ist, dann überrasche ich meine Tochter, hole sie früher ab und wir entschwinden in ein vereingeführtes Freibad am Rande der Stadt. Wir haben aber auch mal bewußt zwischendurch einen Schlafanzug-Tag und wir planen nichts und tun was uns einfällt.
Was kommt nach der Konsumgesellschaft?
Ich hoffe sehr, dass die Werte wieder wichtiger werden. Unsere Kinder sind mit dem Konsum in Film, TV und Zeitschrifen doch völlig überfrachtet. Ihre Vorbilder sind doch mittlerweile irgendwelche Gesangssternchen, die irgendwann am Himmel verglühen. Ich hoffe, ich kann meinem Kind die Werte und die Bereitschaft Werte schaffen zu wollen, vermitteln. Mit SchwabenLiebe, gehe ich mit bestem Beispiel voran.
In welcher Stadt leben Sie? Was gefällt Ihnen besonders gut und was gefällt Ihnen gar nicht an Ihrer Stadt?
Ich lebe in Stuttgart am Stadtrand. So habe ich Ruhe und wenn ich Trubel brauche, fahre ich in die City oder in benachbarte Städte der Metropolregion wie Ludwigsburg, Esslingen, Tübingen. Wir haben ringsum die Weinreben und Weinwanderwege, Berg und Tal, den Neckar, Mineralquellen, die wunderschöne Wilhelma (Zoo) und jede Menge Aussichtsplattformen in den Höhenlagen. Von einer dieser Plattformen auf die Stadt schauen ist nicht zu toppen - da komm ich ganz schnell wieder zum Punkt was wirklich wichtig ist im Leben. Meine eigene Zufriedenheit. Ich fände es wichtig mehr auf die alten Werte in der Stadt zu achten, unsere Parks erhalten und am besten noch ausbauen - auf Schönheit zu achten. Denn wir Menschen möges es doch, wenn wir an einem schönen Ort verweilen können. Keiner kann der Meinung sein, dass man sich auf kalten modernen Betonplätzen wirklich wohlwühlt - dort wird keine "Muse" warten und küssen wollen.
Marketing, Briefing, Brainstorming... Bemühen Sie sich, Anglizismen zu vermeiden, oder akzeptieren Sie diese Begriffe ohne weiteres?
Knifflige Frage. Nach 18 Jahren in der amerikanischen IT Branche würde ich lügen zu sagen, dass es mir leicht fällt, Anglizismen zu vermeiden. Aber seit meinem Ausstieg von einem "Global Player" und rein in mein eigenes werteschaffendes Unternehmen versuche ich, wieder mehr deutsche Wörter zu verwenden und manchmal verfalle ich auch wieder in meinen schwäbischen Dialekt.
Was halten Sie von Graffiti in den Städten?
Wenn sie gezielt geplant und bezahlt werden: super! Es macht unsere Betonstädte bunter und lebendiger!
PHILOSOPHIE
Die Philosophie für eine gute Gesundheit:
Versuchen sich selbst treu zu bleiben. Auf die eigene Stimme hören. Zu erkennen, dass ich das Wichtigste bin im Leben und die Erkenntnis dass wenn es mir gut geht, es erst allen anderen um mich herum gut gehen kann. Das ist meine Philosophie für Gesundheit und Frieden in der Welt.
KONSUMENT
Ziehen Sie lokale importierten Produkten vor?
Wissen Sie, es kommt immer darauf an was ich benötige. Es ist schön, dass wir in einer Zeit leben, in der wir die Möglichkeiten haben alles auf der Welt zu kaufen, die Klangschale aus Tibet, ein schönes Kissen aus Indien oder eine tolle Ledertasche aus Italien. Das möchte ich mir auch weiterhin leisten wollen. Aber im Lebensmittelbereich beispielsweise ist es mir wichtig regionale Produkte zu konsumieren. Darüberhinaus, wenn ich als Tourist in einem anderen Land bin, will ich immer ein Souvenir, ein Mitbringsel von dort. Ich will dem unglaublichen Trend entgegenwirken, dass auf fast jedem Souvenir "made in China" oder "made in sonstwo" draufsteht. Deutschland ist das Land der Qualität, Verlässlichkeit, Genauigkeit, Präzision - was für eine Ohrfeige für Touristen, wenn sie keine authentischen Mitbringsel mehr in den deutschen Souvenirshops, Flughäfen oder Bahnhöfen finden....ich hoffe, dass SchwabenLiebe einschlägt wie ein Leuchtrakete über dem nächtlichen Meer der Austauschbarkeit!!
 





© Petra-J. Stotz
Web-Adresse dieses Interviews:http://www.whohub.com/pjstotz

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