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Interview mit:

Thilo Baum [thilobaum] 



BERUF
Was ist Ihr Beruf? Was steht auf Ihrer Visitenkarte unter Ihrem Namen?
Mein Beruf ist Journalist. Unter meinem Namen steht auf meiner Visitenkarte meine Adresse. Meine Positionierung lautet "Klartext-Experte": Ich verhelfe Menschen und Organisationen zu mehr Aufmerksamkeit für ihre Botschaften.
Was haben Sie studiert und warum?
Studiert habe ich Theaterwissenschaft und Publizistik an der FU Berlin. Ich hatte schon immer eine Liebe zum Theater und allem Erzählerischen. Außerdem gelten die Gesetze der Dramaturgie auch in nichtfiktiven Texten, beispielsweise in Reportagen und auch Berichten – und deshalb auch in Newslettern, Powerpoint-Präsentationen und Webseitentexten. Wer heute die Aufmerksamkeit der Menschen sucht, braucht Dramaturgie.
Was erwartet man von Ihnen in Ihrer Arbeit? Wie setzen Sie diese Erwartungen um?
Die Menschen erwarten von mir Nutzwert und Unterhaltung in Kombination. Das gelingt, indem ich in lebhaften Seminaren die Botschaften der Teilnehmer unter die Lupe nehme und zeige, wie man sie prägnanter formulieren kann. Das funktioniert bei jeder Form von Kommunikation – ob schriftlich oder mündlich.
Ihre Links im Internet (Website, Blog, Social Networks, etc.)
http://www.thilo-baum.de (Seite zu meiner Person)
http://www.thilo-baum.de/lounge (mein Blog)
http://www.thilo-baum.de/category/podcast (meine Podcastbeiträge)
http://www.kommzumpunkt.de (mein Seminar "Komm zum Punkt!")
http://twitter.com/klartextexperte (ich bei Twitter)
https://www.xing.com/profile/Thilo_Baum (ich bei Xing)
http://www.xing.com/net/klartext (meine Xing-Gruppe)
Wann war Ihnen bewusst, dass Ihre Tätigkeit ernst genommen wurde und Sie ein Profi auf Ihrem Gebiet werden konnten?
Als ich verstanden habe, dass den Unternehmen in Zeiten des Info-Overkills die Menschen verloren gehen, wenn sie sich nicht glasklar ausdrücken. Das Handwerkszeug, das gute Journalisten noch von der Journalistenschule kennen, gehört dringend in die Business-Welt. Wer es beherrscht, hat mehr Erfolg. Ich habe dieses Know-how, weil ich jahrelang bei einer Zeitung Überschriften gemacht habe und an einer Journalistenschule Redakteure und PR-Leute ausgebildet habe.
Fällt es Ihnen leicht oder schwer, vor Publikum zu reden? Welche Erfahrungen haben Sie auf diesem Gebiet gesammelt?
Nein, es fällt mir nicht schwer. Keiner aus dem Publikum empfindet sich als Masse. Warum sollte ich Angst vor Menschen haben? Die müssen doch vor mir auch keine haben.

Mein Rekord war mein Auftritt als Sänger mit vierzehn Jahren beim "Kaufmann von Venedig" von Shakespeare mit 2000 Menschen im Publikum. Ansonsten habe ich inzwischen einige hundert Seminare gegeben.
Was unterscheidet Sie von anderen Experten in Ihrem Sektor?
Unter den Experten, die sich mit Kommunikation befassen, gibt es bislang im Wesentlichen zwei Gruppen:

- Die einen machen "Rhetorik" im landläufigen Sinne und befassen sich mit Argumentationshilfen und Körpersprache. Hier habe ich noch nie erlebt, dass jemand erfahren hätte, wie er seine Botschaft inhaltlich herausarbeitet und eine knackige Überschrift formuliert.

– Die anderen machen die üblichen Schreibtrainings und legen viel zu viel Wert aufs Kleinteilige, auf korrekte Sprache, Grammatik und so weiter. Dabei ist auch der korrekteste Text sinnlos, wenn die Überschrift nicht als Anreißer funktioniert oder wenn die Botschaft keine Relevanz hat. Und ein Text ist noch lange nicht gut, nur weil er richtig ist.

