Interview mit:Simone Weber [rechtsanwaeltinsimoneweber]
RECHT
 | Was haben Sie studiert? Auf was haben Sie sich spezialisiert? Ich habe Rechtswissenschaften studiert und bin seit über 12 Jahren mit den Schwerpunkten Arbeitsrecht und Mietrecht tätig. |
 | Wie sieht Ihre Berufserfahrung im rechtlichen Bereich aus? Seit wann üben Sie Ihren Beruf aus? Ich bin seit über 12 Jahren als Anwältin tätig. Zunächst in einer großen Kanzlei in Schwaben, in der ich den Beruf von der Pike auf gelernt habe. Dann war ich in München in zwei anderweitigen Kanzleien tätig, die sich auf Arbeitsrecht, Mietrecht, Gesellschaftsrecht spezialisiert haben. Seit über vier Jahren Jahren bin ich selbstständig am Sendlinger Tor in München tätig. |
 | Welche Links gibt es über Sie im Internet, die uns einiges über Sie verraten? |
 | Welche Fälle interessieren Sie besonders? Natürlich insbesondere Fälle aus meinen Tätigkeitsgebieten Arbeitsrecht und Mietrecht. Hierbei ist fast jeder Fall anders gelagert und deshalb für mich immer wieder von Neuem spannend. |
 | Wie kommen die Kunden auf Sie? Warum glauben Sie, wählen Ihre Kunden Sie aus? Viele Mandanten kommen auf Empfehlung anderer zufriedener Mandanten oder aufgrund meines Engagements in sozialen Netzwerken. Manche haben meine Artikel in einem bestimmten rechtlichen Bereich gelesen oder waren Kursteilnehmer in rechtlichen Fortbildungsveranstaltungen. Manche googlen einfach und finden meine Websiten ansprechend.
Die Auswahl eines Anwalts ist letztendlich nicht nur die Entscheidung ob man den Anwalt für kompetent hält, sondern auch ob man ihm vertraut, sich dort gut aufgehoben fühlt und auf einer Wellenlänge liegt. Ich behandle meine Mandanten so wie ich auch behandelt werden möchte und empfinde mich als Dienstleister. Das Gesamtpaket und die juristische Leistung scheint meinen Mandanten zu gefallen. |
 | Wie berechnen Sie Ihre Tarife? Stehen Sie in Bezug zu Ihrem Einsatz, zu dem, was auf dem Spiel steht, oder hängen Sie von den finanziellen Möglichkeiten des Mandanten ab? Es gibt sowohl Honorarvereinbarungen als auch die Abrechnung nach Rechtsanwaltsvergütungsordnung. Die Honorare hängen insoweit weniger von den finanziellen Möglichkeiten des Mandanten ab, sondern vielmehr von dem Wert der rechtlichen Streitigkeit und dem Umfang sowie der Art meiner Tätigkeit. Meine Mandanten werden hierbei vor Mandatserteilung umfassend über die Kosten aufgeklärt, die entstehen können. |
 | Wie verkauft man einem Mandanten die Strategie, die Sie für seine Verteidigung erarbeitet haben? Da ich kein Strafrecht mache kommt es bei mir nicht auf eine Verteidigung an, sondern auf die Durchsetzung der Rechte meines Mandanten oder die Abwehr von Forderungen, die an ihn gestellt werden.
Ich verkaufe auch keine Strategie. Vielmehr mache ich auf Basis der mir vorliegenden Informationen und Tatsachen einen Vorschlag, wie man das Recht des Mandanten zielführend, schnell und effektiv außergerichtlich oder gerichtlich durchsetzen könnte. Im Bereich Arbeitsrecht kommt es aber auch oft vor, dass ich gemeinsam mit dem Mandanten eine Strategie entwickele, wie er z.B. Gehaltserhöhungen, Beförderungen durchsetzt, sich gegen Kündigungen wehrt, gute Abwicklungsvereinbarungen mit Fingerspitzengefühl aushandelt etc., ohne dass ich als Anwalt nach außen trete. |
 | Ihre Mandanten können emotional gesehen sehr aufgeregt sein. Wie schaffen Sie es, dass sie eine rationelle und realistische Einstellung bekommen? Natürlich sind Mandanten oft emotional sehr aufgeregt und auch aufgewühlt. Gerade im Arbeitsrecht ist z.B. eine Kündigung des Arbeitsplatzes mit sämtlichen Konsequenzen auch eine existentielle Frage. Selbst für Arbeitgeber sind auszusprechende Kündigungen oder Betriebsstillegungen nicht leicht- auch wenn dies nach außen vielleicht anders ankommt. Oder im Mietrecht wenn der Vermieter leider an Mietnomaden vermietet hat oder z.B. wenn andere störende Mieter einem ständig die Nachtruhe verderben. Es gibt viele Beispiele in denen diese Emotionalität vorhanden ist, das ist mehr als menschlich.
