Interview mit:Yvonne Pioch [yvonnepioch]
SCHREIBEN
 | Wie haben Sie angefangen, zu schreiben? Wer hat Ihre Texte damals gelesen? Mit 17 habe ich zusammen mit einem Freund einen Roman angefangen. Wir schrieben immer abwechselnd, das Buch wurde aber nie fertig. Danach habe ich meine Kreativität lange im Beruf ausgelegt und als Journalistin gearbeitet. |
 | Wie verläuft Ihr kreativer Prozess? Was geschieht, bevor Sie sich hinsetzen und anfangen zu schreiben? Erst gibt es nur eine grobe Idee und ich fange einfach an zu schreiben. Wenn sich die Idee konkretisiert und die ersten Kapitel stehen, plane ich die weitere Struktur. In dieser Zeit schreibe ich nichts. Wenn ich den Verlauf der Geschichte geplant habe, teile ich sie in Kapitel auf und schreibe dann sukzessive. |
 | Welche Art Lektüre aktiviert in Ihnen die Lust, zu schreiben? Das ist ganz verschieden. Es sind nicht unbedingt Bücher des eigenen Genres. Es kann ein Dialog in einem Roman sein, eine humorvolle Stelle in einem anderen oder das Zitat eines Philosophen. |
 | Welche sind für Sie die Hauptzutaten einer guten Geschichte? Man nehme eine Aussage (!), wenige, psychologisch interessante Charaktere, einen Löffel Ernsthaftigkeit und eine Prise Humor und gieße alles in die Form einer mitreissenden und gut geschriebenen Story. |
 | In welchen Schuhen fühlen Sie sich wohl? Erste Person oder dritte Person? In der dritten Person. Die erste Person wird zu gerne mit dem Autor assoziiert. |
 | Welche bekannten Schriftsteller bewundern Sie am meisten? Michael Ende, Anna Gavalda, Amelie Nothomb, Carlos Ruiz Zafon und Joanne K. Rowling. |
 | Was macht eine Person glaubhaft? Wie kreieren Sie Ihre Persönlichkeiten? Meine Personen sind häufig ungeschliffene Diamanten. Gute Menschen mit enormen Talenten, die ihren Weg noch nicht gefunden haben. Sie sind sympathisch, gerade weil sie nicht fehlerlos sind. |
 | Sind Sie genauso gut darin, Geschichten mündlich zu überliefern? Man sagt mir, ich könne gut erzählen. |
 | Für wen schreiben Sie in Ihrem tiefsten Inneren? Für mich selbst, für Menschen, die Rat suchen und für all jene, die behaupten, Bücher wären nichts für sie. |
 | Ist Schreiben eine persönliche Therapie? Sind interne Konflikte eine kreative Antriebskraft? Zum Teil sicherlich. Man sollte aber nicht nur über sich selbst schreiben. Meine Hauptpersonen sind nie ich selbst, aber oft ein Teil von mir. |
 | Nutzt Ihnen der Feedback Ihrer Leser etwas? Immer, wenn es konstruktiv ist. |
 | Präsentieren Sie sich bei Schriftsteller-Wettbewerben? Haben Sie schon einmal einen Preis gewonnen? Ich habe letztes Jahr die Teilnahme an der internationalen Schreibwerkstatt "Sharazad - Stories for life" gewonnen. |
 | Zeigen Sie Ihre Manuskripte einer vertrauten Person, um ihre Meinung zu hören? Meinen ersten Roman haben drei Vertrauenspersonen gelesen. Deren Kommentare nehme ich sehr ernst und überarbeite daraufhin Passagen noch einmal. |
 | Glauben Sie, Ihre "eigene Stimme" bereits gefunden zu haben, oder ist man ewig auf der Suche nach ihr? Man sollte immer an sich arbeiten. Für den Moment bin ich zufrieden mit meiner Stimme, aber ich werde sicherlich im Laufe der Jahre dazulernen. |
 | Welche Disziplin erlegen Sie sich selber auf in Hinblick auf Ziele, Zeiten, in denen Sie schreiben, etc. Schreiben funktioniert nicht auf Knopfdruck. Es gibt Tage, da brauche ich gar nicht anzufangen. Aber wenn mich ein Projekt fesselt, schreibe ich ein Kapitel pro Tag, fünf Tage die Woche. Das ist kein selbstzwang, ich habe einfach Lust dazu. |
 | Was umgibt Sie in Ihrem Arbeitszimmer, um Ihre Konzentration zu erhöhen? Viele Bücher, Pflanzen und Bilder. |
 | Schreiben Sie auf dem Bildschirm, drucken Sie häufig Ihre Schriften aus, korrigieren Sie auf Papier...? Wie läuft der Prozess bei Ihnen ab? Ich schreibe vollständig elektronisch und drucke das Manuskript erst aus, wenn ich fertig bin. Dann kommt die Korrekturphase. |
 | An welchem Projekt arbeiten Sie momentan? An meinem ersten Fantasy-Roman, "Die Prophezeiung von Altraterra". Er ist fertig geschrieben, befindet sich aber noch in der Korrekturphase. |
 | Was raten Sie mir, was ich mit all diesen Texten machen soll, die ich seit Jahren schreibe, aber noch nie jemandem gezeigt habe? Zeigen Sie Sie jemandem! Alternativ: Nehmen Sie an einer Schreibwerkstatt teil, erstellen Sie dort neue Texte und besprechen Sie diese mit anderen Schreibern. |
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