Weil sich bislang kaum jemand um die Kombination aus Relevanz und Attraktivität kümmert, lesen wir viel zu viele korrekte, aber langweilige Texte. Und wir erleben viel zu viele perfekte Redner mit abgezirkelter Körpersprache, die nichts zu sagen haben.

Die Lücke dazwischen fülle ich: Ich bringe das Know-how des Journalismus in die Rhetorik und zeige, wie man mit Worten die Menschen gewinnt, egal ob mündlich oder schriftlich.
Was wollten Sie werden, als Sie noch ein Kind waren?
Schlagzeuger.
Referenzen, Veröffentlichungen, Wettbewerbe, etc.
Diverse. Von meinen Veröffentlichungen möchte ich hier nur vier erwähnen:

Thilo Baum: "Komm zum Punkt! Das Rhetorik-Buch mit der Anti-Laber-Formel". Eichborn 2009

Thilo Baum: "Komm zum Punkt! für Geschäftsleute". Hörbuch, 2:32:53, zum Download hier: http://www.thilo-baum.de/shop/

Thilo Baum: "Mach dein Ding! Der Weg zu Glück und Erfolg im Job". Eichborn 2010

Thilo Baum: "30 Minuten für gutes Schreiben". Gabal 2006

KREATIVITÄT
Wie kam es, dass eine Person wie Sie kreativ wurde, und warum?
Ein kreativer Mensch "wurde" nicht kreativ, sondern er war schon immer kreativ. Bevor wir in die Schule kamen und uns die Schule die Kreativität auszutreiben versuchte, waren wir fast alle kreativ.

Kreativ als Erwachsene sind die, die sich von der Schule nicht brechen ließen.

Wichtiges Video dazu, deutsche Untertitel sind einstellbar:

http://www.ted.com/talks/ken_robinson_says_schools_kill_cr (...)
Können Sie sich in eine schlechte Idee verlieben, nur weil sie von Ihnen stammt? Wie vermeiden Sie so etwas?
Nein, weil ich nicht der Nabel der Welt bin. Sich in eine Idee zu verlieben, ist in jeder Hinsicht unprofessionell. Prio eins muss der Anspruch sein zu fragen: Was wollen die Menschen? Worum geht es?
Unter welchen Kriterien suchen Sie sich jemanden aus, den Sie in Ihrem kreativen Team aufnehmen wollen?
Ob er ein Matcher ist oder ein Mismatcher, ein Geber oder ein Nehmer, ob er lang- oder kurzfristig denkt, ob er ziel- oder prozessorientiert tickt.
Ihr Lieblings-Werbespot, den Sie in der letzten Zeit gesehen haben?
Die Carglass-Filme. In Sachen Storytelling perfekt.
Welche Weltstadt reizt Sie derzeit aufgrund Ihres kreativen Ambientes?
Los Angeles oder genauer Hollywood.

SCHREIBEN
Wie verläuft Ihr kreativer Prozess? Was geschieht, bevor Sie sich hinsetzen und anfangen zu schreiben?
Das Schreiben ist gar nicht die eigentliche Arbeit. Beim Schreiben fixiere ich nur Gedanken. Die Gedanken zu finden und zu strukturieren, ist der eigentliche Job. Das läuft vorher gedanklich.
In welchen Schuhen fühlen Sie sich wohl? Erste Person oder dritte Person?
Wenn ich "ich" meine, sage ich "ich". Wenn ich "er" meine, sage ich "er". Wenn ich "man" meine, sage ich "man".

Es geht nicht ums Wohlfühlen, sondern darum, was ich sagen will. Schreiben ist Informationsvermittlung, ob fiktional oder nicht, und damit Handwerk.

Fragen Sie mal einen Busfahrer, ob er sich auf der Linie 7 oder auf der Linie 9 wohler fühlt.
Sind Sie genauso gut darin, Geschichten mündlich zu überliefern?
Ja, sicher. Heute ist das Doppelgespann Buch/Seminar nicht mehr aus der Didaktik wegzudenken. Und natürlich muss jemand, der Gedanken vermittelt, die mündlich genauso gut rüberbringen wie schriftlich.
Für wen schreiben Sie in Ihrem tiefsten Inneren?
Ich schreibe nicht für mein "tiefstes Inneres". Ich schreibe für die Menschen, die sich für Inhalte und Konzepte für die Kommunikation interessieren. Schreiben ist Handwerk, keine Therapie.
Schreiben Sie auf dem Bildschirm, drucken Sie häufig Ihre Schriften aus, korrigieren Sie auf Papier...? Wie läuft der Prozess bei Ihnen ab?
Ich schreibe nicht auf dem Bildschirm, sondern auf der Tastatur. Ausdrucken? Erst ganz am Ende.