Meine Arbeit als Anwalt besteht zunächst darin, die Angelegenheit des Mandanten umfassend zu klären. Hierfür bin ich auf die Informationen meines Mandanten angewiesen und stelle sämtliche relevanten Fragen, um die rechtliche Situation detailliert zu erfassen. Ich bin hierin gleichsam zunächst einmal neutral aufgrund meines Abstandes. Diese anwaltlich emotionale Neutralität ist wichtig, um einen Vorschlag auf Basis von Fakten machen zu können, meinen Mandanten seine Rechte und Pflichten ausführlich zu erläutern und eine Lösung zu finden.
Hiervon zu unterscheiden ist meine weitere Aufgabe, meinem Mandanten natürlich den Rücken zu stärken und ihn emotional auch wieder im Gespräch aufzubauen. Er hat dann eine Person im Rücken, der er vertrauen kann, der er sich auch anvertrauen kann, die seine vorhandenen Rechte zu seinen Gunsten wahrt und vertritt. |
 | Was passiert, wenn Sie es intuitiv spüren, dass Ihr Mandant Sie belügt? Aufgrund meiner langjährigen Berufstätigkeit merke ich sehr schnell, ob ein Mandant die Unwahrheit erzählt. In diesem Fall spreche ich den Mandanten sehr direkt darauf an und weise ihn darauf hin, dass ich ihn nur dann gut vertreten kann, werde und will, wenn er mir die umfassende Wahrheit erzählt. Will oder kann er dies nicht, bin ich nicht die richtige Anwältin für ihn, da das Vertrauen fehlt- dann muss er sich konsequenterweise einen anderen Anwalt suchen. |
 | Haben Sie jemanden schon einmal als unschuldig verteidigt, obwohl Sie mit Sicherheit wussten, dass er schuldig ist? Grundsätzlich geht das deutsche Recht davon aus, dass jeder eine Verteidigung verdient hat- gleich ob schuldig oder unschuldig. Das ist sicherlich vor einem menschlichen Hintergrund richtig. Allerdings weiß ich, dass ich Strafverteidigung aus den verschiedensten Gründen nicht machen will und deshalb keine Strafverteidigung übernehme. |
 | Welche Gründe gab es für Sie, einen Fall abzulehnen? Wie haben Sie Ihre Entscheidung begründet? Ich nehme keinerlei Fälle in einem Rechtsgebiet an, in dem ich mich nicht auskenne, z.B. Familienrecht oder Strafrecht. Dann empfehle ich aber stets einen Anwalt meines Vertrauens, der in diesem Rechtsgebiet hauptsächtlich tätig ist und bei dem der Mandant gut aufgehoben ist.
Wenn ich Fälle aus meinen Tätigkeitsschwerpunkten ablehne, was relativ selten der Fall ist, dann sind die Gründe für mich auch schwerwiegend und ich erläutere dem Mandanten dies auch. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn der Mandant mich bewußt anlügt, um mich zu "seinem Instrument" zu machen oder ich sehe, dass der Fall aussichtslos ist, der Mandant aber auf Biegen und Brechen klagen möchte. Das ist nicht meine Sache und wenn der Mandant sich in sein Unglück stürzen möchte, dann bitte nicht noch mit meiner Hilfe. |
 | Welche Strategie ist normalerweise effektiver? Die aggressive oder die freundschaftliche? Oder die, wo Sie eine vernünftige Absprache treffen? Es gibt nicht "die Strategie". Eine Strategie ist nur dann gut, wenn sie auf die konkrete Situation und den konkreten Gegner abgestimmt ist. Allerdings sollte ein guter Anwalt hier die gesamte Klaviatur beherrschen. |
 | Ist es wichtig, von Vornherein die Persönlichkeit und die Gepflogenheiten des Richters zu kennen, der den Fall leiten wird? Sicherlich ist es manchmal von Vorteil, den Richter zu kennen und mit diesem einen freundlichen Umgang zu pflegen. Das macht das Miteinander im Gerichtssaal sehr angenehm. Allerdings dürften und geben die Persönlichkeit und die Gepflogenheiten des Richters in der Regel für die rechtliche Entscheidung selbst keinen Ausschlag. Hier kommt es allein darauf an, ob der Anwalt den Anspruch gut begründen und vertreten kann. |
 | Benötigt man in Ihrem Beruf Mut? Mut ist sicherlich ab und an auch gefragt. Wichtiger erscheinen mir Durchsetzungskraft, Kommunikationsstärke, Stringenz, Lebenserfahrung und der Wille, das Beste für den Mandanten zu erreichen. Zudem sollte einem Anwalt nichts Menschliches fremd sein- denn man hört und erlebt in diesem Beruf alles. |
 | Was ist Gerechtigkeit? Gibt es eine Möglichkeit, sie zu messen, oder ist es nur ein Gefühl? Menschlich wird von jedem Einzelnen sehr unterschiedlich definiert was nun Gerechtigkeit ist, gefärbt von Emotionen, Erfahrungen etc. Das, was ich vielleicht als gerecht empfinde, mag für eine andere Person ungerecht sein und umgekehrt.