Den Prozess würde ich so beschreiben:

1. Wissen und erkennen, worum es geht.
2. Das Thema zuspitzen und in eine knackige Überschrift packen.
3. Struktur anlegen: Was will ich in welcher Reihenfolge sagen?
4. Daraus das Inhaltsverzeichnis anlegen.
5. Inhaltsverzeichnis prüfen, prüfen, prüfen, bis es perfekt ist.
6. Erst dann anfangen zu schreiben.

JOURNALISMUS
Was ist Ihre Spezialität? Über welche Themen schreiben Sie?
Heute über Kommunikation und Arbeitsleben. Als ich noch bei der Presse war, war mein Job vor allem das Blattmachen, Überschriften, Schlussredaktion.
In welchen Medien haben Sie bisher gearbeitet?
Bei der "B.Z" und beim "Berliner Kurier". Ich wollte schon immer Boulevard machen, weil man dort das Schreiben besser lernt als bei Abozeitungen, in denen man endlos rumlabern kann.
Was ist eine Nachricht?
Etwas Relevantes, das vorher noch nicht da war.
Was ist für Sie Objektivität?
Objektiv ist nur das Ding vorne an der Kamera.
Wie lautet die beste Schlagzeile, den Sie je gelesen haben?
Die "Sun". Es war entweder zum Einmarsch der US- und britischen Truppen in den Irak oder zum Sturm auf irgendein Saddam-Versteck, das weiß ich nicht mehr:

IN
WE
GO
Endet die Meinungsfreiheit dort, wo die Verlagsvorgabe anfängt?
Ja. "Die Presse ist für den frei, dem sie gehört", sagt Al Pacino als CBS-Journalist in dem Film "Insider".

Und deswegen ist das Internet so wichtig. Heute können alle Nachrichten produzieren, auch Unternehmen. Die Kontrollfunktion der alten Medien fällt weg.

Deswegen ist es ja gerade so wichtig, dass Unternehmen erfahren, wie journalistisches Arbeiten funktioniert, denn in den wenigsten Unternehmen sitzen Journalisten.
Wird der Blog-Journalismus die Berufssparte revolutionieren?
Bislang nicht, weil Blogger meist keine Ahnung von journalistischem Handwerk haben. Aber wenn sie mal wissen, was Nachrichten sind und was relevant ist, dann könnte das eine Perspektive sein. Bisher sind Blogger in Deutschland meistens viel zu vergeistigte Theoretiker mit akademischem Hintergrund, die sich in Details verlieren oder übers Bloggen selbst schreiben. Nicht unbedingt die Truppe, aus der man eine Redaktion zusammenstellen könnte.
Wird es irgendwann keine gedruckten Zeitungen mehr geben?
Solange weite Teile des platten Landes vom Hochgeschwindigkeitsinternet abgeschnitten bleiben und solange Busfahrer keinen Internet-Anschluss im Bus haben, wird es meiner Einschätzung nach Zeitungen geben. Vielleicht haben Zeitungen dann eine andere Form, sind rein verkaufsfinanziert oder sonst was, trashig, aber es wird sie wohl geben.

Ich weiß nicht, ob das Rieplsche Gesetz stimmt, aber danach bleiben einmal etablierte Massenmedien erhalten: http://de.wikipedia.org/wiki/Rieplsches_Gesetz

Dabei gehen wir natürlich davon aus, dass das Telex kein Massenmedium ist.
Hilft Ihnen ein Motto oder ein ethisches Prinzip im wirren Momenten, eine Entscheidung zu treffen?
Was ist fürs Publikum relevant? Was ist die Story von außen betrachtet?
Welchen Rat geben Sie jemandem, der frisch von der Uni kommt und einen Fuß im Journalismus fassen will?
Uni großteils vergessen, dann beim Boulevard anfangen, Dreck fressen, Realität, Polizeijournalismus, Lokalreportage mit Geringverdienern in der Großstadt, auf den Boden kommen und erkennen, dass Journalismus nicht in erster Linie Schreiben ist, sondern Recherche und Informationsauswahl. Das Ego kleinschrauben und nur, nur, nur an die Leute da draußen denken. Sich niemals in Texte verlieben, sondern anerkennen, dass fast jeder externe Blick Texte schärft.