Baruch de Spinoza sagte: "Die Gerechtigkeit ist der standhafte und fortdauernde
Wille, jedem sein Recht zu geben."
Es gibt in meinen Augen keine allgemein gültige, anhand von festgelegten Kriterien messbare Gerechtigkeit. Vielmehr nur den Wunsch, eine solche Gerechtigkeit möge doch bestehen und den Versuch, eine solche Gerechtigkeit weitgehend zu verwirklichen.
Selbst die vorhandenen Gesetze sind nur "Verträge", die ein gleichförmiges Verhalten aller Menschen in einer Gemeinschaft erwirken wollen, auf das sich die Menschen verlassen können sollen. Deshalb steht die Freiheit des Einzelnen im Lichte und der Einschränkung der Gemeinschaft zugunsten der größtmöglichen Gerechtigkeit für alle und wird durch Gesetze reglementiert. |
 | DNA-Analysen zeigen schwerwiegende juristische Fehler aus der Vergangenheit auf. Ist dies nicht ein ausreichendes Argument, um die Todsstrafe abzuschaffen? In Deutschland gibt es keine Todesstrafe und ich billige diese auch nicht, egal für welche Form von Verbrechen. Es kann nicht die Alternative sein, einen Straftäter zu töten, hierdurch wird weder seine Tat ungeschehen noch wird hierdurch etwas "gesühnt". Der Tod eines Menschen ist in meinen Augen immer überflüssig, egal in welcher Form und warum. |
 | Ist es nötig, die Justiz langsam und teuer zu halten, um einen Ansturm an irrelevanter Fälle zu vermeiden? Ich denke der Gedankengang "irrelevante Fälle zu vermeiden" existiert so gar nicht. Ich denke auch nicht, dass die Justiz teuer oder langsam gehalten wird.
Dass die Justiz teils schneller arbeiten müsste, ist unbestritten und hinsichtlich dessen gibt es auch entsprechende Bestrebungen, dies zu ändern. Allerdings natürlich auch eine Frage der Gelder, die seitens des Staates für die Einstellung von Richtern etc. zur Verfügung gestellt werden.
Es ist wichtig, dass jeder Bürger die Möglichkeit hat, Klage zu erheben und seine Rechte so klären zu lassen. Dies muss nicht zwangsläufig teuer sein. Im Arbeitsrecht z.B. gibt es keine Gerichtskosten und keinen Anwaltszwang. Es gibt in Deutschland auch die Möglichkeit der Prozeßkostenhilfe. Diese wird gewährt, wenn man aus eigenen Mitteln nachweislich nicht in der Lage ist, die Verfahrenskosten selbst zu tragen und die Rechtsstreitigkeit ausreichende Aussicht auf Erfolg hat. |
 | Berichten die Medien verhältnismä?ig zu viel über Kriminalfälle? Ich finde die Medien berichten nicht verhältnismäßig zu viel über Kriminalfälle, aber oft einfach weder ausgewogen noch ausreichend fundiert. Ich würde mich sehr freuen, wenn hier mehr auf eine journalistisch fundierte Recherche und Berichterstattung geachtet würde. Insbesondere in den Fällen, in denen noch kein Urteil gesprochen worden ist.
Eine Vorverurteilung des Verdächtigen durch die Medien hat oft so gravierende Auswirkungen für den Menschen, dass dies nicht mehr gut zu machen ist. Ich hatte z.B. Verfahren gegen div. Sender und Zeitungen, die nachweislich Unschuldige vorab durch ihre Berichterstattung zu Schuldigen gestempelt hatten. Da helfen alle im Nachhinein erstrittenen gerichtlichen Gelder nichts. Der Mensch ist gesellschaftlich so abgestempelt, dass es sehr schwer wird, dies wieder zu korrigieren-soweit das überhaupt möglich ist. Ganz zu schweigen von den psychischen Folgen für die Personen. |
 | Auf welchen Gebieten bilden Sie sich fort, um auf dem Laufenden zu bleiben? Um die stetige Rechtsprechung zu kennen, muss ich mich ständig weiterbilden. Sonst bleibt man einfach nicht am Ball und kann keine gute Leistung gewährleisten. Ich lese Fachzeitschriften, beobachte die neueste Rechtsprechung der Gerichte, besuche Seminare und Fortbildungsveranstaltungen etc. Mein besonderes Augenmerk ist hierbei natürlich auf das Arbeits- und Mietrecht gerichtet. |
 | Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Was würden Sie dann gerne tun? In fünf Jahren bin ich sicherlich immer noch Rechtsanwältin mit Leib und Seele und freue mich darüber, es noch weitere zwanzig Jahre machen zu können und zu dürfen. |
 | Welchen Rat geben Sie jemandem, der sich für die juristische Laufbahn interessiert? Ich würde raten, zunächst einmal in den juristischen Alltag zu schnuppern, sich bereits im Studium und Referendariat eine Kanzlei zu suchen, die einen wirklich ausbildet. Im Studium: durchhalten, durchhalten, durchhalten- denn der juristische Alltag macht wirklich Spaß. |
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