Es gilt sowieso überall, wo man öffentlich kommuniziert: Der Fokus muss ständig auf den Belangen des Publikums liegen. Was wollen die Leute?

BLOGGER
Wie lautet die URL zu Ihrem Blog? Über welche Themen schreiben Sie?
http://www.thilo-baum.de/lounge

Ich schreibe vorwiegend übers Business und über Denkmuster, und ich gebe Tipps zur leichteren Kommunikation.
Haben Sie Kontakt zu anderen Bloggern oder zu einigen Ihrer Leser?
Ja, sicher. Man mailt sich, man telefoniert.
Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der einen Blog ins Leben rufen will?
Zunächst mal würde ich ihm raten, "das Blog" zu sagen statt "der Blog", wenn er sich in der Szene nicht lächerlich machen möchte.

Und dann kommt es darauf an, was das Ziel ist. Will jemand Cat-Content für Freunde machen, dann go ahead. Sieht er oder sie aber das Blog als Teil eines wirtschaftlichen Handelns, dann gibt es eine ganze Reihe von Tipps:

1. Schreibe nichts, wenn du nichts zu sagen hast.

2. Entscheide dich für ein Thema, das deiner Positionierung entspricht (Der Klartext-Experte schreibt über Klartext, das Bildblog kritisiert Medien).

3. Lies ein aktuelles Buch über Medienrecht. Lerne, zwischen Tatsachenbehauptungen und Meinungsäußerungen zu unterscheiden und die Grenzen der Berichterstattung zu sehen. Tatsachenbehauptungen müssen wahr sein und dürfen keine Rechte verletzen. Meinungsäußerungen dürfen keine Schmähkritiken sein.

4. Lies journalistische Ratgeber zum Thema Recherche. Wann kann ich eine Sache als Sache rausposaunen? Kürzlich las ich in einem Blog, die Verhaftung Kachelmanns sei ein Zeichen, dass an den Vorwürfen gegen ihn etwas dran sei. Diese Interpretation ist falsch. Wir haben in Deutschland die Unschuldsvermutung bis zum Urteil bzw. Freispruch. Solche Dinge muss man als Blogger draufhaben.

5. Verkauf die Leute nicht für dumm, indem du ständig über Produkte schreibst, mit denen du Geld verdienst. Das will keiner lesen. Mach keine Fakeblogs, in denen du Kunstfiguren etablierst, die angeblich echt sind - das fliegt auf und ist peinlich.

6. Schreib einfach und verständlich über Dinge, die für deine Leserinnen und Leser relevant sind und eine Bedeutung für sie haben. Hab nicht im Sinn, damit etwas zu verkaufen. Trenne im Kopf Redaktion und Anzeigenabteilung und denke nur redaktionell. Dann baut sich von alleine ein treuer Leserstamm auf.

7. Sei provokant und bring immer wieder kontroverse Beiträge, damit sich die Menschen daran reiben können. Das sorgt für Widerspruch und für Aufregung und damit für Traffic.

8. Schreib strukturiert. Jeder Gedanke ein Absatz. Mach Leerzeilen zwischen Absätzen. Bei längeren Texten mach Zwischenzeilen. Bau Fotos ein und umfließ die Fotos mit qualifizierten Bildunterschriften (Was ist auf dem Foto zu sehen? Für einen Blinden erklären. Und dann evtl. eine klitzekleine Zusatzinfo).

9. Verwende viel Zeit und Energie auf deine Überschriften. Sie sind der Wurm für den Fisch. Überschriften müssen nicht erschöpfend präzise und korrekt sein ("Unser Münchner Büro hat bei einer europaweiten Ausschreibung die Firma XY als Kunden gewonnen"), sondern sie muss die Botschaft in normaler menschlicher Sprache transportieren ("Wir machen XY"). Die sachlich korrekten Details kannst du dann immer noch im Text bringen.

10. Setze viele externe Links und natürlich auch interne Links auf verwandte eigene, ältere Blogbeiträge. So vertiefen sich die Menschen in dein Blog, wenn du etwas schreibst, was sie interessiert.
 

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[thilobaum]
Thilo Baum
Heiligengrabe (Brandenburg)


[thilobaum] Thilo Baum
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© Thilo Baum
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